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Mittwoch, 06.12.2017

Wie die Hoga-Schule mit der Tuberkulose umgeht

Der Massentest läuft noch, aber der Unterricht geht nun weiter. Doch nicht alle Eltern schicken ihre Kinder in die Schule.

Von Juliane Richter

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Reihenweise Blutproben sollen zeigen, ob noch mehr Oberschüler und Gymnasiasten der Hoga akut an Tuberkulose erkrankt sind.
Reihenweise Blutproben sollen zeigen, ob noch mehr Oberschüler und Gymnasiasten der Hoga akut an Tuberkulose erkrankt sind.

© dpa

Nachdem an der Hoga-Schule in Leuben drei akute Tuberkulose-Fälle aufgetreten sind, untersucht das Gesundheitsamt einen Großteil der Schüler. Mediziner warnen vor einer Hysterie. Die sieben wichtigsten Fragen:

Sind neue Tuberkulose-Fälle an der Schule diagnostiziert worden?

Dazu haben sich am Dienstag weder die Hoga-Geschäftsführung noch das Gesundheitsamt geäußert. Klar ist, dass am Montag 78 Mitarbeiter der Schule untersucht wurden, am Dienstag folgten im Schulgebäude an der Zamenhofstraße die ersten Schüler des Gymnasiums und der Oberschule. Pro Tag nehmen die zehn Mitarbeiter des Gesundheitsamtes von 100 bis 120 Schülern Blutproben. Bis zum kommenden Montag sollen so rund 600 Schüler vor Ort auf die Lungenkrankheit getestet werden. Die ersten Ergebnisse für die Schüler liegen nach SZ-Informationen an diesem Donnerstag vor.

Welche Ansteckungsgefahr bestehtan der Schule oder für Angehörige?

Hoga-Chefin Regina Kirschstein beruft sich auf die Aussagen des Gesundheitsamtes – deshalb findet der Unterricht ab diesem Mittwoch wieder regulär statt. Das Amt selbst will sich am selben Tag erstmals in einer Pressekonferenz ausführlich zu den Fällen äußern. Professor Christian Vogelberg, Leiter der Kinder-Pneumologie am Dresdner Uniklinikum, warnt indes vor einer Hysterie. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sich jetzt Kinder in größerer Masse anstecken, ist sehr gering“, sagt er. Wie schon das Gesundheitsamt am Montag verweist er darauf, dass über mehrere Stunden enger Kontakt mit einem Erkrankten bestehen muss. „Der Erreger wächst langsam. Selbst wenn ein Betroffener erst in ein oder zwei Tagen identifiziert wird, hat das keinen Einfluss auf die anderen Schüler.“

Wie genau wird herausgefunden, wer an Tuberkulose erkrankt ist?

Die Blutprobe ist ein erster Schritt. Zeigt sich dort eine immunologische Reaktion, ist klar, dass derjenige infiziert wurde. Aber: Nur bei einem Bruchteil der Infizierten bricht die Erkrankung auch wirklich aus. Ob das der Fall ist, wird in einem zweiten Schritt mittels eines Röntgenbildes untersucht. Zeigen sich dort Veränderungen der Lunge, spricht man von einer offenen Tuberkulose. Allein diese ist ansteckend. Diejenigen, die nur infiziert wurden, sind nicht ansteckend. „Grundsätzlich sind Kinder seltener von einer offenen Tuberkulose betroffen als Erwachsene“, sagt Professor Vogelberg vom Uniklinikum.

Wie werden die akut Erkrankten genau behandelt?

Erwachsene Tuberkulose-Patienten der Region werden im Fachkrankenhaus Coswig behandelt. Dort gibt es laut Chefarzt Dirk Koschel 50 Neudiagnosen pro Jahr. Diese Patienten erhalten mehrere Antibiotika und sind in der Regel nach zwei bis drei Wochen nicht mehr infektiös. Das gilt, wenn im Auswurf – also den Hustenpartikeln – keine Bakterien mehr nachgewiesen werden. Nach SZ-Informationen sind derzeit eine Schülerin und ein Lehrer der Hoga in Coswig in Behandlung. Dazu will sich Koschel nicht äußern. Minderjährige Patienten werden am Uniklinikum betreut. Laut Professor Vogelberg sind derzeit noch keine Kinder der Hoga am Uniklinikum in Behandlung. Wenn das Blutbild eine Infektion zeigt, wird das betroffene Kind am Uniklinikum geröntgt. Infizierte Kinder würden laut Vogelberg präventiv ambulant behandelt, akut Erkrankte stationär.

