• Einstellungen
Freitag, 29.12.2017

„Wasser ist ein wunderbarer Kleber“

Die Eiswelt Dresden ist sein neuestes Projekt: Seit 15 Jahren schafft Martin de Zoete Skulpturen aus Eis. Wie macht er das?

Bild 1 von 2

 Oliver Hartmann (l.) und Martin de Zoete können mit Kettensägen besonders gut umgehen. Sie haben die Eiswelt Dresden künstlerisch entwickelt.
Oliver Hartmann (l.) und Martin de Zoete können mit Kettensägen besonders gut umgehen. Sie haben die Eiswelt Dresden künstlerisch entwickelt.

© Rene Meinig

Ein Blick unter die Frauenkirchen-Kuppel in der Eiswelt Dresden.
Ein Blick unter die Frauenkirchen-Kuppel in der Eiswelt Dresden.

© Th. Kretschel,

Eigentlich ist Martin de Zoete Architekt. Doch statt Gebäude zu planen, baut er sie lieber mit den eigenen Händen. Zunächst hobbymäßig aus Sand, mittlerweile professionell aus Eis. Die Sächsische Zeitung hat den künstlerischen Leiter der Eiswelt Dresden und seinen Projektleiter Oliver Hartmann in der Ausstellung in der Zeitenströmung getroffen.

Herr de Zoete, in Ihrer aktuellen Ausstellung mischen Sie spezielle Dresdner Themen mit dem Winter. Wie ist diese Auswahl entstanden?

De Zoete: In Mitteldeutschland gibt es ja keinen richtigen Winter. Deshalb wollten wir für die Dresdner eine Winterwelt schaffen. Und wenn man in einer Stadt wie Dresden ist, kann man die Frauenkirche, den Fürstenzug oder auch das Blaue Wunder nicht ignorieren. Es gibt viele Sachen, die in Dresden Kultur haben. Ich habe dann einfach die Wichtigsten ausgewählt. Es könnte aber sein, dass wir nächstes Jahr die Semperoper groß bauen, den Goldenen Reiter oder die Frauenkirche als Relief.

Hartmann: Als ich Martin gesagt habe, dass wir als Nächstes nach Dresden gehen, hat er sofort gesagt: „Dann bauen wir die Frauenkirche aus Eis.“ Da hatten wir noch nicht mal über das Thema gesprochen. (lacht)

Nach welchen Vorlagen haben die Künstler gearbeitet?

De Zoete: Im Prozess macht man zunächst einen Entwurf und sucht gleichzeitig Bilder dazu. Einen Weihnachtsbaum kennen wir natürlich alle, aber den Eingang zum Striezelmarkt haben wir uns als Bild aus dem Internet heruntergeladen. In der ersten Woche hier haben wir mit der ganzen Truppe einen Abend lang eine Tour mit einer Stadtführerin gemacht, um zu zeigen, was Dresden an Bauwerken alles bietet.

Hartmann: Viele waren sehr beeindruckt, gerade die Amerikaner. Weil man dort nichts mehr aus dieser Zeit findet. Spannend war, dass die Künstler oft auch vor kleinen Skulpturen stehengeblieben sind, die der normale Tourist so intensiv oft gar nicht betrachtet.

Wieso fasziniert Sie die Frauenkirche so? Sie geben ihr in der Ausstellung viel Raum.

De Zoete: Vor neun Jahren habe ich die Frauenkirche aus Sand gebaut. Damals stand ein Pärchen vor mir, das mir mit Tränen in den Augen die Geschichte der Kirche erzählt hat. Da liefen mir auch die Tränen über die Wangen. Aber jetzt finde ich es cool, wenn ich in die Ausstellung laufe und alle Besucher stehen dort still, machen Fotos und sind begeistert davon. Ich wollte auch unbedingt, dass man durch sie hindurchgehen kann.

Die Besucher können auch das Blaue Wunder runterrutschen oder in einer Kutsche sitzen...

Hartmann: Ja, wir haben eine sehr breite Zielgruppe: von 2 bis 99 Jahren. Man muss auch kein Kunstexperte sein, um die Schneeskulpturen schön zu finden. Es gibt einen Thron – auf dem können sich die Väter auch mal wie ein König fühlen. Und wenn die Kinder Skianzüge anhaben, können sie rutschen. Warme Kleidung ist auf jeden Fall zu empfehlen, weil wir minus acht Grad in der Halle haben. Die meisten Besucher gehen aber eine Runde, fotografieren wie wild, wärmen sich in der Vorhalle auf und gehen dann noch einmal ganz in Ruhe durch die Ausstellung.

Die Skulpturen sind sehr detailliert. Wie aufwendig ist deren Entstehung?

De Zoete: Wir haben 500 Eisblöcke verarbeitet. Das sind 200 Tonnen, die mit dem Lkw aus Lettland, Belgien und Frankreich angeliefert wurden. Dazu haben wir noch 200 Tonnen Schnee benötigt. Die Blöcke kann man wie Lego aufeinanderstecken. Und Wasser ist ein wunderbarer Kleber. Bei minus 1 bis minus 4 Grad ist Eis selbst sehr klebrig, ab minus 7 Grad wird es leichter zu verarbeiten. Unsere Künstler bearbeiten die Blöcke grob mit Kettensägen, später mit dem Meißel. Aber dazu braucht man viel Kraft.

Was ab ist, ist ab, sagt man. Ging bei den Arbeiten auch mal was schief?

Hartmann: Eine neue Nase kann man wirklich nicht mehr dranbasteln. Aber das ist auch nicht passiert. Der Snowboarder hatte aber zwei rechte Hände. Die eine musste noch einmal neugemacht und mit Wasser angeklebt werden. Ansonsten hat eigentlich alles funktioniert. Unsere 25 Künstler sind fast alle gelernte Bildhauer.

Sie arbeiten in der Ausstellung auch viel mit farbigem Licht? Wieso ist es so ein wichtiges Element?

De Zoete: Wenn ich nur einen Block Eis habe, sehe ich die Feinheiten nicht. Es braucht Licht, um die Skulptur mit ihren Facetten sichtbar zu machen. Die Skulpturen sollen auch so detailreich wie möglich dargestellt sein. Das Blaue Wunder haben wir thematisch passend mit blauem Licht inszeniert, den Grinch mit grünem.

Die Fragen stellte Juliane Richter.

Geöffnet ist bis 25. Februar täglich von 10 bis 18 Uhr. Zeitenströmung Dresden (Halle 12), Königsbrücker Straße 96; Eintrittspreise: 13,50 Euro/Erwachsene, 12,50 Euro/erm., 9,50 Euro Kinder (4 bis 14 J.).

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.