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Freitag, 29.12.2017

Wenn Wildscheine die Straße kreuzen

Der Fehlerteufel hat natürlich auch 2017 keinen Bogen um Schreibtische und Computer der SZ-Lokalredaktionen gemacht.

Sie sehen richtig, das ist kein Vorführwagen, sondern ein Verführwagen. Und das ist kein Schreibfehler. Das Werbe-Fahrzeug soll Menschen dazu verführen, im Erzgebirge Urlaub zu machen. Und vielleicht bringt es sie ja auch noch auf ganz andere Ideen.
Sie sehen richtig, das ist kein Vorführwagen, sondern ein Verführwagen. Und das ist kein Schreibfehler. Das Werbe-Fahrzeug soll Menschen dazu verführen, im Erzgebirge Urlaub zu machen. Und vielleicht bringt es sie ja auch noch auf ganz andere Ideen.

Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Ob Invasionswetterlage, rumänische Identitätskrisen oder eine staatliche Fichte im Garten – die Fallstricke der deutschen Sprache lassen auch Berufsschreiber wie Zeitungsredakteure immer mal wieder ins Straucheln geraten. In der Hoffnung, dass Sie, liebe Leser, darüber genauso schmunzeln können wie die SZ-Mitarbeiter, haben wir einige der schönsten Fehler unseren Lokalausgaben – die zum Glück nicht alle gedruckt wurden – zum Jahresabschluss mal zusammengetragen. (SZ)

Da kann man schon mal die Krise kriegen

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Das Wetter zieht in den Krieg

Im Herbst beschäftigte sich ein SZ-Beitrag mit interessanten Farbspielen, die sich morgens am Himmel boten. Der Autor hatte sich Expertenrat geholt, um zu erfahren, wie es zu diesem Naturschauspiel kommt. Den Lesern erklärte er: Ursache für das Farbspiel am Himmel sei eine Invasionswetterlage – klar, wenn das Wetter über uns hereinbricht. Natürlich musste es Inversionswetterlage heißen.

Lass die Kirche im Garten

Im Beitrag über ein Café lobt der Autor die saisonalen Obstkuchen, je nachdem, was gerade im Garten reift: Erdbeeren, Rhabarber, Kirchen… Und wie heißt dann das Backwerk? Altartorte?

Ein Prosit auf die Gewächse im Wald

Eine Einladung, der bestimmt vor allem die Männer gern gefolgt sind, flatterte der SZ aus einer Natur- und Touristeninformation ins Haus: „Erste Wanderung mit dem Pilssachverständigen“. So kann man sich einen Tag im Herbstwald auch schön gestalten.

Da kann man schon mal die Krise kriegen

Nicht nur die schreibende Zunft bei der Zeitung stolpert mitunter über gewisse Klippen in der Formulierung. Auch Behörden oder deren Pressestellen kämpfen mit der deutschen Sprache. So berichtete die Bundespolizei über ein Fahrzeug, das sie auf der Autobahn A17 kontrolliert hatte. Darin waren offenbar Personen nach Deutschland eingeschleust worden. Das war auch für die Betroffenen eine schwierige Situation. Bei einem stellten die Beamten eine rumänische Identitätskrise fest, wie es hieß. Dabei handelte es sich jedoch nicht um einen medizinischen Notfall, sondern eigentlich um eine Identitätskarte, also einen Ausweis.

Wer hängt denn da?

Die Berichterstattung vor der Bundestagswahl war nicht immer frei von Fettnäpfchen wie im folgenden Beispiel. Da hieß es: Am Bahnhofsgebäude hängt Frauke Petry an einer Laterne. Uff, das hätte schiefgehen können.

Lehrer bitten zur Kasse

Der Lehrermangel beschäftigt uns alle ja schon seit Jahren. Zu Schuljahresanfang war Linderung versprochen, auch, weil Menschen aus anderen Berufen an die Schulen wechselten. Sie mussten jedoch erst weitergebildet werden. Und so war das Fazit: Erst im Dezember stehen alle neu eingestellten Seiteneinsteiger im Kassenraum. – Zahltag!

Wofür der Staat so alles zuständig ist

Rechtschreib-Irrtümer bringen mitunter eine herrliche unfreiwillige Komik mit sich. So war in einem Ausflugstipp unter anderem zu lesen, dass der Wanderer an einer alten, staatlichen Königsfichte vorbeikäme, die den staatlichen Umfang von 295 Zentimetern habe … eindeutig ein Fall für den staatlichen Rechtschreibschutz.

