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Montag, 20.03.2017

Wie sicher ist die Hutbergbühne?

Kamenzer Stadträte sind sich sicher: Die Veranstaltungsstätte kann noch sicherer werden. Deshalb ist eine neue Rettungszufahrt im Spiel.

Von Frank Oehl

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Prima Stimmung auf der vollen Hutbergbühne. So haben wir es gern. Was aber passiert, wenn eine Panik ausbricht? Dann könnte es spannend werden.
Prima Stimmung auf der vollen Hutbergbühne. So haben wir es gern. Was aber passiert, wenn eine Panik ausbricht? Dann könnte es spannend werden.

© Archivfoto: Matthias Schumann

Die Planskizze zeigt eine mögliche Feuerwehraufstellfläche (rot) südlich der Hutbergbühne. Die Zufahrt wäre von unten über die Feldstraße – auch für die Rettungswagen, die sich den weiten Weg von hinten über Lückersdorf sparen könnten.
Die Planskizze zeigt eine mögliche Feuerwehraufstellfläche (rot) südlich der Hutbergbühne. Die Zufahrt wäre von unten über die Feldstraße – auch für die Rettungswagen, die sich den weiten Weg von hinten über Lückersdorf sparen könnten.

© Skizze: PGN

Kamenz. Vor eineinhalb Jahren war Stadtrat Bernd Goldammer (Wählervereinigung Kamenz und Ortsteile) im Kulturausschuss mit seiner Forderung noch abgeblitzt. Er hatte damals lauthals – auch mit Blick auf die gewachsene Gefährdungslage im Lande – eine Sicherheitskonzeption für die Hutbergbühne gefordert. „Wir haben doch eine“, war die recht lapidare Antwort gewesen. Inzwischen ist allen Beteiligten klar, dass sie offenbar entwicklungsfähig ist. Im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss am Mittwochabend wurde Klartext geredet. Insbesondere von den Experten in Sachen Ordnung und Sicherheit.

Der Super-Gau jeder Großveranstaltung ist eine Massenpanik. Wie sie ausgehen kann, hat Duisburg gezeigt. Das ist auf dem Hutberg so nicht möglich. Für den Havariefall sieht die aktualisierte Sicherheitskonzeption auf dem Hutberg vier Notausgänge vor. Zwei führen auf die Straße zum Hutberg, zwei südlich in den Wald. Ordnungsamtsleiterin Heidrun Höppner: „Alle Notausgänge sind bei Veranstaltungen besetzt – mit Hilfe von Drahtscheren werden die Fluchtwege freigeschnitten.“ Das sollte ausreichen. Allerdings könnte es beim Rettungseinsatz schwierig werden, weil die einen Kilometer lange Hutbergstraße als natürlicher Fluchtweg ja im Ernstfall auch eine Rettungsgasse darstellt.

„Mutiger Gedanke

Die Idee ist, die Leute von der Bühne kommend ins Hutbergareal auf den nach unten führenden Parallel-Weg in den Anlagen zu leiten. Vizepolizeirevierchef Siegmar Günther: „Das ist ein mutiger Gedanke.“ Seine langjährige Berufserfahrung lasse ihn zweifeln, ob dies im Ernstfall wirklich gelingen könne. „Wenn die Hutbergbühne zum Hexenkessel wird, suchen die Massen die kürzesten Wege ins Licht.“ Er sei immer froh gewesen, wenn bei Konzerten auf der Bühne nichts passiert sei. Und auch Stadtwehrleiter Volker Lutterberg legte den Fokus auf eine „Evakuierungslösung“, die mit einem möglichen, größeren Rettungseinsatz nicht kollidiere. Kritik gab es im Ausschuss zur weiten Zufahrt der Notarztwagen. Die bisherige Lösung sieht vor, dass sie von hinten, also kilometerweit über den ausgebauten Feldweg von Lückersdorf bis an die Sanitätsdienstzentrale westlich der Bühne geführt werden, wo mögliche Verletzte erstversorgt werden. Peter Meißner, Sachgebietsleiter Rettungsdienst im Landratsamt: „Der Anfahrtsweg ist zu lang, die Rettungspflichtzeiten sind gefährdet.“

Interessante Lösung

Was nun? Den Stadträten wurde eine interessante Lösung vorgestellt. Es geht um eine zusätzliche Rettungszufahrt. Für etwa 300 000 Euro, so die Erstberechnung der Planungsgruppe Neumann, sei sie zu haben. Indem man über die Straße am Damm und die Feldstraße am Ewag-Hochbehälter vorbei eine befahrbare Trasse bis nahe an die Hutbergbühne schaffe (siehe Skizze). Im Wald solle eine Feuerwehr-Aufstellfläche entstehen, die ein Vorbeifahren der Rettungswagen bis auf den Weg nach Lückersdorf ermöglicht. Anschließend könnten die Sankras die Straße am Hutberg auf dem schnellsten Weg wieder nach unten. Der „Einbahnstraßen-Ring“ würde freilich nur funktionieren, wenn die Zufahrt vom Damm nicht irgendwo zugeparkt ist, wie Stadtrat Sandro Gäbler (CDU) anmerkte. OB Roland Dantz: „Das ist vollkommen klar. Dann wird halt abgeschleppt.“

Und wie nun weiter? Das Rathaus bekräftigte im Ausschuss, dass die jetzige Konzeption schon ein hohes Maß an Sicherheit auf der Bühne gewährleiste. Dennoch werde nun ein Beschluss des Stadtrates vorbereitet – zum Bau der neuen Rettungszufahrt. Stadtsprecher Thomas Käppler: „Das wird noch im ersten Halbjahr geschehen.“ Ein „konkreter Realisierungszeitraum“ sei derzeit allerdings noch nicht benennbar.