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Freitag, 29.12.2017

Wenn die Heimat lockt

Der erste Rückkehrertag in Weißwasser ist ein voller Erfolg. Firmen und Stadtverwaltung sind zufrieden. Und erste Heimkehrer melden sich an.

Von Christian Köhler

Beim ersten Rückkehrertag in der Stadtbibliothek in Weißwasser hat es zahllose Gespräche zwischen Unternehmen und Gästen gegeben, die wieder nach Weißwasser ziehen wollen.
Beim ersten Rückkehrertag in der Stadtbibliothek in Weißwasser hat es zahllose Gespräche zwischen Unternehmen und Gästen gegeben, die wieder nach Weißwasser ziehen wollen.

© Joachim Rehle

Weißwasser. Die Geschichte von Robert Morgenstern steht stellvertretend für viele ehemalige Weißwasseraner: „Ich bin nach der Schule, vor zwölf Jahren, fortgezogen“, erzählt er. Im bayrischen Straubing hat der Ex-Weißwasseraner mit seiner Lebensgefährtin Arbeit gefunden. Über die Feiertage ist er nun wieder auf „Besuch“ in Weißwasser, trifft hier Verwandte und Freunde. „Heute will ich mich informieren, um eines Tages wieder in die Heimat zu ziehen“, sagt er und fügt hinzu: „Denn ohne Arbeit, brauch ich nicht über eine Rückkehr nachzudenken.“ Und die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

Mehr als 20 Unternehmen haben sich am Donnerstag in der Stadtbibliothek in Weißwasser vorgestellt – sie sind auf der Suche nach Fachkräften, bieten Arbeit. „Wir haben super Gespräche geführt“, sagt beispielsweise Torsten Noack, Geschäftsführer von SKM. Das Unternehmen ist als Sondermaschinen- und Anlagenbauer bekannt, arbeitet für die Baustoffindustrie und für Bergbauunternehmen. „Schon in der kommenden Woche kommt ein Interessent zu einem Gespräch zu uns in die Firma“, sagt Torsten Noack, der Konstrukteure, Schweißer und Schlosser sucht. „Wir bieten Arbeit in der Region“, betont er.

Jörg Waniek von der Lausitz Bergbau AG (Leag) dagegen sucht in Weißwasser gezielt nach Fachleuten aus der IT-Branche. „Wir sind bewusst nach Weißwasser gekommen, um ganz spezielle Arbeit anzubieten“, berichtet er. Leag selbst bilde jährlich etwa 200 Azubis aus, deckt seinen Bedarf an Fachleuten zum Großteil selbst. Allerdings klappt dies nicht immer. So sucht Leag in bestimmten Bereichen – wie etwa in der Informationstechnologie – Fachkräfte. „Wir haben auf zwei Interessenten gehofft“, erzählt Waniek schon am frühen Nachmittag, „und die haben gleich am Anfang vor uns gestanden. Besser konnte es doch gar nicht laufen.“ Das sieht auch die Management Gesellschaft des Gesundheitszentrum Görlitz (Mglg) so. Für das Weißwasseraner Krankenhaus werden Hebammen, Laboranten und Fachkrankenschwestern gesucht. „Wir haben bereits erste Anfragen vor allem bei Ausbildungsberufen“, erklärt Mglg-Sprecherin Jana-Cordelia Petzold.

Auch aufseiten der Stadtverwaltung herrscht am Donnerstag Zufriedenheit. Wirtschaftsförderer Thorsten Rennhak beispielsweise erzählt, dass die ersten Interessenten bereits um 11 Uhr in der Bibliothek gewesen sind. Während der ersten Stunde seien mehr als 100 Interessenten vor Ort gewesen. „Ich glaube, wir haben mit der Veranstaltung den Nerv getroffen“, zeigt sich Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) gegenüber der SZ zufrieden. Wenn die Unternehmen auch im kommenden Jahr mitmachen, will die Stadtverwaltung das Rückkehrangebot auch 2018 durchführen, sagt er.

Wie schnell es manchmal mit der Rückkehr gehen kann, zeigt ein weiteres Beispiel, denn Nägel mit Köpfen haben Ronald Böhmer und seine Lebensgefährtin gemacht: Noch 2001 ist Ronald Böhme von Weißwasser weggezogen, wegen der Arbeit, wie er erzählt. Nun sind die Kinder größer und der Wunsch des Ex-Weißwasseraners, wieder in die Heimat zurückzukommen, wuchs im Laufe der vergangenen Monate. Über Maklerin Kathrin Rössel hat sich Ronald Böhme am Donnerstagmorgen ein Grundstück in Rohne angesehen. „Ich bereite heute noch den Kaufvertrag vor“, erzählt die Maklerin. Ronald Böhme will sich den Traum vom eigenen Bauernhof erfüllen. „In Bayern kann ich mir das einfach nicht leisten“, sagt der Rückkehrer. Dabei, so berichtet er, wohne er in keiner Großstadt, sondern im ländlichen Raum. In und um Weißwasser sei das anders, die Preise moderat. „Ich mache derzeit eine Umschulung zum Bürokaufmann bei der Industrie- und Handelskammer, um meine Berufschancen zu erhöhen.“

Am 1. Januar fängt auch bei der Wohnungbaugesellschaft Weißwasser mbH (WBG) ein Rückkehrer mit der Arbeit an. „Das Ganze lief schon im Oktober an“, berichtet Geschäftsführerin Petra Sczesny. Beim Rückkehrertag habe sie zudem einigen mit Rat und Tat zur Seite gestanden, die eine Wohnung in Weißwasser mieten wollen. „Im April zieht beispielsweise eine junge Familie bei uns ein“, so die WBG-Chefin. In lockerer Atmosphäre habe man in der Bibliothek Besichtigungstermine vereinbart.