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Mittwoch, 16.05.2018

Was wird aus den Kleingärten in Weißwasser?

Der Regionalverband freut sich über geringen Leerstand. Die Stadt aber sagt, man stehe vor großen Herausforderungen.

Von Christian Köhler

In diesem Gebäude an der Lausitzer Straße befindet sich ab Juni die Geschäftsstelle des Regionalverbandes sächsischer Kleingärten in Weißwasser. Die Geschäftsstelle ist über die Gartenzeit hinweg immer dienstags ab 17 Uhr besetzt.
In diesem Gebäude an der Lausitzer Straße befindet sich ab Juni die Geschäftsstelle des Regionalverbandes sächsischer Kleingärten in Weißwasser. Die Geschäftsstelle ist über die Gartenzeit hinweg immer dienstags ab 17 Uhr besetzt.

© Joachim Rehle

Weißwasser ist eine Stadt für Kleingärtner. Wo in Großstädten manche jahrelang auf ihre Gärten warten, gibt es sie in Weißwasser in Hülle und Fülle. Allein über den hiesigen Regionalverband sind 58 Gartenvereine organisiert. Nicht nur in Weißwasser, sondern auch in Krauschwitz (2), Bad Muskau (3), Weißkeißel (2), Gablenz (1), Boxberg (3) und Rietschen (1). „Wir haben kaum Leerstand“, berichtet Regionalverbandsvorsitzender Werner Deutschmann. Von den etwa 1 800 Parzellen seien Anfang des Jahres gerade einmal 29 nicht besetzt gewesen. Und nun zum Frühjahr, so erzählt Gerd Walter vom Regionalverband, seien einige bereits wieder an neue Eigner verpachtet.

Stadt sieht großen Handlungsbedarf

Während der Einwohnerversammlung im April sah Bauamtschef Thomas Böse trotz der vom Verband geschilderten Lage große Probleme. Schließlich hat die Stadt seit 1990 mehr als die Hälfte ihrer Einwohner verloren. Bis heute sind von den ursprünglich 2 000 Kleingärten aber noch 1 600 übrig. „Und das ist völlig überdimensioniert“, konstatiert Thomas Böse. Auch wenn der Leerstand derzeit gering ist, sei der Altersdurchschnitt der Kleingärtner besorgniserregend: „Wir haben zwei Sparten, in denen über die Hälfte der Eigner über 60 Jahre alt ist, 16 Prozent sind sogar über 80 Jahre alt“, erklärt der Bauamtsleiter. Auch Werner Deutschmann berichtet, dass das Durchschnittsalter der Kleingärtner bei etwa 60 Jahren liege. „Das ist dramatisch, was uns da erwartet“, so Thomas Böse mit Blick auf den künftigen Leerstand.

2016 hat deshalb die Stadtverwaltung mit dem Regionalverband vereinbart, dass dieser ein Konzept für die Zukunft der Gärten erarbeitet. Die Stadt ihrerseits, wie Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) bestätigt, hat 2017 sämtliche Gärten im Stadtgebiet erfasst und vermessen. Im Laufe der Jahre hätten sich nämlich Zuschnitte verändert; Parzellen seien zusammengelegt, verkleinert und vergrößert worden. Und nicht alle Kleingärten stehen auf städtischem Boden. Nach der Wende sind einige der etwa 470 000 Quadratmeter Gartenfläche der Stadt an private Eigner übergegangen, die nun wiederum ihr Land an Kleingärtner verpachten. „Wir haben ein Konzept und einen Vorschlag gemacht“, sagt Gerd Walter, „aber bis heute haben wir von der Stadt nichts in der Angelegenheit gehört.“ Er gehe davon aus, dass ein Konzept für die Zukunft der Weißwasseraner Kleingärten frühestens Ende des Jahres stehe. „Wir sind bereit, mit der Stadtverwaltung zu sprechen, wenn sie so weit ist“, sagt Deutschmann.

Das Konzept des hiesigen Regionalverbandes orientiert sich an Plänen, die bereits in anderen Städten umgesetzt werden, etwa in Glauchau oder in Crimmitschau, heißt es vom Regionalverband. Beispielsweise werden in Crimmitschau ungenutzte Gärten in den Sparten mit anderen Gärten zusammengelegt; einige andere werden zu Frei- und Erholungsflächen oder Spielplätzen. Auch würde die Schaffung von neuen Hauptwegen oder Parkplätzen brachliegendes Gartenland beseitigen. Um einen Rückbau werde man in Zukunft aber dennoch nicht herumkommen, heißt es in dem Entwicklungsplan für Gartenanlagen in Crimmitschau.

Noch kein Plan für Weißwasser

Und in Weißwasser? Hier steht ebenso die Frage, was mit einer Sparte passiert, die beispielsweise 60 Parzellen hat, wovon eines Tages vielleicht 40 leer stehen. „Und wir wollen nicht, dass jemand seinen Garten abgeben muss, den er schon seit Jahrzehnten bewirtschaftet“, sagt Werner Deutschmann. Man müsse deshalb vorausschauend agieren, sich eng mit der Stadtverwaltung und den Gartenvereinen abstimmen. In Crimmitschau etwa wurde vorgeschlagen, keine komplette Sparte in einem Schritt aufzulösen, sondern diese in mehreren Stufen schrumpfen zu lassen, leer stehende Flächen aufzuforsten oder einige ehemalige Gärten landwirtschaftlich zu nutzen. Das erfordert jedoch Zeit und sicher auch Geld.

Neues Domizil für Regionalverband
Nach einem Wasserschaden im ehemaligen Farmerhaus (VKSK) am Brentanoweg in Weißwasser ist das Gebäude nicht mehr nutzbar. Der Regionalverband hatte es seit der Wende von der Stadt gepachtet. „Und wir werden es Ende dieses Jahres wieder an sie zurückgeben“, erklärt Werner Deutschmann. Die Reparaturkosten und der Neubau der Leitungen zum Gebäude seien für den Verband viel zu hoch, hieß es als Begründung. „Wir haben auch sämtliche Veranstaltungen wie die Exotenschau oder die Rassekaninchenschau für das Jahr 2018 abgesagt“, so Gerd Walter. Derzeit läuft der Umzug in die Lausitzer Straße.

Aus städtischer Sicht, so erklärt Thomas Böse am Dienstag, stellen sich viele Fragen: Zum einen habe der Verband ein Flurstück gekauft, ein anderes gepachtet. „Das Flurstück verläuft genau durch das Gebäude“, so Böse. Wird der Pachtvertrag also aufgelöst, wird zu klären sein, was mit dem Haus wird. Zudem haben wegen des Wasserschadens einige Gärten kein Wasser mehr. „Das ist Sache des Verbandes“, sagt Böse, „die Stadt hat da keinen Einfluss.“