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Mittwoch, 15.11.2017

Wie hilfreich sind die Nizza-Sperren auf dem Striezelmarkt?

Bei einer Panik auf dem Altmarkt könnten Verletzungen durch die Betonpoller nicht ausgeschlossen werden, so die Stadt. Auch sonst gibt es Bedenken.

Von Sandro Rahrisch

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Zwei Tage vor Eröffnung des Striezelmarktes werden 160 Betonsperren um den Altmarkt herum aufgebaut. Sie haben bereits im vergangenen Jahr die Besucher geschützt.
Zwei Tage vor Eröffnung des Striezelmarktes werden 160 Betonsperren um den Altmarkt herum aufgebaut. Sie haben bereits im vergangenen Jahr die Besucher geschützt.

© Robert Michael

Dresden. Wenn am 29. November der Dresdner Striezelmarkt öffnet, werden 160 Betonpoller den Altmarkt umsäumen und die Besucher vor potenziellen Attentätern schützen. Einen Großteil der sogenannten Nizza-Sperren erhält die Stadt kostenfrei von der Dresdner Polizei, sagt Rathaussprecher Kai Schulz. Hinzu kommen Blöcke von der Firma Nestler. Diese hatte bereits die legoartigen Sperren für die Einheitsfeier im vergangenen Jahr geliefert. Diese kosten Geld. Insgesamt werden für Miete, Auf- und Abbau der Barrieren rund 10 000 Euro fällig. Doch wie hilfreich sind sie im Notfall?

Entlang der Wilsdruffer Straße will die Stadt immer drei Betonblöcke zu einer kleinen Mauer miteinander verbinden. Somit wolle man einen größeren Widerstand erzeugen für dagegen rasende Fahrzeuge, hatten die Striezelmarkt-Organisatoren am Montag erklärt. Dazwischen soll laut Schulz gerade so viel Platz sein, dass Fußgänger bequem durchlaufen können, ein Auto aber keine Chance hat. Dass die Blöcke im Notfall selbst zum Hindernis werden könnten, wenn eine Panik ausbricht und die Besucher flüchten wollen, kann die Stadt nicht abstreiten. „Hier gilt es grundsätzlich abzuwägen zwischen dem Verhindern einer Gefahrensituation und einer schnellen Räumung“, so Schulz. Im Notfall könnten Verletzungen natürlich nicht ausgeschlossen werden. Weitere Blöcke sollen auch auf die Seestraße sowie die anderen Zufahrten zum Altmarkt gesetzt werden.

Abgesehen von der Verletzungsgefahr bei einer Massenpanik, bezweifeln Experten generell die Wirksamkeit der Nizza-Sperren gegen einen Angriff mit einem Lastwagen. Bei zwei Tests der Prüfgesellschaft Dekra im Auftrag des MDR im vergangenen Jahr waren zwei Lkws mit Tempo 50 auf die Betonsperren gefahren. Einmal standen die Quader quer zur Fahrtrichtung, einmal schräg. Scheinbar mühelos hatte der Lkw die 2,4 Tonnen schweren Betonblöcke beiseite geschoben und die Absperrungen durchbrochen.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) erklärte daraufhin, Betonsperren seien nur ein Teil eines Sicherheitskonzeptes. „Niemand behauptet, sie garantierten absolute Sicherheit. Betonsperren senken allerdings das Schadensrisiko.“ Einen hundertprozentigen Schutz vor terroristischen Angriffen gebe es nicht.

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Insgesamt 29 Kommentare

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  1. Geschlossen

    Um Klagen wegen fehlender Sicherheitseinrichtungen nach einem (hoffentlich nicht stattfindenden) Anschlag auszuschließen, sollten die Striezel- und Weihnachtsmärkte für die nächste Zeit ausgesetzt werden. Und die Ostermärkte. Und die Frühjahrsmärkte. Und die Herbstmärkte. Das Stadtfest. Das Elbhangfest. Und die Innenstadt sollte geschlossen werden. Wir haben es ja so gewollt.

  2. Dresdner45

    Die Absperrungen sind nicht das Problem, sondern die Gründe, welche diese Maßnahmen notwendig machen. Ob diese Entwicklung so weiter gehen sollte, möchte ich bezweifeln. Vielleicht sind die total offene Grenzen, doch nicht die Lösung?

  3. BesterOssi

    Bin der gleichen Meinung wie @1 und @2. Die Stadt ist ja an fast jedem Wochenende hoffnungslos überfüllt, da könnte man wirklich drüber nachdenken, aus Sicherheitsgründen alle Veranstaltungen abzusagen. Und die Konzerte und Zirkusse etc. sowieso. Es sei denn, es ändert sich massiv was an den Ursachen, aber da bin ich mal in der jetzigen Zeit eher pessimistisch. Ausnahme: Montagabend natürlich :)

  4. Dresdner

    @Geschlossen: "Wir haben es so gewollt." sehe ich mal als sarkastische Aussage an. Ostelbland wird ja gerade überall wegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsgedankengut angefeindet, nur weil man hier ein ruhiges und ungestörtes Leben weiter leben möchte. Genau, das ist "extrem Ausländerfeindlich". (Das war mein Sarkasmus.) WIR haben das explizit eben NICHT gewollt, es wurde und übergestülpt von einer Regierungsdiktatur. Oder wer glaubt hie rnoch an eine Demokratie??? @Dresdner45: Danke auch Ihnen, dass Sie diese einfach Erkenntnis äußern, da man sich heute schon für die logischsten Gegebenheiten gegen rassistische Vorwürfe wehren muss.

  5. Die Geister die ich rief...

    Die Blöcke sind doch nur eine psychologische Barriere, eine erhöhte Sicherheit gibt es nicht! Siehe Praxistest oder Kraft ist Masse mal Beschleunigung, was sollen die Blöcke einem Sattelschlepper entgegensetzen? Die Menschen sollen beruhigt werden. Der Striezelmarkt wird wie jedes Jahr toll, bei permanenter Anschlagsangst kann man das öffentliche Leben auch komplett einstellen! Eine Lösung: Jeglichen Straßenverkehr verbieten, denn jedes Krad, Auto oder LKW ist eine potentielle Waffe! Wer will kann doch überall reinfahren! Die Wilsdruffer gehört gesperrt, auch eventuell ganzjährig, Zugang nur zur Tiefgarage und Lieferverkehr.

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