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Samstag, 12.08.2017 Kolumne: Wellers Woche

Wie man einen Trend bastelt

Eine Fälschung unterstellen wir Bildungsbürgermeister Vorjohann nicht. Aber wenn es um das Unterstreichen der eigenen Position geht, darf es schon mal eine gewisse Übertreibung sein.

Von Andreas Weller

SZ-Redakteur Andreas Weller.
SZ-Redakteur Andreas Weller.

© André Wirsig

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast, besagt ein geflügeltes Wort. Gut, eine Fälschung unterstellen wir Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann nun mal nicht. Aber wenn es um das Unterstreichen der eigenen Position geht, darf es bei ihm schon mal eine gewisse Übertreibung sein: Die Anmeldungen an Gymnasien sind um 4,5 Prozentpunkte gestiegen. Im vorjohannschen Balkendiagramm dazu macht das mehr als eine Verdoppelung der Länge des Balkens. Nein, es geht insgesamt nicht um neun Prozent, sondern um knapp 78. Der tatsächliche Anstieg liegt bei sechs Prozent.

Die Schlussfolgerung des Bildungsverantwortlichen: Eigentlich müsste Dresden nur noch Gymnasien bauen – denn da wollen ja sozusagen alle und künftig auch noch mehr hin. Der ehemalige Finanz-Chef ist eben ein Zahlengenie. Und dass es seit 2013 bei den Anmeldungen kaum Veränderungen und es mit diesem Schuljahr besagten Anstieg um wenige Prozent gegeben hat, wertet der Bürgermeister als klaren Trend.

Klingt unlogisch? Ist es auch. Denn nach der Logik dürfte es seine Partei, die CDU, fast gar nicht mehr geben. Würde ein Statistiker ein Diagramm mit vorjohannschem Maßstab erstellen, wäre diese schlicht nicht mehr erkennbar nach den letzten Wahlergebnissen für den Stadtrat. Zwar hat die CDU nach ähnlichem Ansatz – nur umgekehrt – bis vor einigen Jahren noch fröhlich in Dresden Schulen geschlossen, um sie jetzt neu zu bauen. Aber da sind wir wieder bei der Frage nach der Logik.

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