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Samstag, 11.11.2017

Was wird aus dem Königsufer?

In der Bürgerwerkstatt können Dresdner bei der Gestaltung der Stadt mitreden. Nur einig sind sie sich natürlich nicht.

Von Kay Haufe

Mitarbeiter der Verwaltung, Planer, Architekten, Anwohner und weitere Interessierte an einem Tisch: Sie äußern ihre Wünsche für Königsufer und Neumarkt.
Mitarbeiter der Verwaltung, Planer, Architekten, Anwohner und weitere Interessierte an einem Tisch: Sie äußern ihre Wünsche für Königsufer und Neumarkt.

© Christian Juppe

Das Interesse ist riesig. Über 130 Dresdner haben sich für die erste Bürgerwerkstatt zur Neugestaltung von Königsufer und Neustädter Markt angemeldet. Am Donnerstagabend sitzen sie in Gruppen in der Dreikönigskirche zusammen und sprechen über ihre Wünsche, wie diese zwei wichtigen Stadtplätze künftig gestaltet werden sollen. Die Stimmung ist gut, die Mischung perfekt: Ältere und junge Menschen diskutieren, Anwohner äußern ihre Sorgen, erstaunlich viele Architekten im Publikum bringen ihre Sicht ein. Viele Ideen kommen dabei zusammen. „Jetzt werden sie ausgewertet und die am meisten angesprochenen Themen in die Aufgabenstellung aufgenommen“, sagt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Was sind die Knackpunkte?

Die Plattenbauten: Viele Wohnungen am Neustädter Markt erhalten

Das Gesicht des Neustädter Marktes ist von den Plattenbauten geprägt, die dort bogenförmig angeordnet sind und vor denen sich rechts und links Plätze erstrecken. Planungen der Stadt sehen vor, dass es auf beiden Seiten Durchbrüche geben soll, damit es im westlichen Teil eine bessere Verbindung zum Barockviertel gibt. Auf östlicher Seite blickt man zwar nur auf den großen Innenhof samt Kindergarten, doch auch dieser Durchbruch soll entstehen. Viele Teilnehmer der Bürgerwerkstatt lehnen dies ab und fordern, die Wohnungen zu erhalten. Jessica Dauth wohnt selbst in einem der Blöcke. „Ich habe zwar oft braunes Wasser aus der Leitung und die Sicherungen fliegen ständig raus, aber ich kann mir keine teure Wohnung leisten“, sagt die 28-Jährige. Zumal ihr Blick auf die Altstadtsilhouette einmalig sei. „Ein Abriss wäre eine Katastrophe für uns Mieter“, sagt sie. Stattdessen solle der Eigentümer Vonovia lieber teilsanieren und die grauen Fassaden schöner gestalten. Doch der plant jetzt schon einen Architekturwettbewerb, wie die Durchbrüche gestaltet werden könnten.

Die Freiflächen: Plätze pflegen und Brunnen sanieren

Geradezu lieblos gingen Vermieter Vonovia und Stadt mit den beiden Plätzen am Neustädter Markt um, war die Einschätzung vieler Bürger. Einer der Brunnen sei außer Betrieb, gepflegt würden die Grünanlagen kaum. Dabei hielten sich vor allem im Sommer hier viele Menschen auf. Hier müsse dringend etwas zur Verbesserung getan werden.

Die Magistrale: Verkehr zerschneidet den Platz

Heiß diskutiert wurde über die Große Meißner Straße, die den Platz vierspurig zerschneidet. Fußgänger, die eigentlich auf einer Achse vom Hauptbahnhof bis zum Albertplatz gut vorwärtskommen, werden hier ausgebremst. Stattdessen prägt Autoverkehr das Bild. Es gab Ideen, die Straße auf zwei Spuren zu reduzieren, oder sogar einen Tunnel bis zum Japanischen Palais zu bauen, um den Neustädter Markt autofrei zu gestalten. „Hier sollte der Fußgänger König sein“, sagt ein Gast.

Das Königsufer: Es soll weiter Erholungs- und Freizeitort bleiben

Soll das Königsufer überhaupt bebaut werden? Derzeit wird es als grüne Oase wahrgenommen, an dem sich jeden Tag Hunderte im Sommer aufhalten. Kämen Häuser östlich des Blockhauses dazu, würden sie den Verkehrslärm auf den Neustädter Markt zurückwerfen, die Frischluftzufuhr wäre eingeschränkt. Stattdessen könnte man den jetzigen Parkplatz als nicht kommerzielle Sport- und Freizeitanlage umgestalten, war ein Vorschlag. Andere wollten dort lieber Gebäude sehen, in denen Räume für Kunst und Kultur entstehen, die öffentlich nutzbar sind. „Eine Wohnnutzung wäre dort zu trivial und würde sofort Konflikte mit den Filmnächten und dem Biergarten nach sich ziehen“, sagt Architekt Jörg Rudloff. Einigkeit herrschte, dass das Ufer zur Elbe durchlässig bleiben muss.

Die nächsten Schritte: Weitere Bürgerbeteiligung

Wenn die Aufgabenstellung für den Wettbewerb formuliert und vom Stadtrat beschlossen ist, wird der Wettbewerb gestartet. Die Stadt hofft, dass sich möglichst viele Büros beteiligen. Dann werden alle Entwürfe öffentlich ausgestellt und Bürger können dazu ihre Notizen anbringen, was sie gut und schlecht finden. Im Anschluss wählt eine Jury, in der auch zwei Bürger sitzen werden, die besten acht bis zehn Arbeiten aus. Ein zweiter Bürgerworkshop soll das Konzept vertiefen. Danach gibt es erneut eine Ausstellung mit den nächsten Entwürfen und der Möglichkeit, seine Sicht darauf kundzutun, bevor der Siegerentwurf gekürt wird. Danach wird ein Bebauungsplan erarbeitet. Die Beteiligungsphase soll ein Jahr dauern.

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