• Einstellungen
Donnerstag, 04.01.2018

Wenn Flüchtlinge freiwillig in ihre Heimat zurückkehren sollen

Die Caritas berät Flüchtlinge gezielt zur Rückkehr in die Heimat. Sie fordert, dass das besser organisiert werden soll.

Von Franz Werfel

Die Sozialarbeiterinnen der Caritas, Jana Splitthoff (l.) und Silke Maresch, erklären in ihrem Pirnaer Büro, warum die Rückkehrberatung für Flüchtlinge besser organisiert werden sollte.
Die Sozialarbeiterinnen der Caritas, Jana Splitthoff (l.) und Silke Maresch, erklären in ihrem Pirnaer Büro, warum die Rückkehrberatung für Flüchtlinge besser organisiert werden sollte.

© N. Millauer

Pirna. Seit einigen Monaten gibt es in Sachsen die Rückkehrberatung für Flüchtlinge, die rechtlich keine gute Bleibeperspektive in Deutschland haben. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wird diese bisher nur vom Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche angeboten, der Caritas. Ihre Sozialarbeiter helfen Flüchtlingen in Freital, Bannewitz, Heidenau, Pirna, Sebnitz und Neustadt bei der Integration. Seit Kurzem informieren sie zusätzlich in Freital, Pirna und Neustadt, wie ihnen Deutschland bei einer freiwilligen Rückreise in ihre Heimat hilft. Denn viele, sagt Jana Splitthoff, Beraterin in Pirna, wollen gern in die Heimat zurückkehren. „Sie vermissen ihre Familien oder wollen zu Hause Angehörige pflegen.“

Deutschland versucht, auf mehreren Wegen zu helfen, sagt Splitthoff. „Es ist ja nicht so, dass jemand einfach so eine Fahrkarte in die Hand gedrückt bekommt, wenn er zurück nach Hause will.“ Mancher könne fit gemacht werden für Aufgaben in der Heimat. So könne ein Afghane etwa nach einem hiesigen Schnellkurs als Minenentschärfer in Afghanistan arbeiten.

Das Problem: Viele Flüchtlinge haben Hemmungen, sich über eine mögliche Rückkehr zu informieren. „Sie befürchten, dass das ihre Chancen auf Asyl schmälert“, sagt Splitthoff. Der Caritas ist deshalb wichtig, unabhängig, frei, kostenlos und ergebnisoffen zu beraten. Sie findet es deshalb gut, dass der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge einen freien Träger mit der Rückkehrberatung beauftragt hat. Das sei nicht in allen sächsischen Landkreisen der Fall, sagt Silke Maresch, die Leiterin der Caritas-Beratungsdienste Pirna. „Wenn aber ein Mitarbeiter vom Ausländeramt Flüchtlinge zur freiwilligen Rückkehr berät, besteht die Gefahr, dass das Gespräch interessengeleitet und nicht neutral verläuft.“

Es sei schwer, sagt Maresch, Sozialarbeiter für die Rückkehrberatung zu schulen. „Das sind ganz andere Rechtsgebiete als die normale Flüchtlingsberatung.“ Mit normal meint sie die Sozialberatung für Menschen, die sich entweder noch in einem Asylverfahren befinden oder bereits eine Aufenthaltserlaubnis bekommen haben. „Den einen Klienten sollen sie zur Integration beraten und dem nächsten helfen, einen Neustart im Heimatland zu packen.“ Das sei schizophren. Denn viele Flüchtlinge, ergänzt Jana Splitthoff, meinen, dass sie einen Neustart in der Heimat nicht schaffen. Dafür gebe es verschiedene Gründe. „Mancher hat sich für die Flucht verschuldet und kann das Geld nicht zurückzahlen, mancher hat familiäre oder psychische Probleme.“ Gemeinsam mit den Klienten überlege sie, wie eine sichere Rückreise gelingt.

„Die Rückkehrberatung wird vom Freistaat politisch fokussiert. Der Staat stellt die Berater bisher aber fachlich nicht gut auf“, sagt Silke Maresch. Wenn die Caritas darauf hinweist, geht es ihr nicht primär ums Geld. „Geld ist da und wird nur zu oft mit der Gießkanne verteilt“, so Maresch. Was viele aber nicht wissen: Mit dem Geld, das die Caritas für ihre Beratungen vom Landkreis im Auftrag des Freistaats bekommt, kann sie ihre Kosten nicht abdecken. Rund zehn Prozent der Personalkosten muss der Verband aus der Kirchensteuer oder über Spenden selbst beisteuern. In Dresden decke die Pauschale alle Kosten.

Um eine höhere Qualität in der Beratung zu erzielen, sollten eher einige Sozialarbeiter für die Rückkehrberatung besonders intensiv geschult werden. So könne man Kompetenzen bündeln. „Das bleibt bisher den Trägern überlassen“, sagt Silke Maresch. Derzeit könne jeder Träger so beraten, wie er es für richtig hält. „Es gibt bisher keine verbindlichen Richtlinien und auch keine Qualitätskontrollen.“ Das, sagt sie, müsse sich schleunigst ändern.