• Einstellungen
Dienstag, 05.12.2017

Weihnachten spaltet den Einzelhandel

Die Einkaufsstraßen in den Innenstädten glänzen im Weihnachtsschmuck. Die meisten Einzelhändler erwarten in diesem Jahr gute Geschäfte. Doch viele kleinere Händler blicken pessimistisch in die Zukunft. Vor allem ein Problem macht Ihnen zu schaffen.

Von Erich Reimann

5

Ein Passant auf der Königsallee in Düsseldorf vor einem weihnachtlich dekorierten Schaufenster.
Ein Passant auf der Königsallee in Düsseldorf vor einem weihnachtlich dekorierten Schaufenster.

© dpa

Düsseldorf. Kurz vor dem Weihnachtsfest ist die Konsumlaune in Deutschland fantastisch. Der Einzelhandel rechnet in diesem Jahr zum Fest der Liebe mit rekordverdächtigen Umsätzen von rund 94,5 Milliarden Euro. Doch die Wahrheit ist auch: Längst nicht alle Händler werden vom Einkaufstrubel profitieren. Weihnachten spaltet den Einzelhandel. Und zu den Verlieren dürften überdurchschnittlich viele kleine Händler gehören.

„Die Schere zwischen Groß und Klein öffnet sich immer weiter“, klagte erst kürzlich der Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser. Während in der Branche insgesamt Optimismus vorherrscht, rechnete in der jüngsten Branchenumfrage des Verbandes nicht einmal jeder vierte der befragten kleineren Händler - mit weniger als fünf Beschäftigen - für das zweite Halbjahr mit einem Umsatzplus.

Längst hat sich im Handel so etwas wie eine Drei-Klassen-Gesellschaft herausgebildet: Es gibt die großen Online-Player wie Amazon und Zalando, die dank des Online-Booms nach wie vor mit hohen Wachstumsraten glänzen. Es gibt die großen Einzelhändler wie H&M oder Media Markt, die unter großen Kosten inzwischen auch auf den E-Commerce-Zug aufgesprungen sind und Online-Shop und klassische Läden zu einem kanalübergreifenden Angebot verbinden. Und es gibt die vielen kleinen Händler, die dabei nicht mithalten können.

Im Weihnachtsgeschäft wird dies besonders sichtbar. Denn Weihnachten ist wie gemacht für den Online-Handel. Nach einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) werden auch in diesem Jahr neben Gutscheinen vor allem Spielwaren, Bekleidung und Bücher unterm Weihnachtsbaum liegen. Und das sind ausnahmslos Produkte, die ohnehin überdurchschnittlich oft im Netz gekauft werden. Kein Wunder also, dass der Online-Handel gut ein Viertel seiner Jahresumsätze im November und Dezember macht. Zum Vergleich: Beim stationären Handel entfallen auf diese Monate weniger als ein Fünftel des Gesamtgeschäfts.

Und die Rolle, die der Internethandel im Weihnachtsgeschäft spielt, wird von Jahr zu Jahr größer. Dieses Jahr dürfte da keine Ausnahme sein. Erwartet der Handel insgesamt im Weihnachtsgeschäft ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr, so dürften die Online-Umsätze nach einer aktuellen HDE-Prognose um satte 10 Prozent zulegen. Auch in diesem Jahr werden die „klassischen“ Händler in den Einkaufsstraßen also weitere Marktanteile an die Online-Konkurrenz verlieren.

Das Online-Angebot werde dank schnellerer Lieferungen und weiter wachsender Auswahl immer attraktiver, erklärt der Handelsexperte Thomas Täuber von der Unternehmensberatung Accenture den Trend. Deshalb werde es am Ende auch in diesem Weihnachtsgeschäft viele enttäuschte Gesichter bei stationären Händlern geben.

Zwar kaufen die Bundesbürger nach einer repräsentativen Umfrage der Unternehmensberatung EY ihren Weihnachtsgeschenke grundsätzlich nach wie vor lieber im Laden als im Internet. Und sie schätzen auch die Atmosphäre der Weihnachtsmärkte. Doch hindert sie das offensichtlich nicht daran, sich immer öfter den stressigen Besuch in überfüllten Innenstädten zu ersparen und im Internet zu shoppen. Mehr als die Hälfte der Verbraucher wollen laut GfK in diesem Jahr mindestens ein Geschenk im Internet erwerben. Generell wachse die Bereitschaft Präsente online zu ordern, beobachten die Marktforscher.

Während kleinere Händler um ihre Umsätze bangen, treibt die Online-Händler inzwischen eine ganz andere Sorge um. Angesichts der Meldungen von Post, Hermes und Co über die vom Online-Boom befeuerten Rekorde im Paketaufkommen, befürchtet nach einer Branchenumfrage des Händlerbundes in diesem Jahr jeder zweite Online-Händler größere Probleme, die Geschenklieferungen rechtzeitig zum Kunden zu bringen, als in der Vergangenheit. (dpa)

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Ernst

    Wäre doch einmal etwas, wenn die ganzen online gekauften Geschenke erst nach Weihnachten eintreffen. Vielleicht kommen dann die Leute einmal zur Vernunft und bekommen wieder Bodenhaftung. Keiner will leere Läden und verwaiste Innenstädte, aber viele tun viel dafür damit das geschieht. Es wird Zeit umzudenken und wieder vor Ort einzukaufen, letztlich haben wir alle etwas davon.

  2. alter Schwede

    1@schön wäre es was Sie schreiben,leider geht es in die andere Richtung.Man brauch sich nur mal die Beiträge in verschiedenen Medien ansehen,wenn von Digitalisierung oder Industrie 4.0 geredet wird.Das große Einzelhandelssterben,einschließlich im Dienstleistungsgew.(Kassiererin,Busfahrer u. ä.) kommt erst noch.Man kann sich dagen wenden,aber aufhalten kann man es nicht

  3. Berg

    Man kann die Idealisten nur bewundern, auch die -innen, die immer wieder diese kleine Klamottenboutique aufmachen, mit Sekt die ersten Kunden begrüßen - die dann nur für ein-zwei Mal Bedarf haben, so dass man nach zwei Jahren wieder schließen muss. Ähnliches spielt sich in kleinen Restaurants ab: mit originellem Konzept gestartet, werden sie einmal aufgesucht, anfänglicher Erfolg, und dann eben nicht noch einmal. Auch den einzelnen Straßenmusikant möchte man nur kurze Zeit hören - dann bitte wieder weggehen! Manches hält sich: Bäcker, Metzger, Friseur, Optiker, Schuhe. - So ist das Leben!

  4. nettosteuerzahler

    Also noch im vorigen Jahr habe ich die nicht eindeutig spezifizierten „ich weiß auch nicht„ Geschenke auf dem Weihnachtsmarkt geholt. Dieses Jahr habe ich das Geschenke Sortiment entsprechen der Wünsche etwas umgestellt. Jedoch … nun ja im Händler Verzeichnis habe ich keine Bude mit Stichschutz Westen und Pfefferspree gefunden.

  5. Any

    Es wäre sehr schön wenn es in den Innenstädten nur noch 1/10 der Geschäfte gäbe die für den alltäglichen Bedarf. Dann wäre endlich wieder Platz für schönere Sachen als Geschäfte. Kunst, Kultur, Freizeiteinrichtungen und Natur hätte endlich wieder Platz, als der 20. nutzlose Klamottenladen.

Alle Kommentare anzeigen

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.