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Dienstag, 02.01.2018

Wer profitiert vom Mindestlohn?

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Eine Mitarbeiterin des DGB verteilt im Jahr 2015 Broschüren zum Thema Mindestlohn. (Symbolfoto).
Eine Mitarbeiterin des DGB verteilt im Jahr 2015 Broschüren zum Thema Mindestlohn. (Symbolfoto).

© Felix Zahn / dpa

Dresden. Besonders un- und angelernte Beschäftigte in Sachsen haben von der Einführung des Mindestlohns profitiert. Zu diesem Ergebnis kommt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in einer Auswertung. Demnach lag der Lohnzuwachs in dieser Gruppe seit der Mindestlohneinführung Anfang 2015 bei 16,2 Prozent. Ein bundesweiter Spitzenwert, wie Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach am Dienstag betonte. Die Einführung des Mindestlohnes habe für viele Arbeitnehmer in Sachsen eine deutliche Lohnerhöhung gebracht. Aus dem Niedriglohnland sei ein Mindestlohnland geworden.

Schlimbach zog eine positive Bilanz: „Der gesetzliche Mindestlohn hat für viele mehr Lohn und der Wirtschaft mehr Beschäftigung gebracht.“ So waren bis Ende August in Sachsen fünf Prozent mehr Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Mit über zwölf Prozent sogar mehr als doppelt so hoch sei der Anstieg sozialversicherungspflichtiger Teilzeit- und Vollzeit-Beschäftigung im Gastgewerbe - ohne Minijobber - gewesen.

Schlimbach forderte eine Weiterentwicklung des Mindestlohnes in 2018. Soweit, „dass er wirklich existenzsichernd ist“. Zudem müssten die Kontrollen gegen Schwarzarbeit verbessert werden. Zum einen brauche es dafür mehr Personal, zum anderen Regelungen, die die Kontrollen selbst erleichterten. „Die bisherigen Regelungen bieten zu viele Einfallstore für Manipulationen.“ (dpa/sn)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. Juliane

    "Aus dem Niedriglohnland sei ein Mindestlohnland geworden." Na, da kann man sich ja mal anerkennend ordentlich auf die Schulter klopfen! Von einem Übel zum nächsten. Beschämend. Und immer noch klagen Arbeitgeber darüber, dass sie zu dem erbärmlichen Mindestlohn, der, wie im Artikel weiter unten selbst genannt wird, nicht hinreichend existenzsichernd ist, keine passenden Arbeitnehmer finden.

  2. stefanus

    Sehr geehrter Herr Schlimbach, glauben Sie wirklich an das, was Sie von sich geben? Wie weltfremd sind Sie? In der realen Arbeitswelt schnitzen die Arbeitgeber mit Hilfe der demokratischen Arbeitnehmervertretungen, den Betriebsräten, der Gewerkschaft einen Stellenplan. Und darin findet sich der qualifizierte Facharbeiter mit Hilfsarbeitertätigkeiten wieder. Er wird diesen abgespeckten Arbeitsvertrag unterschreiben. Analog führt ein Ingenieur auch Hilfsarbeitertätigkeiten aus! Und alle werden entsprechend entlohnt! Das führt natürlich dazu, das die abhängig Beschäftigten den Glauben an die Demokratie verloren haben. Nur die Gehälter der Gewerkschaftsbosse werden außen vor gelassen. Niedriglohn, Mindestlohn, alles nur Wortspielereien mit beklemmenden Ergebnis.

  3. RU

    Sicher ist es ein Fortschritt, dass es überhaupt erst mal einen Mindestlohn gibt. Trotzdem ist es für das insgesamt sehr reiche Deutschland eine Schande, wenn mehrere Millionen Menschen für ihre nirgendwo leichte Arbeit damit abgespeist werden. Auch sie halten damit das tägliche Leben überall am Laufen. Leider ist Deutschland unfähig und die Mächtigen haben ja nicht mal den Willen, diese große Ungerechtigkeit zu beseitigen. "Wie Du reich bist, bin ich arm", das ist die heutige Wahrheit.

  4. Jan

    Der Mindestlohn soll nun ausgleichen, was SPD und Co. mit der Einführung von ALG 2 angerichtet haben. Ich persönlich halte einen staatlichen Eingriff ins Lohngefüge, ob nun durch Begünstigen von Minijobs bei gleichzeitiger Aufstockung durch ALG 2, oder durch Vorgabe von Löhnen, statt diese Arbeitnehmervertretungen aushandeln zu lassen, für wenig geeignet, angemessene Löhne zu erhalten. Wenn jemand glaubt, dass Löhne vor dem Hintergrund des MiLoG noch frei ausgehandelt werden könnten, glaubt sicher auch, dass es nur Bankmanager und Hornorarempfänger auf dieser Welt gäbe. Lohngerechtigkeit entsteht keinesfalls durch lobbyverseuchte Gewerkschaften wie Verdi, sondern nur durch Druck der Arbeiterschaft. 8,84 brutto, dafür macht freilich keiner mehr eine Lehre. Ist ja auch vergedeudete Zeit.

  5. E.Benheiter

    Anmerkung: den Mindestlohn von 8,50/h forderte die Gewerkschaft bereits vor 15 Jahren als "auskömmliches Einkommen". Diese Forderung wurde durch den "Regierungsklüngel" bis vor einigen Jahren blockiert, anschließend "gekapert" & als eigenes "Verdienst" an den Hosenanzug geheftet. Aktuell müßte man bei 45 ungebrochenen, sozialpflichtigen Arbeitsjahren in Vollzeit 12,50 verdienen, um die sog. "Mindestrente" "erarbeitet" zu haben. Weitere Fragen?

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