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Montag, 01.01.2018

Was tun ohne Kohle?

Noch buddeln die Bagger im Mitteldeutschen Revier und fördern Braunkohle. Doch wenn der Ausstieg kommt und die Bänder still stehen, will die Region gewappnet sein.

Der Tagebau Profen in Sachsen-Anhalt.
Der Tagebau Profen in Sachsen-Anhalt.

© dpa

Naumburg. Neue Jobs, bessere Verkehrsanbindung, Werbung für die Regionen: Neun Kommunen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wollen gemeinsam Projekte umsetzen, damit die Region für einen Ausstieg aus der Braunkohle gewappnet ist. Dafür stehen aus zwei Fördertöpfen von Bund und Ländern über die nächsten zehn Jahre mindestens 16 Millionen Euro bereit, wie der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich, der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Was das Wegbrechen eines ganzen Industriezweigs bedeuten kann, haben viele Menschen nach 1990 erlebt, als in vielen Regionen Massenarbeitslosigkeit herrschte. Bis heute gibt es in Ostdeutschland zahlreiche strukturschwache Gebiete. Ein Kohleausstieg bedeutet Ulrich zufolge für den Süden Sachsen-Anhalts und den Raum Leipzig den größten wirtschaftlichen Einschnitt seit der deutschen Einheit.

So hingen rund 6 000 Jobs an der Förderung des fossilen Brennstoffs: „Ziel muss es sein, einen Strukturwandel ohne soziale und wirtschaftliche Verwerfung zu generieren“, heißt es in einer Zweckvereinbarung der beteiligten Kommunen.

Neben den Landkreisen im Süden Sachsen-Anhalts, im angrenzenden Sachsen sowie den Städten Halle und Leipzig ist auch das Altenburger Land in Thüringen dabei. Sie alle grenzen an das Revier, in dem in zwei großen Tagebauen Braunkohle gefördert wird. Der Abbau ist nach Angaben der sachsen-anhaltischen Landesregierung bis 2035 gesichert.

Spätestens dann müssen neue Branchen angesiedelt oder ausgebaut, weitere Industriejobs geschaffen und die Verkehrsanbindung gesichert sein, so die Vorstellung der Projektpartner. Der Burgenlandkreis denkt darüber nach, ein mitteldeutsches Innovationszentrum aufzubauen - für die in Sachsen-Anhalt stark wachsende Ernährungswirtschaft - oder für neue Recyclingmethoden.

Gutachter könnten untersuchen, ob die Elektrifizierung von Bahnstrecken etwa zwischen Leipzig, Zeitz und Gera die Möglichkeiten für Jobpendler verbessern könne, nannte Ulrich ein weiteres Beispiel. Aber es gehe auch um die künftige Energieversorgung und ein gemeinsames Werben für den Standort.

Mitte Januar soll der letzte Stadtrat grünes Licht geben und die gemeinsame Arbeit richtig losgehen. Der Burgenlandkreis koordiniere das Vorgehen, sagte Ulrich. Der Kreis werde in Sachen Strukturwandel im Mitteldeutschen Braunkohlerevier zentraler Ansprechpartner für Bund, Länder und EU sein und in enger Abstimmung mit den Partnern die eingeworbenen Fördermittel verwalten. Die sei mit Blick auf die anderen Kohleregionen in Deutschland ziemlich einmalig, sagte der Landrat weiter: „Wir werden jetzt näher zusammenrücken.“ (dpa)

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