Eine zweite Schule in der Hinterhand

Schwierigkeiten mit dem Thema Schule hatte der Verfasser eines Textes zum Schuljahresauftakt: Da war über einen neuen Lehrer zu lesen, dass der schon im Rahmen seiner Ausbildung ein Praktikum in der neuen Schule absolviert hatte. Er „fährt dort jetzt regulär an“ hieß es im Text. Wahrscheinlich verursachte er dabei größere Schäden, denn ein paar Zeilen weiter im Beitrag ist zu erfahren, dass die Schüler Schreibsachen und „Wechselschule“ mitbringen sollen.

Nachträglich alles Gute

Führer bekommt Mittelstandspreis – so lautete die Schlagzeile einer Nachricht über das Seniorenheim Sächsische Schweiz in Pirna. Das Heim gehört zur Unternehmensgruppe Burchard Führer. Den Humor der Schlussredakteure traf die zweideutige Überschrift nicht. Sie wurde vor dem Druck geändert.

Selleriesalat

Pirna hat eine lange Tradition im Handwerk, manches ist kaum noch bekannt, wie etwa die Seilerei. Und so soll ein Geschichten-Spielplatz an diese Tradition erinnern. Der Text dazu lautete allerdings: Der Spielplatz ist dem Thema Sellerie gewidmet. Hoch lebe das Rechtschreibprogramm des Computers.

Autofahrerin auf Schmusekurs

Dass sich bei Unfällen zwei – in der Regel Fahrzeuge – zu nahe kommen, ist ja hinlänglich bekannt. Dass es aber auch ganz anders, nämlich menschlich, sehr eng zugehen kann, beschrieb die Polizei in einem Unfallbericht aus Dippoldiswalde. „In Höhe der Haltestelle erfasste die Frau einen Fußgänger“, hieß es da. Vielleicht sind die beiden ja noch zusammen …

Ein echt starker Gärtner

Da hatte ein Kleingärtner die Kohlrabimeisterschaft recht sportlich für sich entschieden. Zu lesen war im Bericht darüber: Sein Kohlrabi wog 18,5 Kilogramm. Damit schlug er alle anderen 74 Teilnehmer aus dem Feld. Was muss der kleine Gärtner für riesige Muckis haben, wenn er den schweren Kohlrabi 74 Leuten um die Ohren hauen kann?

Das Geld läuft auf der Straße

In der Nacht kam es zu einem Unfall zwischen Langenwolmsdorf und Neustadt, schrieb die Polizei kürzlich. Unvermittelt sei eine Rotte Wildscheine über die Fahrbahn gerannt. Na, da musste man das Geld doch bloß noch einsammeln.

Es wird sportwissenschaftlich

In einem Text über einen Skilanglauf-Wettkampf in Altenberg erfuhr der Leser endlich, wie die Kampfrichter die vielen Starter so schnell überblicken und deren Rundenzeiten registrieren können: „Jeder Starter hat einen Transporter am Arm“, wurde da erklärt. Äh, wie bitte? Richtig musste es natürlich Transponder heißen.

Zu viel genascht über die Feiertage?

Es ist doch jedes Weihnachten das Gleiche: Es wird geschlemmt, bis die Hosennaht platzt. Selbst die Arbeitsagentur hat das registrieren müssen: Wie in jedem Januar haben die gemeldeten Arbeitslosen im Landkreis im Vergleich zum Dezember zugenommen, zitierte ein SZ-Redakteur die Behörde Ende Januar 2017.

Lärmende Glibbertiere

Man erfährt doch immer Neues aus der Zeitung. So konnte man im Juni lernen, dass es zum einen Quallen in der Elbe gibt, zum anderen, dass die sogar recht laut zu sein scheinen. Immerhin hieß es da, es gebe eine Lärmqualle Nummer eins im Elbtal. Hoffentlich fischt die bald einer aus dem Fluss, damit die Anwohner wieder ruhig schlafen können.

Partei zu vermieten

Die Stadtbibliothek Stolpen hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um Leser zu gewinnen. Ob die wohl das Angebot annehmen, über das ein Redakteur die Leser informierte: „Wer sich ein Buch oder eine CDU ausleihen möchte …

Wer im Glashaus sitzt …

Wenn Pressesprecher von Redakteuren verlangen, die Behördensprache zu übernehmen, kann das gehörig schiefgehen, wie folgende Aufforderung einer Straßenbaubehörde an die SZ Pirna zeigt: „Bitte verwenden Sie immer die korrekter Bezeichnung des Bauvorhabens“, hieß es da.

Wenn Autos die Flucht ergreifen

Die Polizei fahndete im Herbst nach einem Unfallauto. Es hatte einen Fußgänger verletzt. Dann „flüchtete der Wagen“ von der Unfallstelle, hieß es im Polizeibericht. Autonomes Fahren scheint in der Sächsischen Schweiz also schon Alltag auf den Straßen zu sein.