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Mittwoch, 16.05.2018

Wie Pirna die Diesterweg-Grundschule herrichtet

Entgegen früherer Pläne muss die Stadt die Bildungsstätte nun auf einen Ritt sanieren. Das wird teuer und aufwendig.

Von Thomas Möckel

Was, wann und wie passiert

Außen mit Kletterwand und neuem Nordhof schon top, dagegen gibt es im Innern und auf der Südseite der Diesterweg-Grundschule in Copitz noch viel zu tun. Das Gebäude wird ab diesem Sommer bis zum Oktober 2019 saniert.
Außen mit Kletterwand und neuem Nordhof schon top, dagegen gibt es im Innern und auf der Südseite der Diesterweg-Grundschule in Copitz noch viel zu tun. Das Gebäude wird ab diesem Sommer bis zum Oktober 2019 saniert.

© Norbert Millauer

Pirna. Die derzeit sichtbaren Arbeiten, um die Diesterweg-Grundschule in Copitz zu sanieren, spielen sich ein wenig abseits der Bildungsstätte ab. Auf dem Areal vor dem neuen Hort der Schlaufüchse an der Schillerstraße planieren Handwerker eine Fläche für das Ausweichquartier und verlegen die nötigen Anschlüsse. In wenigen Wochen schon wird an dieser Stelle eine Zeit lang Schule gemacht, das bisherige Lernquartier an der Roßmäßlerstraße muss für die Bauerei leer sein. Mit der Schulsanierung steht der Stadt ein teures sowie mit dem Interimsdomizil und den Umzügen ein aufwendiges Vorhaben bevor. Der Stadtrat ebnete kürzlich weiter den Weg für das Projekt, das bald startet. Die SZ fasst zusammen, was, wann und wie passiert.

Was, wann und wie passiert

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Wie sahen Pirnas ursprüngliche Pläne für die Schule aus?
Pirna saniert die Diesterweg-Grundschule schon seit einigen Jahren nach der Salamitaktik – scheibchenweise. Das Problem: Der Stadt war es nicht gelungen, in ein einheitliches Förderprogramm für eine Gesamtsanierung zu rutschen, so mussten die Zuschüsse jedes Mal aufwendig für einzelne Bauabschnitte beantragt werden, je nachdem, wofür es gerade Geld gab. Auf diese Weise sollte die Schule abschnittsweise bis 2021 fertig hergerichtet werden.

Warum wird die Schule nun doch auf einen Ritt saniert?
Anfang 2017 gesellte sich ein Umstand hinzu, der sämtliche Pläne über den Haufen warf: Eine neu an der Schule arbeitende Lehrerin klagte häufig über Kopfschmerzen und einen eigenartigen Geruch im Gebäude. Messungen wiesen daraufhin im gesamten Haus den Stoff Naphthalin nach, eine Kohlenstoffverbindung, die aus der im Fußboden als Trennlage verlegten Teerpappe ausdünstet. Der Stoff steht im Verdacht, gesundheitsschädigend zu sein. Bislang half lüften, reinigen und absaugen, die Richtwerte zu senken. Doch auf lange Sicht gab es nur eine Lösung: Die Fußböden müssen raus. Da es wenig Sinn gemacht hätte, dies nach Abschluss der schrittweisen Sanierung zu tun, will die Stadt nun alles auf einmal erledigen lassen.

Was wird im Schulhaus alles modernisiert?
Bis auf wenige Bereiche kommen überall die Fußböden raus, die Schadstoffe werden entsorgt, anschließend die Fußböden wieder aufgebaut. Das bedeutet auch einen Abschied vom Parkett – alle Räume erhalten einen Linoleumbelag. In den Zimmern bauen Handwerker Akustikdecken ein, die künftig den Schall besser schlucken, ebenso installieren sie in allen Klassenräumen Waschbecken nebst Fliesenspiegel. Auch werden sämtliche Innentüren erneuert. Im gesamten Haus wird der Brandschutz verbessert, EDV-, Alarm-, Einbruchmelde-, Brandschutzmelde-, Starkstrom- und Sicherheitsbeleuchtungsanlagen müssen nach derzeit gültigen Standards installiert werden. Ins Treppenhaus integrieren die Handwerker einen Fahrstuhl. Das denkmalgeschützte Wandbild im ersten Obergeschoss wird restauriert, in diesem Zuge verschwinden auch die Heizkörper, die noch im Bereich des Wandbildes montiert sind. Die Sanitärräume bekommen neue Wand- und Bodenfliesen, neue WC-Trennwände, neue Innentüren.

Im Außenbereich wird auf der Südseite des Hauses der Sockel abgedichtet. Künftig gibt es zudem getrennte Kanäle für Regen- und Abwasser. Das vorhandene Wegenetz bleibt erhalten und wird nur geringfügig ergänzt. Neu geschaffen werden Fahrradstellplätze sowie ein Behindertenparkplatz. Der Bolzplatz auf der Südseite wird hergerichtet und künftig mit einem Ballfangzaun begrenzt. Darüber hinaus gibt es als Ersatz für die verschwundene Rutsche ein neues Spielgerät.

Aufgrund steigender Schülerzahlen und durchgehender Vierzügigkeit reicht der Platz in der Turnhalle nicht, dass zwei Klassen parallel Sportunterricht haben. Daher wird an den bestehenden und schon sanierten Umkleide- und Sanitärtrakt der bestehenden Sporthalle ein zusätzlicher Turnraum angebaut und über vorhandene Treppen und Flure angebunden.

Wo kommen die Schüler während der Sanierung unter?
Vor dem neuen Hort an der Schillerstraße lässt die Stadt ein Übergangsquartier aus Schulcontainern mit den erforderlichen Klassenräumen sowie diversem Nebengelass errichten.

Wie sieht der Zeitplan für Umzug und Sanierung aus?
Die Container sollen bis 8. Juni stehen, der Auszug aus der Schule ist vom 2. bis 13. Juli geplant. Die Sanierung startet am 16. Juli und soll bis 4. Oktober 2019 dauern. Der Rückzug in die sanierte Schule ist vom 7. bis 18. Oktober 2019 vorgesehen.

Wie viel Geld muss Pirna für das Vorhaben aufbringen?
Ganz preiswert wird es nicht: Nach derzeitigem Stand kostet die Schulsanierung reichlich 5,5 Millionen Euro, allein die Naphthalin-Entsorgung und die Fußböden haben das Projekt um fast eine halbe Million Euro in die Höhe getrieben. Die Mehrkosten gleicht die Stadt aus mehreren Töpfen aus, hat aber versprochen, dass dadurch zumindest keine anderen Pflichtaufgaben auf der Strecke bleiben. Für das Übergangs-Containerquartier muss Pirna nochmals eine reichliche Million Euro aus dem laufenden Haushalt aufbringen, dass Geld wurde aus unzähligen Einzelbeiträgen quasi zusammengekratzt.

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