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Sonntag, 31.12.2017

Was macht eigentlich...?

Fast jeden Tag erzählt die Sächsische Zeitung auf der Dresdner-Seite Geschichten von besonderen Menschen. Wie ging ihre Geschichte weiter? Die SZ verrät es – heute im zweiten Teil.

Von Nadja Laske und Henry Berndt

© Collage: SZ

Es sind Menschen, die helfen oder die Hilfe brauchen. Menschen, die verrückte Dinge tun oder die Helden des Alltags sind. Menschen, die ein ausgefallenes Hobby haben oder auf andere Weise besonders sind. Menschen, über die es sich zu berichten lohnt.

Deshalb gibt ihnen die SZ fast jeden Tag auf ihrer Dresdner-Seite im Lokalteil Raum für ihre Geschichten. Doch was ist seit den Berichten aus diesen Persönlichkeiten geworden? Wie ging ihre Geschichte weiter? Manche von ihnen haben wir in dieser Woche bereits in unserem Teil 1 vorgestellt. Heute folgt der zweite Teil:


Guter Engel Alenka
Von dem Guten, was ihr geschieht, gibt Alena Skalova anderen ab – mit ihrem Engagement für Heimkinder in Tschechien. Foto: Sven Ellger

Sie hat es wieder geschafft: Viele, viele Kinderaugen lässt Alena Skalova jedes Jahr leuchten. In ihrem Heimatort Usti nad Labem sammelt sie Geschenke für Mädchen und Jungen, die in einem Kinderheim leben und nicht von ihren Eltern beschenkt werden. Dafür befragt sie die Kleinen nach ihren Wünschen und veröffentlicht sie auf ihrer Facebookseite. Helfer kaufen und verpacken sie. „Insgesamt 187 Geschenke waren es in diesem Jahr“, sagt Alena, die liebevoll Alenka genannt wird. Das ist die Verkleinerungsform ihres Namens. Dabei leistet sie Großes. Schließlich kümmert sich die junge Tschechin um diese Berufung zum Weihnachtsengel neben ihrem aufregenden Job in Dresden und der täglichen Pendelei ins Nachbarland. Nach Deutschland gekommen war sie vor ein paar Jahren, weil sich hier besser Geld verdienen lässt. Zunächst arbeitete sie in einem Hotel und fand schließlich Anstellung als Bedienung im Schillergarten. Dort waren ihre Chefs dankbar, sie im Team zu haben. Doch dann erlebte Alena eine Entdeckung: Sabine Ludwig und Jörg Metzner vom Modeteam Dresden suchten eine Dolmetscherin für Veranstaltungen in Tschechien. Dabei trafen sie auf eine junge Frau, die nicht nur sprachlich weiterhelfen kann, sondern auch noch vom Fach ist. Alena tanzt seit ihrer Kindheit, jobbte als Model und arbeitete als Choreografin – für das Modeteam ein Volltreffer. Die Schillerplatzwirte gönnen Alena den Weg in die Modewelt. So ist sie nach anfänglicher Assistenz verantwortlich für eigene Shows und studiert mit Models Choreografien ein. In ihrer Heimat moderiert sie übrigens auch. Wenn ihr Deutsch perfekt sitzt, sagt sie, traut sie sich das auch hier zu. Auf jeden Fall hat Alena ihren Traumjob gefunden. (SZ/nl)


Lego-Abenteuer in Amerika
Sören Grochau und Michael Feindura (v.l.) lieben skurrile Lego-Szenen. Foto: Sven Ellger

