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Samstag, 07.04.2018

Welcher Mietwagen steht mir zu?

Von Peter Löschinger

Große Auswahl, manchmal aber mit beschränktem Angebot.Foto: dpa
Große Auswahl, manchmal aber mit beschränktem Angebot.Foto: dpa

© Christian Röwekamp/dpa-tmn

Gleich ist es geschafft. Die Koffer nach der Landung vom Gepäckband gefischt und ab zum Mietwagenstand. Selbst die lange Schlange davor trübt die Urlaubsstimmung nicht. Schließlich hat man das ersehnte Cabrio schon daheim übers Preisvergleichsportal gebucht. Doch die Dame am Schalter erklärt: „Kein Cabrio da.“ Und dann ist der angebotene Ersatzwagen auch noch viel zu klein fürs Gepäck. Was tun?

„In einem solchen Fall würde ich das Ersatzauto zurückweisen, woanders ein Auto mieten und die Mehrkosten als Schadenersatz geltend machen“, sagt Verkehrsrechtsanwalt Christian Janeczek. „Denn wenn Sie ein Cabrio buchen und der Vermieter keines anbieten kann, müssen Sie das Ersatzfahrzeug nicht nehmen oder bezahlen.“

Maßgeblich ist die Buchungsbestätigung. Meist findet sich dort eine vierstellige Buchstabenfolge, der sogenannte ACRISS-Code. Auf den haben sich viele große Autovermieter geeinigt. Er ordnet jedes Fahrzeug anhand von Merkmalen wie etwa Kategorie, Typ, Getriebe oder Treibstoff und Klimaanlage einer bestimmten Fahrzeuggruppe zu, erklärt die ADAC-Autovermietung. „CLMR“ zum Beispiel steht für eine Limousine der Kompaktklasse mit manuellem Getriebe und Klimaanlage. Codes und Auto-Beispiele finden sich auf den Vermieter-Seiten oder auch online bei den Autoclubs.

Wer bucht, bestellt also in der Regel kein bestimmtes Modell eines Herstellers, sondern nur eine Fahrzeuggruppe, in der die Autos aber untereinander vergleichbar sind. Genannte Modelle stehen immer nur beispielhaft. In der Bestätigung kann dann etwa „Opel Astra Cabrio oder ähnlich“ sowie der Code stehen. „Oder ähnlich“ bezieht sich auf Fahrzeuge der gleichen Gruppe. „Daher könnte es sein, dass der Kunde statt eines Opel Astra den VW Beetle bekommt – beides jedoch als Cabrio“, sagt Julia Leopold vom Vergleichsportal Check24.

Nachträgliche einseitige Änderungen wie handschriftliche Vermerke auf der Buchungsbetätigung durch Vermieterpersonal vor Ort sind nicht bindend, erklärt Anwalt Janeczek. Ist die gebuchte Kategorie nicht vorhanden, werden mitunter auch Autos der nächsthöheren Kategorie angeboten. Ist das mit Mehrkosten verbunden, lehne man besser ab.

Bei der Buchung über Vergleichsportale kommen bis zu drei Parteien ins Spiel, erläutert Anja Smetanin vom Auto Club Europa (ACE). Neben den Suchportalen als Vermittler von Angeboten und der eigentlichen Autovermietung kann auch ein sogenannter Broker beteiligt sein, der bessere Konditionen bei den Vermietern aushandelt. Deshalb kommt es in aller Regel am Ende immer auf den eigentlichen Flottenbetreiber an: „Der Vertrag wird immer direkt mit dem Vermieter vor Ort geschlossen, das ist der Vertragspartner“, sagt Marion-Maxi Hartung von der ADAC-Autovermietung. „Reklamationen müssen deswegen in der Regel auch direkt beim Vermieter platziert werden.“

Wer zur Konkurrenz gehen möchte, um doch noch ein Modell der gebuchten Fahrzeuggruppe zu bekommen und beim ursprünglichen Vermieter später die Preisdifferenz geltend machen möchte, dem rät Anwalt Janeczek, sich alles schriftlich geben zu lassen. „Eine kurze Erklärung etwa, in der steht, dass ein vergleichbarer Wagen nicht verfügbar war und welche Alternativfahrzeuge im Angebot waren.“

Weigert sich der Vermieter, sollte man versuchen, umstehende Reisende als Zeugen zu gewinnen und sich deren Kontaktdaten notieren. Von den vorgefertigten Unterlagen des Vermieters machen sich die Urlauber Kopien oder Handyfotos. Ist keine alternative Anmietung vor Ort möglich und man kommt etwa vom Flughafen oder spätabends schlecht von der Vermietstation weg, rät Janeczek zu einem Taxi zum Hotel. Die Kosten sollte man sich vom Vermieter erstatten lassen.

Alternativen dazu: „Man fährt mit dem Ersatzauto zum Hotel, erklärt dabei aber ausdrücklich, dass damit kein Einverständnis mit dem angebotenen Mietwagen besteht“, so der Anwalt. Vielleicht gibt es dann am nächsten Tag ein anderes Modell. Wichtig: „Wenn mir die Option eröffnet wird, den Mietwagen nur für einen Tag zu nutzen, muss dies ausdrücklich im Vertrag vermerkt werden.“ Oder man akzeptiert den Alternativwagen unter Vorbehalt für den gesamten Zeitraum. Es müsse dann aber im Vertrag vermerkt werden, dass der Alternativwagen nicht als vertragsgemäß akzeptiert wird, sagt Janeczek. Dann kann man sich später eine etwaige Preisdifferenz zur ursprünglich gebuchten Mietwagengruppe erstatten lassen. (dpa)

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