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Donnerstag, 22.06.2017 Versicherungen im Alter

Welche Policen Senioren brauchen

Versicherungen sind nicht unbedingt unbegrenzt haltbar. Zumindest werden nicht alle Policen, die während des Erwerbslebens erforderlich waren, auch im Rentenalter gebraucht. Spezielle Senioren-Versicherungen sind aber auch nicht immer hilfreich.

Haftpflichtversicherungen - etwa für den Hund - gehören zu den wichtigen Versicherungen für Senioren. Auf spezielle Policen können sie aber in der Regel verzichten. Foto: zerocreatives/dpa
Haftpflichtversicherungen - etwa für den Hund - gehören zu den wichtigen Versicherungen für Senioren. Auf spezielle Policen können sie aber in der Regel verzichten. Foto: zerocreatives/dpa

Berlin (dpa/tmn) – Der Ruhestand steht bevor. Da ist es an der Zeit, ein paar Dinge auf den Prüfstand zu stellen. Dazu zählen Versicherungen. Einige sind nach wie vor sinnvoll, andere können durch Seniorenpolicen ersetzt werden. Wieder andere sind überflüssig. Von wichtig bis nichtig - ein Überblick:

- WICHTIG: Privathaftpflicht, Autohaftpflicht und Krankenversicherung bleiben ein Muss. Sie «sichern existenzielle Risiken ab», begründet Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Die private Haftpflicht leistet bei Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Sogar Haustiere – mit Ausnahmen von Hunden – sind eingeschlossen.

Die Police gilt sowohl bei Schäden, die an Demenz Erkrankte anrichten, als auch beim Umzug ins Altersheim. In dem Fall kann es lohnen, auf einen Senioren- oder Singletarif umzusteigen. Diese sind oft billiger.

Ältere Menschen, die mit ihren Kindern unter einem Dach leben, können über deren Haftpflicht- und Hausrat-Policen mitgeschützt sein. Diese Geld sparende Option sollte geprüft werden, rät der BdV.

- WENIGER WICHTIG: Eine Rechtsschutz-Versicherung sollte auf einen Tarif ohne Berufsrechtsschutz umgestellt werden, sofern dieser günstiger ist. «Es ist kein Arbeitgeber mehr da, mit dem man streiten kann», sagt Frank Golfels vom Bundesverband der Versicherungsberater.

Der Nutzen einer privaten Pflegeversicherung ist unter Fachleuten umstritten. Vor einer Entscheidung dafür oder dagegen sollten Senioren sich in Heimen ihrer Umgebung über die Kosten für einen Platz informieren und abwägen, ob sie nicht mit Rente und Leistungen der gesetzlichen Pflegekasse über die Runden kommen, empfiehlt Golfels. Wer sich für den Abschluss entscheidet, sollte bedenken, dass der Beitrag umso höher wird, je später der Vertrag unterschrieben wird.

- NICHTIG: In die Rubrik Wegfallen ordnet Golfels die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ein. Der Grund ist einfach: Wer nicht mehr arbeitet, muss das Risiko der Berufsunfähigkeit nicht mehr absichern. Die BU kann mit dem Rentenbeginn also gekündigt werden.

Einsparpotenzial sehen Golfels und Boss rund um die Gesundheit. Verzichtbar ist demnach eine Krankenhaustagegeldpolice, denn mit Beginn des Ruhestands ist keine Vorsorge für vorübergehende Arbeitsunfähigkeit mehr erforderlich.

Eine Versicherung für die Brille ist nach Ansicht von Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ebenfalls entbehrlich. Sein Tipp: Die kaputte Brille vorübergehend durch ein Billigmodell ersetzen oder regelmäßig etwas Geld für eine neue zurücklegen. Denn generell hält Gatschke zu Produkten passende Policen für Humbug.

Ein Diebstahlpolice für Rollator und andere Hilfsmittel von der Krankenkasse ist ebenfalls nicht notwendig: «Sofern keine grobe Fahrlässigkeit beziehungsweise kein Vorsatz beim Bestohlenen festzustellen ist, wird bei Verlust und Diebstahl grundsätzlich problemlos ersetzt», heißt es beim AOK-Bundesverband.

«Finger weg» lautet der Tipp von Bianca Boss in Bezug auf eine spezielle Senioren-Unfallversicherung. «Sie ist mit teuren Assistenzdienstleistungen verbunden», begründet sie ihre Einschätzung. In der Regel sei lediglich die Organisation von Services wie Essenslieferung und Schneeräumen eingeschlossen, die tatsächliche Leistung müsse der Senior dann aber extra zahlen.

Aus Seniorensicht auch kein lohnendes Geschäft: die Sterbeversicherung, die für die Beerdigungskosten aufkommen soll. In sie wird nach den Erfahrungen der Experten meist mehr eingezahlt, als rauskommt. (dpa)

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