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Dienstag, 07.02.2017

Wie eine Doppelstunde Mathe

Zwei Niederlagen in der Liga hat der DSC schon länger nicht mehr kassiert. Es ist Kopfsache, findet Kapitän Katharina Schwabe.

Von Michaela Widder

Unklar ist nicht nur für Volleyballerin Katharina Schwabe, warum ihre Mannschaft immer mal wieder den Faden verliert.
Unklar ist nicht nur für Volleyballerin Katharina Schwabe, warum ihre Mannschaft immer mal wieder den Faden verliert.

© Robert Michael

Auch am Tag danach schmerzt noch der verlorene Fünfsatzkrimi in Schwerin. „Es tut echt weh“, sagt Katharina Schwabe, „weil wir das Spiel weggeworfen haben.“ Die Dresdner Volleyballerinnen hatten im Ost-Derby mit 2:0 geführt und hätten nach Aussage ihres Trainers auch „locker 3:0 gewinnen“ können. „Doch dann verlieren wir den Faden und schaffen es nicht, den wieder zurückzuholen“, erklärt der Kapitän. Wettbewerbsübergreifend war es für den DSC die dritte Niederlage in Folge, allesamt auswärts. Am vergangenen Mittwoch hatte der deutsche Meister ebenfalls in fünf Sätzen beim SC Potsdam verloren, zuvor jedoch auch achtmal gewonnen.

Zwei Niederlagen hintereinander in der Hauptrunde der Bundesliga gab es für Dresden schon länger nicht mehr. Ein Blick auf die Statistik verrät, dass das Team von Alexander Waibl vor fast genau drei Jahren sogar mal drei Partien in Folge verlor. Am Ende erinnert sich aber niemand an die Mini-Krise, der DSC wurde Meister.

Die kleine Talfahrt des Tabellenzweiten nun gleich groß zu reden, wäre auch voreilig. Denn mit dem Play-off-Modus beginnt für die Volleyballerinnen erst im Frühjahr die entscheidende Phase. Da nun bereits im Halbfinale „Best of five“ gespielt wird, wirkt sich auch der Heimvorteil erst relativ spät aus. Wichtiger als die Rechnerei um den Tabellenplatz und die Ausgangssituation wäre allerdings das Wissen, jedes Team in der Liga schon mal besiegt zu haben; und das gelang mit Schwerin in dieser Saison eben nicht.

Während sich der DSC erst spät gefunden hatte und die deutliche Niederlage im November noch mit fehlender Abstimmung zu erklären war, wirft der Auftritt am vergangenen Sonntag im Norden doch Fragen auf. „Es ist Kopfsache“, ist Katharina Schwabe überzeugt. „Es ist schon belastend, weil das Volleyballerische jetzt funktioniert. Aber wir sind dann plötzlich mit den Gedanken überall, nur nicht in der Halle.“ Die Angreiferin, die zuletzt grippegeschwächt nur kurz zum Einsatz kam, erinnert die Situation an ihre Schulzeit. „Es ist wie eine Doppelstunde Mathe, die erste kann ich mithalten, dann bin ich gedanklich wo anders.“

Es ist auffällig, dass die Mannschaft in dieser Saison immer wieder ihren Rhythmus verliert. Und in den entscheidenden Momenten fehlt noch der „Killerinstinkt“, wie Waibl jetzt festgestellt hat. „Vielleicht muss doch mal in einer schwierigen Situation jemand lauter werden und sagen: „Mädels, darauf habe ich keinen Bock, dass das jetzt wieder passiert“, meint Schwabe.

An diesem Mittwoch, wenn Vakifbank Istanbul zum Champions-League-Rückspiel in die Margonarena kommt, können und müssen die Dresdnerinnen anders herangehen. Eine Niederlage gegen das Weltklasseteam ist einkalkuliert. „Für die Seele ist das natürlich trotzdem nicht so gut“, weiß Schwabe und blickt schon voraus. „Am Samstag gegen Vilsbiburg müssen wir gewinnen.“ Der erste Tabellenplatz scheint an Schwerin vergeben zu sein. „Doch als Zweiter in die Play-offs zu gehen, wäre für mich wichtig – einfach fürs Gefühl.“

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