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Freitag, 29.12.2017 Jahresrückblick 2017

Was uns dieses Jahr bewegt hat

Die 60-jährigen Bäume am Wettiner Platz konnten nicht mehr gerettet werden. Eine alte Villa dafür schon: Ein Blick zurück auf 2017.

Von Romy Altmann-Kühr

Was uns bewegt hat

Anwohner Reinhard Keßner fotografierte den baumlosen Wettiner Platz in Löbau im vorigen Winter.
Anwohner Reinhard Keßner fotografierte den baumlosen Wettiner Platz in Löbau im vorigen Winter.

© privat

Löbau. Sieht gut aus. Danke an die Steinmetze“, schreibt ein Nutzer auf der Facebook-Seite der SZ zu einem Artikel über den neuen Brunnen am Wettiner Platz. „Sieht doch auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus“, schreibt ein anderer. Jetzt, zu Jahresende, scheinen die Löbauer ganz zufrieden zu sein mit den ersten Ergebnissen der Umgestaltung am Wettiner Platz. Begonnen hat die Geschichte aber ganz anders: Ein Aufschrei ging durch Löbau, als Anfang Februar Arbeiter mit Kettensägen im Zentrum anrückten und die alten Bäume am Wettiner Platz fällten. Das hatte zwar einen durchaus erfreulichen Hintergrund – die geplante Sanierung des Platzes samt dem maroden Brunnen. Darauf hatten die Löbauer lange gedrängt. Dennoch sorgte der Vorstoß der Stadt am Jahresanfang für großen Ärger. Denn mehrere rund 60 Jahre alte Bäume mussten dem Bauvorhaben weichen. „Stolz kann man auf Löbau nicht mehr sein“, schrieb beispielsweise eine Löbauerin an die SZ-Redaktion. Ein Künstler startete eine Aktion für die gefällten Bäume. Die Grünen mischten sich ein und forderten Aufklärung zu dem Vorgehen.

Was uns bewegt hat

Was die Menschen in Löbau vor allem erboste, war die Tatsache, dass die Stadt vorab nicht informiert hatte. Diesen Vorwurf wies das Rathaus von sich. Die Pläne für den Wettiner Platz hätten öffentlich ausgelegen. Wenn niemand davon Gebrauch macht, sie einzusehen, sei das nicht die Schuld der Stadt, so Oberbürgermeister Dietmar Buchholz. Doch selbst Stadträte wurden von der Abholz-Aktion überrascht. Die Aktion hatte aber sogar den Segen der Denkmalschutzbehörde. Die Stadt führte weitere Argumente für den Kahlschlag an. So sollte der Wettiner Platz nach historischem Vorbild erneuert werden. Und auf den alten Abbildungen sind nur kleinere Sträucher, aber nicht so große Bäume zu sehen. Außerdem: Im Schutz der Bäume verrichteten oft Männer ihre Notdurft. Die Stadt hofft, mit der Neugestaltung auch dieses Problems Herr zu werden.

Dem Abholzen folgte eine längere Phase des Wartens bis endlich etwas passierte am Wettiner Platz. Im Frühling begannen die Bauarbeiten. Wieder öffentliches Aufsehen erregte der Platz dann im Herbst, als ein großes Zelt die Baustelle verhüllte. Es diente als Schutz vor Wettereinflüssen, damit die Arbeiter drinnen den neuen Brunnen aus Lausitzer Granit installieren konnten. Er ist aus mehreren tonnenschweren Teilen zusammengesetzt und besteht aus Lausitzer Granit. Das Ziel, dass der Brunnen zum Tag der Sachsen Anfang September fertig ist und wieder sprudelt, ist aber nicht erreicht worden. Es gab Lieferschwierigkeiten bei den Brunnenteilen. So wird sich die erste Wasserprobe nun auf das nächste Jahr verschieben. Jetzt ist erst einmal Winterpause.

Dennoch ist der schicke Granitbrunnen nach historischem Vorbild jetzt am Jahresende fertig. Ein paar kleine Sträucher sind auch schon gepflanzt. Im Frühjahr soll es laut der Stadtverwaltung mit der Begrünung weitergehen. Und dann soll auch die Technik installiert werden, die den Brunnen nach vielen Jahren, die er brach lag, wieder zum Sprudeln bringen soll.

Was uns in diesem Jahr noch bewegt hat, lesen Sie in unserer Bildergalerie.

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