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Freitag, 18.05.2018

WHO erhöht Risiko-Einschätzung

Ebola-Ausbrüche in Ebola gab es schon öfters - doch nun schlagen die Behörden Alarm. Zum ersten mal im Kongo hat das gefährliche Virus eine Großstadt erreicht. Das Risiko einer Ausbreitung ist groß.

Mitarbeiter des Gesundheitswesens ziehen am 12. Mai 2018 in einem Behandlungszentrum in Bikoro im Kongo Schutzausrüstungen gegen Viren an, bevor sie Patienten in einer Isolationsabteilung behandeln.
Mitarbeiter des Gesundheitswesens ziehen am 12. Mai 2018 in einem Behandlungszentrum in Bikoro im Kongo Schutzausrüstungen gegen Viren an, bevor sie Patienten in einer Isolationsabteilung behandeln.

© Mark Naftalin/UNICEF/AP/dpa

Goma/Genf. Nach dem Auftauchen eines Ebola-Falls in der kongolesischen Millionenstadt Mbandaka hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Risiko-Einschätzung verschärft. Weil die Stadt durch einen Fluss, Straßen und den Flughafen mit anderen Bevölkerungszentren vernetzt sei, habe sich das Risiko der Ausbreitung erhöht, berichtete die WHO am Freitag in Genf. Inzwischen sind die gefährlichen Viren laut Gesundheitsministerium im Kongo bei 14 Menschen bestätigt worden, darunter bei einem Toten.

Die WHO betrachtet das Risiko für den Kongo selbst inzwischen als sehr hoch und für die Region als hoch. „Das globale Risiko (einer Ausbreitung) ist im Moment niedrig“, betonte sie jedoch. Die WHO sehe bislang keine Notwendigkeit für Reise- oder Handelsbeschränkungen.

Die WHO hatte am Freitag einen Notfall-Ausschuss einberufen, der darüber berät, ob sie einen internationalen Gesundheitsnotstand ausrufen soll. Die Entscheidung wollte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Freitagnachmittag bekannt geben. Damit soll vor allem die Dringlichkeit der Lage vor Ort international ins Rampenlicht gerückt werden, in der Hoffnung auf mehr finanzielle Mittel oder Forschungsaktivitäten im Bereich Ebola, hieß es.

Bis Freitag gingen die Behörden im Kongo von 45 möglichen Fällen aus. Bei 14 wurde das Virus nachgewiesen, bei 21 Fällen hielten die Experten die Ebola-Infektion für wahrscheinlich, in zehn weiteren Fällen für möglich. Insgesamt sind 25 Menschen mit hämorrhagischem Fieber gestorben - es gibt aber noch einen Virennachweis.

Erstmals war am Mittwoch ein Ebola-Fall in einer Großstadt festgestellt worden. Mbandaka mit rund 1,2 Millionen Einwohnern liegt im Nordwesten des zentralafrikanischen Riesenreichs. Davor waren die bestätigten Fälle in Bikoro, etwa 150 Kilometer von Mbandaka entfernt, nachgewiesen worden.

Zwar ist dies der neunte Ebola-Ausbruch in den vergangenen 40 Jahren im Kongo. Allerdings waren laut Ärzte ohne Grenzen alle bisher in sehr isolierten Regionen, so dass sich die Krankheit nie weit verbreiten konnte.

Zur Eindämmung der Krise sollen unter anderem mehr als 4 000 Dosen eines experimentellen Impfstoffs eingesetzt werden. Zudem wird das UN-Kinderhilfswerk nach eigenen Angaben zusammen mit der kongolesischen Regierung und anderen Organisationen Hunderte Helferinnen und Helfer mobilisieren. Sie werden demnach Kinder und Familien über die Gefahren von und Maßnahmen gegen Ebola informieren. Auch die EU-Kommission werde 1,6 Millionen Euro zur Bekämpfung der Seuche bereitstellen und Flüge für Helfer und Ausrüstung organisieren, erklärte EU-Kommissar Christos Stylianides.

Das Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. 25 bis 90 Prozent der Infizierten sterben. Bei einer verheerenden Ebola-Epidemie 2014 und 2015 starben in Liberia, Guinea und Sierra Leone rund 11 000 Menschen. (dpa)

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