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Donnerstag, 14.09.2017

Wie kann man diesen Bus übersehen?

In Pulsnitz wurden 16 Menschen verletzt, als ein Schulbus und ein Lkw kollidierten. Der Unfall wirft Fragen auf.

Von Reiner Hanke

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Beim Unfall in Pulsnitz war am vergangenen Freitag ein Sattelschlepper in die hintere Seite eines Schulbusses gebrettert. 15 Insassen und der Lkw-Fahrer wurden zum Teil schwer verletzt. Die Unfallursache war offenbar Unaufmerksamkeit.
Beim Unfall in Pulsnitz war am vergangenen Freitag ein Sattelschlepper in die hintere Seite eines Schulbusses gebrettert. 15 Insassen und der Lkw-Fahrer wurden zum Teil schwer verletzt. Die Unfallursache war offenbar Unaufmerksamkeit.

© Jonny Linke

Der Wildwuchs an der Straße ist deutlich zu sehen. Inwieweit er die Sicht behindert, ist durchaus umstritten.
Der Wildwuchs an der Straße ist deutlich zu sehen. Inwieweit er die Sicht behindert, ist durchaus umstritten.

© Matthias Schumann

Pulsnitz . Die Spuren der schweren Kollision zwischen einem Sattelschlepper und einem Schulbus in Pulsnitz sind unübersehbar. Weiße und dunkelrote Farbspuren markieren den Hergang des Crashs. Der ist noch immer Gesprächsthema und erhitzt die Gemüter. Viele Pulsnitzer fragen sich: „Hätte dieses Unglück passieren müssen?“ Der Pulsnitzer Stadtrat Alexander Thieme (FDP) und Unternehmer aus der Logistikbranche sagt: „Nein.“

Zur Kollision kam es an der Einmündung einer Umleitung über den Pulsnitzer Spittelweg in die Kamenzer Straße auf Höhe des Eingangs zu einem Werksgelände. Dort schnitt der Sattelschlepper Ende der Vorwoche dem Schulbus die Vorfahrt und Riss eine Flanke des Busses regelrecht auf. Kinder flogen quer durchs Fahrzeug. 16 Menschen, fast durch die Bank Schulkinder, wurden verletzt, drei Menschen schwer. Stadtrat Thieme fordert nun, wenigstens für die restliche Bauzeit, die Einmündung sicherer zu machen. Das sei mit einfachen Mitteln möglich. Er schlägt vor, den Verkehr auf der Hauptstraße zu bremsen. So kommen derzeit zwar weniger Fahrzeuge, die aber schon manchmal rasant: „Ein Hindernis, Warnbaken zum Beispiel, in angemessener Entfernung zur Einmündung, könnten nützlich sein.“ Die müssten umfahren werden und würden Kraftfahrer zügeln. Auch ein Stoppschild an der Einmündung der Nebenstraße könnte die Aufmerksamkeit der Kraftfahrer zusätzlich schärfen. Oder zumindest ein Schild „Vorfahrt gewähren“, gibt der Pulsnitzer Manfred Busch, selbst früher im Polizeidienst, gegenüber der SZ zu bedenken. Auf der Liste der Pulsnitzer steht auch eine veränderte Verkehrsführung. So könnte die Vorfahrt geändert werden. Außerdem wird der gewaltige Wildwuchs im Bereich der Einmündung als mögliche Unfallursache kritisiert. Der müsste beseitigt werden, um die Sicht zu verbessern.

Hinweise vom Tisch gewischt

Die Stadt sicherte unterdessen zu, in die Spur zu gehen. Erst am Mittwoch waren Mitarbeiter der Kreisbehörde und des Pulsnitzer Ordnungsamtes noch einmal vor Ort, um die Situation zu prüfen. Danach schätzten die Sachverständigen ein, dass trotz des Gebüschs die Sicht auf 50 bis 60 Meter gegeben sei. Der Lasterfahrer hätte den Bus wahrnehmen müssen. Dennoch sicherte Ordnungsamtschef Heiko Hirsch gestern gegenüber der SZ zu: „Wir werden uns die Hecke noch einmal anschauen und an den Eigentümer des Grundstücks herantreten.“ Säge und Heckenschere hätten in dem Bereich schon etwas zu tun.

Von Änderungen an der Beschilderung verspricht sich die zuständige Verkehrsbehörde des Kreises jedoch nichts und wischt die Hinweise vom Tisch. Zum einen, weil die aktuelle Beschilderung aus Sicht der Behörde korrekt sei. „Ein Mehr an Verkehrszeichen“, wie teilweise gefordert, „bedeutet nicht automatisch eine höhere Sicherheit“, heißt es. So wurde z. B. ein zusätzliches Schild am Umleitungswegweiser gefordert, das auf die Vorfahrt aufmerksam machen soll. Eher aber werde durch neue Schilder das Gegenteil erreicht. Die Vorfahrtsreglung umzukehren und der Umleitung den Vorrang einzuräumen, schätzt die Verkehrsbehörde als noch gefährlicher ein. Etwas flapsig ausgedrückt: Bis sich die Autofahrer daran gewöhnt haben, ist die Baustelle längst weg. Es würden aber neue Gefahren heraufbeschworen. So sehen die Fachleute auch die Hindernis-Variante eher skeptisch. Alles in allem kann das Verkehrsamt keine Gefahren für die Sicherheit ausmachen. „Der bedauerliche Unfall ist aus unserer Sicht auf mangelnde Aufmerksamkeit zurückzuführen, nicht auf die örtlichen Bedingungen“, so Gernot Schweitzer, Pressesprecher im Landsratsamt. Das hält Manfred Busch für eine Fehleinschätzung: „Es gibt keinen Grund, Gefahrenstellen und Bürgerhinweise derart zu ignorieren.“

Vielleicht entspannt sich die Situation aber schneller als gedacht. Mit der Umleitung wird derzeit eine Baustelle im Stadtzentrum umfahren. Bis zu vier Wochen sei das noch nötig, kündigte das Pulsnitzer Bauamt Anfang der Woche an. Voraussichtlich sogar noch schneller. Wenn alles glatt läuft, so Heiko Hirsch, könnte die Durchfahrt ab 25. September wieder frei sein.