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Mittwoch, 15.06.2016

Weltweit einmalig

Die Zittauer Firma Digades hat ein Notruf-System für Motorräder entwickelt – das sich sogar bei einem Diebstahl meldet.

Von Thomas Mielke

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Der kleine rote Notrufknopf hilft bei Unfällen. Mit einem Druck erreicht der Fahrer die Rettungsleitstelle. Kann er nicht mehr drücken, verständigt das neue Notrufsystem der Zittauer Firma Digades die Retter bei einem Unfall automatisch.
Der kleine rote Notrufknopf hilft bei Unfällen. Mit einem Druck erreicht der Fahrer die Rettungsleitstelle. Kann er nicht mehr drücken, verständigt das neue Notrufsystem der Zittauer Firma Digades die Retter bei einem Unfall automatisch.

© PR

Lutz Berger, Geschäftsführer von Digades auf seiner Ducati. Auch dieses Motorrad ist mit dem neuen Sicherheitssystem ausgestattet.
Lutz Berger, Geschäftsführer von Digades auf seiner Ducati. Auch dieses Motorrad ist mit dem neuen Sicherheitssystem ausgestattet.

© Matthias Weber

Zittau. Lutz Berger hat ihn schon in seiner Ducati, den Dguard. Mit dem automatischen Notrufsystem für Motorradfahrer, das seine Firma Digades in Zittau entwickelt hat, erfahren Notärzte und Feuerwehrleute ab sofort viel schneller von einem verunglückten Biker. Es ist das erste seiner Art – weltweit. Und das erste Produkt, das Digades komplett selbst entwickelt hat. 2,5 Millionen Euro hat sich die Firma, laut Berger, kosten lassen. Zuvor entwickelte das Unternehmen, das 1992 in Kittlitz gestartet war, vor allem Produkte für Partner. Natürlich wird der Dguard auch bei Digades in Zittau produziert.

Das vollautomatische Notruf-System erkennt, wenn ein Motorrad verunglückt. Es setzt daraufhin über das Mobilfunknetz einen telefonischen Notruf an die Nummer 112 ab. Ein Computer erklärt dem Menschen, der abhebt, dass es einen Unfall gegeben hat und an welchen Koordinaten sich das Motorrad befindet. Im Ausland in der jeweiligen Landessprache. Wenn die europäischen Rettungsleitstellen ab 2018 mit der gesetzlich vorgeschriebenen Einführung der sogenannten E-Calls – elektronische Anrufe – für Autos die nötige Software bekommen, braucht es nicht einmal mehr diese synthetische Stimme. Hat der Fahrer ein Headset am Helm und kann noch sprechen, wird er selber mit dem Rettungsdienst verbunden. Selbst wenn beim Unfall die Motorrad-Batterie zerstört worden sein sollte: Dguard hat eine eigene Notfall-Batterie an Board, die acht Minuten überbrückt. Natürlich kann der Fahrer per Notrufknopf auch selber die Retter alarmieren oder auf einen Unfall aufmerksam machen, zu dem er hinzukommt – ohne die Frage fürchten zu müssen, wie das letzte Dorf hieß, durch das er gerade gefahren ist. Die Position übermittelt ja Dguard.

Hinter dem Notruf steckt ausgeklügelte Technik, die es bisher nicht gab. So muss neben vielem anderen das System erst einmal erkennen, dass der Fahrer wirklich verunglückt ist und nicht etwa mit extremer Neigung durch die Kurven braust. „Wir müssen ja absichern, dass bei sportlicher Fahrweise nicht plötzlich der Krankenwagen hinter dem Fahrer auftaucht“, sagt Berger schmunzelnd. Dafür „spulte das Digades-Testteam über 30000 Kilometer auf Straßen in Deutschland, Österreich, Spanien, USA und Südafrika ab“, heißt es vonseiten der Firma. Selbst unter extremsten Bedingungen musste die Eigenentwicklung funktionieren. Deshalb bat Berger den Enduro-Pilot Paul Roßbach, den die 150-Mitarbeiter-Firma sponsort, bei seinem Training für die Läufe zur Deutschen und Europameisterschaft extreme Situationen und Unfälle zu provozieren, die auf öffentlicher Straße zu gefährlich oder unmöglich gewesen wären. Natürlich, ohne dass sich der Enduro-Profi selbst verletzt. Am Ende stand ein Algorithmus, der aus Parametern wie Neigung der Maschine, Beschleunigung und der Anwesenheit des Fahrers errechnet, ob wirklich ein Unfall passiert ist.

Dguard kann aber noch mehr, als den Notarzt holen. Er ist auch ein Diebstahl-Warner. Befindet sich das Motorrad samt System im Ruhezustand und wird bewegt, bekommt der Eigentümer eine Warnung auf sein Handy. Danach zeigt Dguard fortlaufend die Koordinaten an, an denen sich das Zweirad gerade befindet.

Einbauen lässt sich das Notruf-System aus vier Komponenten im Prinzip in Motorräder aller Marken. Werkstätten kommen damit ebenso zurecht wie Bastler. Gesteuert und kalibriert wird Dguard per Tablet oder Smartphone über eine App.

479 Euro kostet das System und ist seit wenigen Tagen im Online-Shop von Digades erhältlich. Der erste Käufer kommt aus der Schweiz, verrät Berger. Er und sein Team bauen jetzt den weitergehenden Vertrieb auf. So haben sie Dguard zum Beispiel kürzlich der Fachpresse auf einem Schloss bei Frankfurt/Main vorgestellt. Zudem laufen erste Gespräche mit Motorradherstellern, die das Notruf-System schon ab Werk einbauen wollen. Darüber hinaus sucht Digades Fachhändler. „Die suchen wir uns gezielt aus, denn wir wollen Dguard nicht einfach breitstreuen“, sagt Berger.

www.dguard.com

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