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Samstag, 30.12.2017 Jahresrückblick 2017

Was uns dieses Jahr noch bewegt hat

Die Mandaukaserne schien fast gerettet, nun ist wieder alles offen. Klar sind dagegen die Umstände eines Familiendramas. Ein Blick zurück auf 2017

Thomas Göttsberger aus Ostritz hat die Mandaukaserne gekauft. Wie es nach dem monatelangen Kampf um die Sanierung weitergeht, ist unklar.
Thomas Göttsberger aus Ostritz hat die Mandaukaserne gekauft. Wie es nach dem monatelangen Kampf um die Sanierung weitergeht, ist unklar.

© Matthias Weber

Es hätte 2017 noch viel mehr für die Mandaukaserne geschehen können. Nicht, dass sich Besitzer Thomas Göttsberger sowie seine Denkmalschutz-Freunde und Helfer nicht genügend Mühe um den Erhalt und die Notsicherung des Militär-Denkmals geben würden. Aber um ein Haar hätte es sogar zu Sanierung und Wiederbelebung kommen können: Ziemlich überraschend hatte die Stadt rund vier Millionen Euro für das marode Gebäude am Martin-Wehner-Platz in Aussicht gestellt bekommen. Ihre Bewerbung mit der Mandaukaserne um Geld aus dem bundesweiten Fördermittelprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ – an dem sich nur Kommunen, aber keine Privatleute beteiligen dürfen – war in Berlin auf offene Ohren gestoßen. Nur reichlich 20 Vorhaben in ganz Deutschland waren ausgewählt worden, darunter ein Dokumentationszentrum für das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und die Planung für einen Tunnel unter dem Englischen Garten in München. Aus Sachsen hatte es überhaupt nur die Mandaukaserne auf die Liste geschafft. Doch dann begann der Streit um die Umsetzung. Einer der Hauptgründe für die Auseinandersetzung war die zentrale Forderung des Besitzers, dass mindestens 80 Prozent der Gebäudesubstanz erhalten bleiben müssen. In der Stadtverwaltung, die gemeinsam mit einem Projektpartner die Konzeptskizze für die Bewerbung erarbeitet und so die Aufnahme in das Förderprogramm erst möglich gemacht hatte, schüttelte man darüber den Kopf. Ihre Fachleute sind der Überzeugung, dass sich kaum Mieter oder Nutzer für die Mandaukaserne finden oder sich das Projekt zumindest nicht refinanziert, wenn die vor 150 Jahren erdachte Kubatur und die damals genutzten Materialen wieder verwendet werden müssen. Ganz zu schweigen von heutigen Anforderungen an den Brandschutz und anderen Vorgaben. Und so standen sich Göttsberger als Besitzer und die Stadt, der die Millionen in Aussicht gestellt worden waren, in einer Art Patt-Situation gegenüber. Göttsberger hätte die Millionen gern zur Rettung eingesetzt. Die Stadt ist der Meinung, dass die über 20 Millionen Euro-Wiederbelebung eine Nummer zu groß für den Ostritzer ist und wollte sie mit ihren Projekt-Partnern umsetzen. Der Besitzer durfte dennoch den Stadträten seine Pläne vorstellen – die ihnen entschieden zu unausgereift waren. Da nützte es auch nichts, dass Göttsberger beteuerte, dass aufgrund des Verfahrensstandes noch niemand konkretere Pläne hätte vorlegen können. Am Ende hätte er die Mandaukaserne sogar an die Stadt und ihre Partner verkauft – wenn seine zentrale Forderung erfüllt worden wäre. Doch dazu kam es nicht. Der Stadtrat hob den Antrag auf die Millionenförderung im September auf. Für die Mehrheit der Räte überwogen die Risiken die Chancen. Wie es nun weitergeht, ist offen. Besitzer Göttsberger möchte sich derzeit nicht zur Mandaukaserne äußern.

Was uns dieses Jahr bewegt hat - Teil 2

Was uns im abgelaufenen Jahr außerdem bewegt hat, erfahren Sie in unserer Bildergalerie.

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