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Donnerstag, 17.05.2018

Wenn die Ritterstraße zur Umleitung wird

Mit Sperrung der Brücke Straße des Friedens läuft der Verkehr durch Döbelns historisches Viertel. Geht das gut?

Von Jens Hoyer

Querparken ist jetzt in der Ritterstraße möglich. Ab Ende Juni nur noch eingeschränkt.
Querparken ist jetzt in der Ritterstraße möglich. Ab Ende Juni nur noch eingeschränkt.

© Archiv/Jens Hoyer

Döbeln. Die Geschäftsleute und Bewohner der Ritterstraße sehen dem 25. Juni mit Grausen entgegen. An diesem Tag soll der Neubau der Brücke Straße des Friedens beginnen. Bauzeit: 18 Monate. Der gesamte Umleitungsverkehr geht dann über die Ritterstraße mit Lärm, Erschütterungen, Einschränkung bei den Parkplätzen. Bei einem Treffen am Dienstag versuchte Döbelns Ordnungsamtschef Jürgen Müller, Bedenken zu nehmen. So schlimm werde es voraussichtlich nicht kommen. Von dem Plan, während der Umleitungszeit nur noch Längsparker in der Geschäftsstraße zuzulassen, ist die Verwaltung teilweise abgerückt. Längsparken gibt es nur bis zur Einmündung Sattelstraße, danach ist weiter das Querparken möglich, so Müller. „Wir gehen das Risiko ein und sehen, ob das funktioniert.“ Nur sechs Stellplätze werden dadurch an der Straße wegfallen.

Auch den Verkehr versucht die Verwaltung einzuschränken. Laster werden schon am Kreisverkehr Oberbrücke in Richtung Leipziger Straße umgeleitet. „Das funktioniert, weil die Fahrer verunsichert sind, dass sie nicht weiterkommen“, so Müller. Durch den Ausbau der B 175 sei der Verkehr aus Richtung Döbeln Ost ohnehin um etwa um ein Drittel reduziert. Den Hinweis, den Schwerverkehr schon auf der Autobahn nach Döbeln Nord umzuleiten, nahm er mit. Für ein Problem sieht Müller keine Lösung: das der Fußgänger, die über die Straße müssen. Einen Übergang einzurichten, sei auf der Ritterstraße nicht möglich. „Außerdem sind Zebrastreifen gefährlich. Dort passieren die meisten Unfälle“, sagte Müller.

Stadtrat Sven Weißflog, der mehrere Häuser an der Ritterstraße besitzt, sorgt sich um das Funktionieren des Parkverkehrs, der wichtig für die Geschäfte ist. „Auch einige Händler stehen ständig auf den Parkplätzen. Wir schneiden uns damit ins eigene Fleisch und verhindern, dass Besucher auf die Stellflächen können“, sagte er. Vielleicht wäre es möglich, für die Zeit der Umleitung gute Konditionen mit dem Parkhaus auszuhandeln. Auch einige Bewohner mit Anwohnerparkausweisen blockierten die Stellflächen dauerhaft. Weißflog bringt eine andere Lösung ins Spiel. „Da muss ein Interessensausgleich her. Nachts können die Anwohner die Parkflächen nutzen, tagsüber sind sie für die Gewerbetreibenden da.“ Laut Ordnungsamtschef Jürgen Müller wäre eine zeitliche Einschränkung der Anwohnerparkausweise möglich. Allerdings beruhe die derzeitige Regelung auf einem 20 Jahre alten Beschluss des Stadtrates. „Von uns aus fassen wir den nicht an. Dazu müsste im Stadtrat ein Antrag gestellt werden“, sagte Müller.

Harro Faßbinder hat Angst, dass vor allem durch den schweren Verkehr die Häuser Schaden nehmen. „Wenn ein Bus durchfährt, vibriert das ganze Haus“, sagte er. Das liege am Untergrund: Die Stadt stehe auf einer Schlammlinse, sagte Weißflog. „Wir können da nur eine Beweissicherung von einem vereidigten Gutachter machen lassen.“ Die Landestalsperrenverwaltung als Bauherr der Brücke werde nicht selbst aktiv werden.

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