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Donnerstag, 14.09.2017

Wie weiter am Bahnhof?

Die Bürger für Meißen möchten keine Taxis mehr auf dem Vorplatz. Stattdessen sollen Hecken gepflanzt werden.

Von Stephan Hönigschmid

Für den im Besitz der Stadt befindlichen Bahnhofsvorplatz sind vielfältige Maßnahmen geplant, um Aussehen und Aufenthaltsqualität für jedermann zu verbessern. Wie genau diese aussehen sollen, wird auch anhand von Vorschlägen aus der Bürgerschaft in der Verwaltung erarbeitet.
Für den im Besitz der Stadt befindlichen Bahnhofsvorplatz sind vielfältige Maßnahmen geplant, um Aussehen und Aufenthaltsqualität für jedermann zu verbessern. Wie genau diese aussehen sollen, wird auch anhand von Vorschlägen aus der Bürgerschaft in der Verwaltung erarbeitet.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Seit Jahren liegt der Platz vor dem Meißner Bahnhof im Dornröschenschlaf. Unkraut sprießt aus dem Boden, das Pflaster hat seine besten Tage schon lange hinter sich. Glücklicherweise scheint nun Bewegung in die Sache zu kommen. Nachdem die Stadt im Amtsblatt um Vorschläge für die Umgestaltung des Platzes gebeten hatte, konnte sie sich vor Einsendungen kaum retten. Die SZ hat sich mit Frank Buchholz von der Initiative „Bürger für Meißen - Meißen kann mehr“ unterhalten, die sich ebenfalls an dem Ideenwettbewerb beteiligt hat.

Auf welchen Wegen kann die Aufenthaltsqualität verbessert werden?

„Der Bahnhofsvorplatz ist momentan sowohl für Touristen als auch für Pendler wenig attraktiv. Die Leute kommen und gehen zwar, aber es gibt keine Aufenthaltsqualität. Man kann sich nirgendwo hinsetzen, ein Eis essen und verweilen“, sagt Frank Buchholz. Er habe sich daher über den Aufruf der Stadt gefreut. „Die Bürgerbeteiligung war eine gute Idee. Dieser Weg sollte im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs fortgesetzt werden, bei dem sich verschiedene Planungsbüros mit ihren Konzeptionen beteiligen, die dann öffentlich diskutiert werden.“ Genaue Zahlen zur Bürgerbeteiligung, die bis 31. August möglich war, liegen unterdessen noch nicht vor: „Die Resonanz auf den Aufruf war außerordentlich groß, sodass die Einsendungen und Anmerkungen, die über unterschiedliche Wege eingegangen sind, noch gar nicht ausgezählt werden konnten“, sagt die Sprecherin der Stadt Meißen, Katharina Reso. Insgesamt hätten sich mehr Privatleute als Mitglieder von Vereinen an der Aktion beteiligt, so Reso.

Was soll mit den Taxistellflächen vor dem Haupteingang passieren?

Eine Hauptforderung der Initiative „Bürger für Meißen“ ist die Verlagerung der Taxistellflächen vor dem Bahnhof. „Wir treten dafür ein, dass die Taxis 20 Meter weiter in Richtung Omnibusparkplatz verlegt werden. Auf diese Weise entsteht ein schöner, offener Platz. Diesen könnte man zum Beispiel mit einer Hecke einfassen und ihn um gestalterische Elemente wie ein ebenerdiges Wasserspiel, eine indirekte LED-Beleuchtung des Gebäudes und Kunst am Bau ergänzen.“ Zusätzlich seien Freisitze der Bäckerei oder des Bahnhofsrestaurants wünschenswert, sagt Buchholz, der Stadtplanung in Berlin studiert hat und bei seiner früheren Arbeit in Darmstadt zahlreiche Planungsprozesse sowie öffentliche Beteiligungsverfahren in Süddeutschland begleitet hat. Mit einer Verlagerung des Taxistandes um wenige Meter Richtung VVO könnte sich auch der Geschäftsführer der Funktaxi Meißen GmbH, Sandy Kretzschmann, anfreunden. Er habe gegen einen solchen Vorschlag nichts einzuwenden. Lediglich eine komplette Verlagerung der Taxiflächen lehnt er ab: „In einer Touristenstadt wie Meißen sollte für den Kunden, ob Tourist oder Einheimischer, das Taxi günstig am Bahnhof zu erreichen sein“, so Kretzschmann.

Wird für Fahrräder, Car-Sharing und Elektromobilität mehr Raum benötigt?

Ein wichtiges Thema ist für die Mitstreiter um Frank Buchholz auch die Errichtung von Fahrradstellplätzen. „Zehn bis 15 Fahrradbügel zur Dresdner Straße hin wären notwendig. Bisher sucht man ja vergebens eine Möglichkeit, um sein Fahrrad anzuschließen.“ Es sei daher kein Wunder, dass viele Menschen mit dem Auto nach Dresden pendelten, anstatt den Nahverkehr zu benutzen. Ähnlich wichtig findet er einen Parkplatz fürs Car-Sharing und eine Ladesäule für Elektroautos und Elektrofahrräder, die zwar nicht auf dem Vorplatz, aber in Reichweite sein müssten. „Beim Car-Sharing wäre ein Anbieter wie Teil-Auto denkbar, der mit zwei bis drei Stellflächen vertreten sein könnte. Mit Blick auf die Ladesäulen wäre eine ähnliche Lösung wie in Radebeul-Ost erstrebenswert. In Meißen gibt es zwar welche am Sägewerk und am Burgberg, aber gerade am Bahnhof gehören auch Ladesäulen hin“, so Buchholz.

Was muss für Gehbehinderte und Blinde konkret getan werden?

Gehbehinderte als auch Rollstuhlfahrer oder Familien mit Kinderwagen müssen den Bahnhof gut erreichen können. „Wir wünschen uns Barrierefreiheit und ähnlich wie in Radebeul Rillen im Boden, die Blinden bei der Orientierung helfen“, so Buchholz. Die Meißner Stadtverwaltung nimmt die Vorschläge auf und ergreift die nächsten Schritte. „Gemeinsam mit dem Bauausschuss werden aus den eingegangenen Vorschlägen nun erste Planungen und Handlungsansätze für die Platzgestaltung erarbeitet. Dabei sollen die Bürger auch weiterhin eingebunden werden, etwa über Informationsveranstaltungen“, sagt Reso.

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