Sie betreiben spielend Wissenschaft – und zwar die sogenannte Legographie. Das ist die Lehre von Lego, also von all den kleinen, bunten Plastikmännchen und ihrer Lebenswelt. Die setzen Sören Grochau und Michael Feindura mit viel Humor in Szene. Ihr Witz ist dabei nicht nur zum Kichern, sondern stimmt auch nachdenklich. Eine gewisse Kritik an Gesellschaft und Politik verkneifen sich die Freunde bei ihrer Arbeit nämlich nicht. Und inzwischen ist aus dem anfänglichen Hobby tatsächlich eine Art Arbeit geworden. Zwar haben Sören und Michael auch richtige Berufe als Erzieher und als Marketingfachmann. Doch ihr ruhiges Händchen für filigrane Lego-Szenarien und ihr Einfallsreichtum finden begeisterte Fans. Dazu braucht es natürlich auch Michael Feinduras professionelle Fotografie. Er hält die zum Teil skurrilen Abenteuer fest, die Legomännchen unter der Regie der beiden erleben. So entstehen großformatige Bilder, die erstmals im Mai im Comicladen Crosstopia in der Neustadt ausgestellt wurden. Inzwischen waren sie auch auf der Messe „Spielraum“ zu sehen und dekorieren nun die interaktive Spieleausstellung „Bunte Welt“ in der Zeitenströmung. Außerdem haben Sören und Michael einen heißen Draht nach Amerika. Im Auftrag einer Werbefirma, die für die Filmgesellschaft Warner Bros. Entertainment und die Produzenten des „Spiel des Lebens“ von Lego arbeitet, war die Fotokunst der Dresdner gefragt. (SZ/nl)


Das Zucker-Mädchen muss noch bangen
Auf dem Spielplatz an der Uniklinik turnt Florentine gern. Foto: Sven Ellger

Sie hat immer eine Schieferpappe voller Gummibärchen und Traubenzucker dabei. Für den Notfall. Jederzeit können Florentines Blutzuckerwerte in die Höhe schießen oder in den Keller fallen. Die Achtjährige hat Diabetes Typ I. Tag und Nacht trägt sie eine Pumpe an ihrer Hüfte, die sie mit dem lebensnotwendigen Insulin versorgt. Ihr Blutzuckerspiegel wird dabei ständig über einen Sensor-Faden gemessen, der in ihrem Oberarm steckt. Um die Pumpe richtig einstellen zu können, braucht Florentine die Hilfe eines Erwachsenen. In Schule saß deswegen lange Zeit immer eine Integrationshelferin in ihrer Nähe, die eingreifen konnte, wenn es nötig war. Seit diesem Schuljahr aber wollte die Krankenkasse die Kosten für die Integrationshelferin nicht mehr bezahlen. In den ersten drei Schulwochen setzte sich deswegen Florentines Mutter Manuela selbst mit in den Unterricht oder ließ ihre Tochter notgedrungen zu Hause. Manuela Kissig nahm sich einen Anwalt und zog vor Gericht. Das Sozialgericht Dresden entschied im Sommer, dass Florentine nur noch einige Stunden pro Woche Unterstützung bekommen soll. Dagegen legte die Familie Widerspruch ein. Nun muss das Landessozialgericht entscheiden. „Der Fall hängt in der Luft“, sagt Manuela Kissig. Zwar sei eine Zwischenlösung gefunden worden, bei der auch die Pflegedienststunden genutzt werden, „aber momentan hangeln wir uns von Monat zu Monat“. (SZ/hbe)


Der Hundetrainer coacht Menschen
Thorsten Fauser kommt vom Hund zurück auf den Menschen. Foto: Thorsten Fauser

Hunde sind doch irgendwie auch nur Menschen, findet Thorsten Fauser. Zumindest sollten aus seiner Sicht im sozialen Miteinander für beide ähnliche Regeln gelten. Hunde sollten daher nicht einfach Anhängsel sein, sondern Familienmitglieder, die selbst ihren festen Platz in der Sozialstruktur kennen. Der frühere Polizist Fauser, der zwischen seinen Wohnsitzen in Baden-Württemberg und Dresden pendelt, machte sich vor einigen Jahren als Hundetrainer selbstständig. Seitdem gibt er Einzelunterricht und schrieb ein Buch namens „Beziehung ohne Leine“. Hunde hat er in seinen Theorien immer nur als Beispiele gesehen, spricht lieber von Zöglingen. Ein großer Haustierfreund war der Tierschützer und Veganer sowieso noch nie. Vielleicht richtet er sein Augenmerk auch deshalb immer stärker auf die Menschen und ihre Entfremdung von der Natur. „Mein Buch bezüglich der menschlichen Sozialgemeinschaft habe ich noch immer im Feinschliff“, sagt er. Im ersten Quartal 2018 will er es seinem Verlag schicken. Schon jetzt biete Fauser neben seinem Hundetraining auch für Menschen Beziehungsberatung und Coaching für die Persönlichkeitsentwicklung an. „Ich selbst nenne es gerne auch Klärung, da sich die Menschen nicht selten in Sorgen verirren, bei denen sie die einzelnen Auslöser nicht mehr erkennen“, sagt er. (SZ/hbe)