Wie reagieren die Eltern der Hoga-Schüler auf die Situation?

Nach SZ-Informationen haben einige Eltern ihre Kinder bei den Blutabnahmen am Dienstag begleitet. Diese seien unaufgeregt abgelaufen – auch, weil die Schule noch einmal ausführlich über die Krankheit informiert habe. Es gibt aber auch Eltern anderer Klassenstufen, die sich durchaus Sorgen machen und die Testergebnisse abwarten wollen. Mehrere Eltern überlegen demnach, ihre Kinder in dieser Woche nicht mehr zur Schule zu schicken. Die Neuntklässler durften ihre seit Montag geplanten Pflichtpraktika nicht antreten, solange keine Untersuchungsergebnisse vorliegen.

Stimmt es, dass Tuberkulose verstärkt bei Asylbewerbern auftritt?

Ja. Laut dem Robert-Koch-Institut stieg die Fallzahl in Deutschland 2015 – also mit Beginn der Flüchtlingskrise – besonders markant an. „Mit knapp 6 000 Neuerkrankungen belief sich der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr auf nahezu 30 Prozent“, erklärt das Institut. Der Anteil der Tuberkulose-Erkrankten, die nicht in Deutschland geboren wurden, stieg von rund 50 Prozent im Jahr 2012 auf 72,1 Prozent im Jahr 2015.

Welche Symptome treten bei Tuberkulose auf?

Lang anhaltender Husten ohne klare Ursache, Müdigkeit, leichtes Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsabnahme können Anzeichen für Tuberkulose sein. Die Bundesärztekammer rät, zu hustenden Menschen ausreichend Abstand zu halten und auf allgemeine Hygiene zu achten. Eine Impfung gegen Tuberkulose wurde 1998 in Deutschland abgeschafft, weil sie nicht wirksam genug war. (mit SZ/sr)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. john jameson

    So sieht die Wirklichkeit laut Robert-Koch-Institut aus. Ein Wunder das die Zensur das durchlässt! Wir können nicht alle Menschen aufnehmen, die gern im so herrlich sozial kuschelig eingestellten Deutschland leben wollen. Hier fehlt eine Regierungsverantwortung die das Volkswohl als Pflicht empfindet und nicht nur die eigene Selbstsucht.

  2. maja

    Was für eine Zensur, schon seit 2001 wird berichtet, dass viele aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, inkl. Russland nach Deutschland kommenden Migranten ("Russlanddeutsche") TBC haben, da dort TBC epidemieartig verbreitet ist. Hat damals aber nur die wenigsten interessiert. somit taugt dieses Thema nicht zum "Migrantenbashing".

  3. Hannes

    @1: Dem ist nur zuzustimmen. Der eigenen Bevölkerung, die das Sozialsystem aufgebaut hat und noch erarbeitet, werden zunehmend Leistungen gestrichen (siehe Rabattverträge mit den Kassen und deshalb keine Zahlung der Vierfachgrippfimpfung, obwohl empfohlen, ständiger Medikamentenwechsel wegen dieser Verträge, keine Grundsubstitution bei Osteoporose mehr, wichtige Osteoporosemedikament nach 2 Jahren nicht mehr gezahlt, obwohl sie nicht abgesetzt werden dürfen,.. ). Aber für andere ist reichlich Geld da. kein Wunder, fürchtet man sich vor Neuwahlen.

  4. Beate

    Klar, jetzt haben wir wieder einen Grund, auf die Ausländer zu schimpfen... Die Sozialsysteme sind auch deshalb so gut gefüllt, weil wir kräftig am Krieg mitverdienen. Aber das blenden wir aus. Die Welt ist nicht kuschelig und auch in Deutschland nicht. Die meisten der Flüchtlinge sind vor Krieg und Hunger und Perspektivlosigkeit geflohen. Und auch daran trägt Deutschland eine Mitschuld

  5. Nachfrage

    @4 Beate: Können Sie Ihre Behauptung untermauern? Und können Sie auch gleich noch einen Einblick in Ihr scheinbar weltverbesserndes Leben geben? Also wie Sie das Leben außerhalb von Deutschland und Europa für dort lebende besser und sicherer machen.

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