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Freitag, 12.01.2018

Wie die Bobbahn sicherer werden könnte

Die Sturzgefahr im Altenberger Eiskanal soll gebannt werden. Es gibt dabei nur ein Problem.

Von Mandy Schaks

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Die Bobbahn in Altenberg ist über 30 Jahre alt, da sind mit der Zeit Anpassungen nötig. Hier lenkt Lokalmatador Nico Walther den Zweierbob durch den Eiskanal.
Die Bobbahn in Altenberg ist über 30 Jahre alt, da sind mit der Zeit Anpassungen nötig. Hier lenkt Lokalmatador Nico Walther den Zweierbob durch den Eiskanal.

© dpa

© Koerner, Heidemarie

Altenberg. Der Altenberger Kohlgrund war am Wochenende schwarz vor Menschen. Die Besucher drängten sich beim Bob-Weltcup wie lange nicht am Eiskanal. Kein Wunder, waren doch die Startzeiten diesmal aufgrund der Fernsehübertragungen sehr familienfreundlich und obendrein mit dem gebürtigen Altenberger Nico Walther und dem Pirnaer Francesco Friedrich (beide BSC Sachsen Oberbärenburg) zwei aussichtsreiche Lokalmatadoren am Start, die viele Fans mobilisieren können.

Die Besucher erlebten hochklassigen Sport – und manche Schrecksekunde. Gleich mehrere Bobs kippten um. Beim Weltcup, inklusive Trainingsläufen, gab es laut Veranstalter 442 Bob-Abfahrten, dabei 14 Stürze. Das sind ungefähr drei Prozent. Guckt man sich die Zahlen bei den Zweierbobs der Frauen an, sieht die Statistik deutlich schlechter aus. Acht Prozent kamen nicht ins Ziel. Nach den Ursachen wird gesucht. Die sind nach Meinung der Experten so vielfältig wie das Starterfeld.

Doch ein neuralgischer Punkt hat sich herauskristallisiert: die Kurvenkombination 11 bis 13, die für Laien gar nicht spektakulär aussieht. Doch Fahrfehler, die schon weiter oben passieren, wirken sich hier aus, sagen Piloten und Beobachter. Kommt der Bob einmal ins Trudeln, ist er in der kritischen Kurvenkombination oft nicht mehr zu halten und auszubalancieren. Das Problem ist nach SZ-Informationen nicht neu. Es gab auch schon Untersuchungen, wie mehr Sicherheit erreicht werden kann. Demnach ist ein Umbau des Abschnitts für 2,6 Millionen Euro ins Auge gefasst.

Darauf machten Trainer und Offizielle am Wochenende mit Blick auf die WM 2020 in Altenberg mit Nachdruck aufmerksam und reichten sich die Mikrofone. So sagte beispielsweise Bundestrainer René Spies der Deutschen Presse-Agentur: „Wir kommen langsam in den Grenzbereich rein. Humphries hat hier gar keine Probleme, andere mit weniger Erfahrung schaffen es hier halt nicht.“ Und der Vorstandsvorsitzende vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland, Thomas Schwab, ergänzte: „Die Kurven 11 bis 13 sind zu klein und eng, gerade beim Viererbob, da ist ein Umbau notwendig.“ Der Weltverband hatte bereits im Vorfeld in einer Mitteilung verbreitet, dass ein großer Umbau vor allem im unteren Bereich der Bahn vorgesehen sei. Geplant sei der Abriss der betroffenen Bahn-Teile bereits nach der Saison 2018/19, hieß es.

Dritter im Bunde gesucht

Doch dafür hat der Landkreis zurzeit kein Geld. Das machte Landrat Michael Geisler (CDU) schon Anfang Dezember deutlich, als das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Üblich ist, dass sich bei Investitionen der Bund mit 50 Prozent beteiligt, der Freistaat Sachsen mit 30 Prozent und der Eigentümer – in dem Fall der Landkreis – mit 20 Prozent, in Summe mit 520 000 Euro. Das sei unter den gegenwärtigen finanziellen Bedingungen aber nicht machbar, sagt Geisler.

Die Reaktion aus Altenberg ließ nicht lange auf sich warten. „Wir brauchen nicht nur einen modernen Sportkomplex für über zwölf Millionen Euro“, sagte Bürgermeister Thomas Kirsten zur jüngsten Stadtratssitzung, „sondern auch die Bobbahn.“ Wenn am Ende dafür kein Geld vorhanden sei, bestehe die Gefahr, dass in Altenberg nach der WM 2020 keine Weltcups mehr stattfinden – mit negativen Auswirkungen für die Tourismusbranche, warnt er.

Die Aufregung ist zurzeit groß, zumal im nächsten Jahr die sogenannte Homologierung der Bahn ansteht. Das ist so etwas wie der TÜV für die Bobbahn.

Während die Zuschauer Sieger und Platzierte feierten, wurde hinter den Kulissen verhandelt. Heiko Weigel, Beigeordneter im Landratsamt, sagt danach: „Die Gespräche mit Vertretern der Fördermittelgeber und der Sportpolitik am Rande des Weltcups waren gut und werden jetzt fortgesetzt.“ Die Suche nach einer Lösung sei in Gang gekommen. „Es gibt aber noch kein Ergebnis, mit dem der Landkreis den Umbau der Bahn finanzieren kann. Allen Beteiligten muss bewusst sein, dass sich die Gesetze der Schwerkraft an der Bahn genauso wenig außer Kraft setzen lassen wie die Regeln des Haushaltsrechts“, sagt Heiko Weigel. Der Landkreis steckt in der Haushaltskonsolidierung und könne seine freiwilligen Ausgaben nicht frei gestalten. „Er ist auf die Unterstützung Dritter angewiesen.“

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Leser-Kommentare

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  1. Kommentar

    Wie schon im Kommentar zum Skiweltcup in DD geschrieben wäre doch anzuregen, dass hier mit der Grossstadt DD in der Nähe kooperiert werden könnte. Auch DD partizipiert an solchen Ereignissen.Warum nicht einen Teil mitfinanzieren und Mal einen oder mehrere Wettbewerbe in Kooperation durchführen.So haben beide Seiten was davon.Ein ordentliches öffentliches Verkehrskonzept dazu. Ansonsten gäbe es ja heutzutage auch die Möglichkeit mit Crowdfunding an nötiges Geld zu kommen. Eine gute Kampagne dazu - mit Unterstützern in der Region und aus DD. Ich denke die Chancen stehen nicht schlecht.Auch wenn nur ein Teilbetrag rauskommt....aber wer nicht wagt der nicht gewinnt...

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