Team-Sieger der Modellflug-WM
Lucas Günther hat seinen Kindheitstraum vom Fliegen zum Beruf und Hobby gemacht. Foto: Sven Ellger

Früher faltete Lucas Günther perfekte Papierflieger und raubte manch Lehrer so den letzten Nerv. Heute braucht er selbst starke Nerven, spätestens dann, wenn der nächste Wettkampf sein ganzes Können erfordert. Zwischen dem Spaß im Klassenzimmer und dem jüngsten großen Erfolg liegen rund 25 Jahre. Im August wurde Lucas bei der Modellflug-Weltmeisterschaft im tschechischen Jesenik Teamweltmeister. Damit setzte sich sein vierköpfiges Team gegen Teilnehmer aus 16 Nationen durch. Die Sächsische Zeitung hatte den Hobbypiloten zu einem letzten Training vor dem Ereignis auf die Kaditzer Elbwiesen begleitet. Um den Modellflieger aus Karbon mit einer Flügelspannweite von drei Metern und einem Gewicht von rund zwei Kilogramm möglichst perfekt zu manövrieren, braucht es jede Menge Erfahrung und Übung. Außerdem Wissen über Wind, Temperatur, Niederschlag und Luftströme. Beim Wettkampf mussten Lucas und seine Sportkollegen unter anderem Kehrtwenden zwischen Markierungen fliegen und auf definierten Strecken Höchstgeschwindigkeiten erreichen. Die liegen bei bis zu 200 Kilometern pro Stunde. In der Einzelwertung kam Lucas auf den zehnten Platz – bei 50 Konkurrenten ein schöner Erfolg. Auch in seinem Berufsleben ist Lucas Günther in luftiger Höhe unterwegs: Zusammen mit Geschäftspartnern betreibt er eine Drohnenflugschule, entwickelt und vertreibt die beliebten Mini-Flugroboter. Seit das neue Drohnenfluggesetz in Kraft getreten ist, steigt die Nachfrage nach den Lehrgängen stärker denn je. (SZ/nl)


Die Action-Frau und ihr Mini-Ich
Endlich hält Antje Strauch auch sich selbst als Action-Figuren in den Händen. Foto: Sven Ellger

Eigentlich wollte Antje Strauch ja nur ihren Liebling Richard Dean Anderson als „MacGyver“-Figur haben. Das war vor elf Jahren. Seitdem sind einige Actionfiguren dazugekommen. So 200 Stück. Die Glasvitrinen in ihrer Wohnung sind voll damit. Die 44-Jährige liebt es, ihre Figuren möglichst originalgetreu in Szene zu setzen und zu fotografieren – oder auch einfach mal ihren Mr. Spock in eine winzige Badewanne zu stecken. Nach einem SZ-Porträt im Frühjahr über sie erfüllte sie sich einen kleinen Traum und ließ sich selbst als Mini-Ich anfertigen. Bei 3D Your Body in Dresden musste sie dafür ihren Körper scannen lassen. Am Ende entstanden gleich zwei Figuren: eine im rot-weißen Sommerkleid und eine mit Fotoapparat – ideal für so manche Szene mit ihren geliebten Action-Figuren. Mal fotografiert sie Spiderman beim Stricken, mal wird sie selbst von Van Gogh gemalt. Außerdem nutzte sie ihre Freizeit, um sich mit kleinen Basteleien kreativ auszuleben. Für die „Star Trek“-Figuren baute sie aus Styropor und Pappe ein Bett für die Krankenstation. Für die „Gotham“-Figuren entstand aus Draht und Pappe ein rundes Geländer für die Polizeistation. „Und in neue Gefilde bin ich auch vorgedrungen und habe mir meine erste X-Men-Figur-gekauft“, sagt sie. „Den Wolverine, ein neues Prunkstück in meiner Sammlung.“ Auf Arbeit in einem Ingenieurbüro hat Antje Strauch inzwischen auch eine Kollegin mit ihrer Leidenschaft angesteckt. Schon mehrfach haben sie sich zum Spielen getroffen. „Sie sehen also, es wird nie langweilig!“ (SZ/hbe)

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