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Dienstag, 21.03.2017

Was wird mit der Questenbergschule?

Sanierung und Erweiterung, oder Verlegung ins Tal? Eltern und Lehrer werden nicht gefragt.

Von Udo Lemke

Traumhafter Standort für eine Schule – stehenlassen –, sagen die einen. Traumhafter Standort für neue Einfamilienhäuser – abreißen –, meinen die anderen...
Traumhafter Standort für eine Schule – stehenlassen –, sagen die einen. Traumhafter Standort für neue Einfamilienhäuser – abreißen –, meinen die anderen...

© Claudia Hübschmann

Meißen. Für Henryk Hambsch ist die Sache klar: „Wir wollen eine Lanze für den jetzigen Standort der Questenbergschule brechen“, erklärte er kürzlich beim Stadtteilgespräch Triebischtal mit Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) und Mitgliedern der Stadtverwaltung. Und Henryk Hambsch, der eigentlich Direktor der Afra-Grundschule ist, die Questenbergschule derzeit aber kommissarisch leitet, lieferte auch die Begründung für seine Meinung.

„Es ist ein traumhafter Standort für eine Schule, den heute niemand mehr ins Auge fassen würde. Dort sind die Luft- und Lichtverhältnisse für die Kinder hervorragend, außerdem gibt es dort schon ein Schulgebäude, das umgebaut werden könnte“ und müsste. Denn auch Henryk Hambsch attestiert der Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Anlage „mittlerweile einen sehr hohen Sanierungsbedarf“. Den Vergleich hat der Schulleiter ja, ist doch seine Afra-Grundschule in den letzten Jahren aufwendig saniert worden, eine neue Sporthalle eingeschlossen.

Eine solche müsste es auch bei der Questenbergschule geben. Doch damit nicht genug. Das alte Schulgebäude und ein Anbau aus DDR-Zeiten müssten grundhaft erneuert bzw. abgerissen und neu errichtet werden. Von Kosten von rund 4,5 Millionen Euro dafür ist schon die Rede gewesen. Das Gros der Summe käme allerdings vom Freistaat, der Geld für Schulsanierungen vorhält.

Dass es so kommt, ist aber noch ziemlich ungewiss. Denn „es gibt die Möglichkeit einen ganz neuen Standort für die Schule aufzumachen“, erklärte OB Raschke während des Stadtteilgesprächs. Und: „Es sind noch zwei weitere Ausweichstandorte im Triebischtal möglich.“

Bauamtsleiter Steffen Wackwitz erklärte: „Am 29. März entscheidet der Stadtrat über den Schulstandort.“ In der Vorlage für die Sitzung ist als favorisierter Ausweichstandort das Gelände eines ehemaligen Autohauses zwischen der Höroldtstraße und dem Mühlweg angegeben. Die Gebäude könnten abgerissen bzw. umgebaut werden. Schräg gegenüber befinden sich schon der Kindergarten „Zwergenmühle“ und daneben die Sportplätze des SV Fortschritt Meißen West 1990.

Nicht nur die in die Jahre gekommene Bausubstanz der Questenbergschule macht eine grundsätzliche Entscheidung notwendig, sondern auch die Tatsache, dass die bisherige Zweizügigkeit der Schule wegen steigender Schülerzahlen nicht mehr ausreicht. „Am Schulstandort ist künftig die Unterrichtung und Betreuung von insgesamt bis zu 336 Schülern in drei Zügen der Klassen 1 bis 4 vorgesehen“, heißt es denn auch in der Vorlage. Was das ehemalige Fahrzeughaus betrifft, so erklärte der Oberbürgermeister beim Stadtteilgespräch, „die Stadt will die Gebäude erwerben, aber derzeit laufen noch Untersuchungen zur Kontaminierung des Geländes.“

Kritik gibt es im Vorfeld der Stadtratsentscheidung darüber, dass die Betroffenen – Eltern und Lehrer – nicht nach ihrer Meinung gefragt worden sind. „Bislang hat sich noch kein Mitglied des Bauausschusses mit denen, die in der Schule arbeiten, unterhalten“, erklärte Henryk Hambsch. CDU-Stadtrat Jörg Schlechte sieht ebenfalls Nachholbedarf: „Man müsste die betroffenen Eltern viel mehr einbeziehen. Die Stadtverwaltung macht alles im stillen Kämmerlein und wundert sich, wenn sich die Leute hinterher aufregen.“

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