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Freitag, 29.12.2017

Wasser, Wut und Weltstars

Was Dresden bewegt hat – ein Rückblick auf 2017 und was die Stadt auch nächstes Jahr beschäftigen wird.

Von Sandro Rahrisch und Peter Hilbert

Ob Kunstwerke am Neumarkt, Eröffnung des Kulturpalasts oder Angst vor Tuberkulose: An emotionalen Themen in Dresden mangelte es auch 2017 nicht. Oftmals drehte es sich um Bauwerke wie die Sanierung der Augustusbrücke oder die Hoffnung auf eine Wiederöffnung des Fernsehturms.

Vieles, was die Dresdner dieses Jahr beschäftigt hat, wird auch 2018 noch für Gesprächsstoff sorgen. Beginnt die lange angekündigte Sanierung des Hochhauses am Pirnaischen Platzes? Wird die Operette nach dem Wasserschaden pünktlich wieder öffnen können? Und welche Überraschungen wird es bei den Bauarbeiten auf der Augustusbrücke geben?

Die SZ zeigt, welche Themen die Stadtgesellschaft dieses Jahr besonders bewegt haben – und wie es mit ihnen weitergehen könnte.


15 000 Liter fluten die Operette


Foto: Sven Ellger

Aufgequollene Bühnenbretter, ein nasser Vorhang und kaputte Scheinwerfer: Nicht mal ein Jahr nach ihrem Umzug ins Kraftwerk Mitte musste die Staatsoperette im Oktober wieder schließen. Bei Wartungsarbeiten hatte ein Handwerker versehentlich die Sprinkleranlage ausgelöst. Rund 15 000 Liter Wasser fluteten die Bühne. Schaden: rund 3,5 Millionen Euro.

Zwar haben die Künstler im Dezember auf der schmalen Fläche vor dem Vorhang einen Notspielplan auf die Beine gestellt. Trotzdem mussten viele Vorstellungen abgesagt werden – und das in der Weihnachtszeit, in der das Theater sonst ausgebucht ist. Bis Januar werden die Bühnenbretter und die Scheinwerfer ausgetauscht. Im Februar will das Ensemble wieder die ganze Bühne bespielen.


Lichter aus im Bröckel-Haus


Foto: Tobias Wolf

Erst brannte es, dann fiel wochenlang die Heizung aus und zum Schluss wurden die Bewohner auch noch vor die Tür gesetzt: Für die Mieter des Hochhauses am Pirnaischen Platz hatte es dieses Jahr in sich. Wegen schweren Brandschutzmängeln hatte die Bauaufsicht untersagt, den 14-Geschosser weiter zu nutzen. Bis Ende Februar 2018 müssen alle Bewohner raus.

Zwar hat der neue Eigentümer, der das Haus im Sommer kaufte, eine umfassende Sanierung angekündigt. Wann es losgeht, ist aber unklar. Genauso, wie glaubhaft diese Pläne sind. Die Eigentumsstrukturen sind undurchsichtig. Das Architektur-Netzwerk Ostmodern fordert den Erhalt des Gebäudes aus den 1960er-Jahren, das exemplarisch für die Moderne steht.


Ein Jahr der Stars


Foto: Robert Michael

Elf Jahre hatte sich Ex-Take-That-Sänger Robbie Williams nicht in Dresden blicken lassen. Im Juni nahm er schließlich im DDV-Stadion das Mikro in die Hand und sang vor 22 000 Fans. Depeche Mode lockte sogar 50 000 Besucher in die Flutrinne und ließ halb Dresden mithören.


Baustart an Augustusbrücke


Foto: Sven Ellger

Im April konnte die Sanierung der maroden Augustusbrücke beginnen. Schon der Baustart hatte sich verzögert, da die Landesdirektion es nicht geschafft hatte, die Genehmigung rechtzeitig zu erteilen. Durch größeren Aufwand beim Abbruch gab es weitere Verzögerungen. Dennoch hofft die Stadt, den Bau 2019 abschließen zu können.


Kampf um den Fernsehturm


Foto: Robert Michael

Mag kommen, was wolle: Die Dresdner glauben fest an eine Wiederbelebung ihres Fernsehturms. Tatsächlich hätte der Traum in diesem Sommer platzen können. Stadt, Land und Telekom hatten eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, welche die Chancen einer Wiedereröffnung ausloten sollte. Das Ergebnis: Mindestens 15,5 Millionen Euro wären für die einfachste Variante nötig, heißt es. Diese sieht nur eine Wiederöffnung und ein Café vor.

Über 60 Millionen Euro würde es kosten, wenn man zusätzlich eine Seilbahn über die Elbe zum Fernsehturm spannen und ein Wissenschaftszentrum am Fuße errichten würde. Doch „zu teuer“ und „nicht machbar“ ließen weder der Fernsehturm-Verein noch viele Stadträte als Argumente gelten. Im November ist ein neuer Anlauf gestartet worden. Eine Gruppe wird bis Juni 2018 klären, unter welchen Bedingungen die Telekom bereit wäre, die Wachwitzer Nadel öffentlich zugänglich zu machen, und was das alles kosten würde.


Türen auf im Kulti


Foto: Christian Juppe

Fünf Jahre blieb den Dresdnern der Zutritt zum Kulturpalast verwehrt. Die Fassaden verschwanden hinter Planen und Baucontainern. Ende April konnte das Konzerthaus nach aufwendigem Umbau endlich wiedereröffnet werden. Herzstück ist der neue Saal für die Dresdner Philharmonie mit 1 785 Plätzen. Neue Mieter sind auch die Herkuleskeule und die Zentralbibliothek. Die endgültigen Kosten sind noch unklar. Durch Nachträge sind diese bereits von ursprünglich 81,5 auf rund 100 Millionen Euro gestiegen.


Angst vor Tuberkulose


Foto: Sven Ellger

Viele Jahrhunderte galt die Schwindsucht als die Krankheit der Armen. Sie forderte Millionen Todesopfer. In Deutschland spielte sie ab dem 20. Jahrhundert kaum noch eine Rolle, dank Impfstoff und Antibiotika. Heutzutage treten in Dresden nur noch um die 40 Tuberkulose-Infektionen pro Jahr auf, zugezogen meist irgendwo im Ausland. Umso mehr wird das Jahr 2017 den Schülern, Lehrern und Eltern der Leubener Hoga-Schule im Gedächtnis bleiben.

Von den knapp 1 000 Menschen, die dort lernen und lehren, hatten sich bis Dezember 54 mit dem Bakterium infiziert, wie das Gesundheitsamt nach tagelangen Massen-Bluttests an der Einrichtung herausfand. Im September hatte ein Schüler den Erreger womöglich eingeschleppt. Bei fünf Infizierten brach die Krankheit bisher aus. Bei Tuberkulose kann die Lunge stark angegriffen werden. Kaum aushaltbare Hustenanfälle gehören zu den Symptomen. Bis in den Januar 2018 hinein wollen die Behörden weiter testen, vor allem Personen aus dem Umfeld der Erkrankten.


Zorn gegen Busse


Foto: Oliver Killig

Darf vor der Frauenkirche Kriegsopfern gedacht werden, die nicht 1945 ums Leben kamen? Mit dieser Frage provozierte der Künstler Manaf Halbouni.

Drei Busse ließ er hochkant auf den Neumarkt stellen – ein Mahnmal für die Kriege in Syrien und aller Welt. Eine Erinnerung an die aus Bussen errichtete Barrikade, mit der man sich im syrischen Aleppo vor Scharfschützen retten wollte.Über 100 Menschen riefen „Volksverräter“, als das Werk im Februar vorgestellt wurde.

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