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Dienstag, 17.04.2018

Was kommt da auf Riesa zu?

Die Stadt richtet 2019 den Tag der Sachsen aus. Was hat er anderen Kommunen gebracht?

Vier Kilometer Länge, mehr als 3400Mitwirkende, 160Vereine: Das waren die Eckdaten beim großen Festumzug zum Tag der Sachsen 2010 in Oelsnitz. So ähnlich soll es im September 2019 in Riesa aussehen. Dann führt der Festzug wohl an der Arena vorbei Richtung Innenstadt. Womöglich ist auch wieder der Spielmannszug vom Radeberger Sportverein (Foto) dabei.
Vier Kilometer Länge, mehr als 3 400 Mitwirkende, 160 Vereine: Das waren die Eckdaten beim großen Festumzug zum Tag der Sachsen 2010 in Oelsnitz. So ähnlich soll es im September 2019 in Riesa aussehen. Dann führt der Festzug wohl an der Arena vorbei Richtung Innenstadt. Womöglich ist auch wieder der Spielmannszug vom Radeberger Sportverein (Foto) dabei.

© Hendrik Schmidt/dpa

Riesa. Drei Tage lang feiern und der gefühlte Mittelpunkt Sachsens sein – das verspricht die Ausrichtung des Tages der Sachsen. 2021, zum hundertsten Stadtjubiläum, will Freital erstmals Gastgeber der Feier sein. Nachdem die Pläne Anfang März bekannt gemacht wurden, wird nun an den Details der Bewerbung gearbeitet. Im Herbst 2018 soll der Freitaler Stadtrat einen Grundsatzbeschluss zur Bewerbung fällen. Die Ausschreibung folgt im Spätherbst 2018, Bewerbungsschluss ist der 31. Mai 2019. Eine Entscheidung zur Ausrichtung trifft das Kuratorium im Spätsommer 2019. Doch welche Erfahrungen haben andere Städte mit dem Tag der Sachsen gemacht? Welche Kosten hat er verursacht? Was ist von dem Fest geblieben? Und was würden die Städte nun Freital für den Tag der Sachsen raten? Die Sächsischen Zeitung hat dazu die sechs Städte befragt, die den Tag der Sachsen in den vergangenen sechs Jahren ausgerichtet haben. Sie berichten von großen Erfolgen und möglichen Fallstricken. (SZ/win)

Die Erfahrungen der anderen Städte

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Großenhain: Das gesamte Fest als Höhepunkt
Wie viele Besucher kamen 2014? 265000

Was hat das Fest gekostet? Insgesamt kostete das Fest 1,3 Millionen Euro, der Stadtzuschuss belief sich auf 302000 Euro, der Rest wurde zum Beispiel über Sponsoren, Zuschüsse und Zuweisung von Land und Kreis generiert.

Was waren die Höhepunkte des Festes? Die Stadt Großenhain möchte keinen Höhepunkt nennen. „Das gesamte Fest ist ein toller Höhepunkt“, heißt es.

Wo wurde vor dem Fest investiert? Investiert wurde in eine Oberschule und ein Feuerwehrgerätehaus. Die Oberschule wurde zum Fest als Notfallkrankenhaus umgerüstet und das Feuerwehr-Gerätehaus diente als Massenquartier.

Wie lautet das Fazit? „Wenn das Wetter drei Tage lang so toll wie in Großenhain ist, dann hat man zufriedene Gäste, Vereine, Institutionen, Händler, Gastronomen, Hilfskräfte, Sicherheitspersonal und zufriedene Organisatoren“, heißt es. Angeführt wird der hohe organisatorische Aufwand für Verkehrsorganisation und Sicherheit.

Der Tipp für Gastgeber? Das Fest den Gegebenheiten der Stadt anpassen und Vereine sowie Bürger einbinden.

Wurzen: Positive Stimmung in der Bevölkerung
Wie viele Besucher kamen 2015? 250000

Was hat das Fest gekostet? Das Gesamtbudget belief sich auf 1,2 Millionen Euro. 750 000 Euro kamen als Zuschuss des Landes. Aus eigener Tasche hat Wurzen etwas über 100000 Euro gezahlt.

Was waren die Höhepunkte des Festes? Die Bühnen, ein „Wunderland“ im Park und die Begeisterung der Besucher, teilt das Wurzener Rathaus mit. Zudem sei auch das Engagement der Vereine aus Wurzen und Umgebung sowie aus dem gesamten Freistaat ein Höhepunkt gewesen.

Wo wurde vor dem Fest investiert? Ein Platz in der Innenstadt wurde gestaltet.

Wie lautet das Fazit? Positiv bewerten die Wurzener das Medieninteresse überwiegend mit positiven Schlagzeilen, das Engagement und die positive Stimmung in der Bevölkerung. „Das Gefühl der Zusammengehörigkeit wird gestärkt.“ Es sei aber einfach sehr, sehr viel Arbeit – auch oder insbesondere für die Verwaltung.

Der Tipp für Gastgeber? Der Tag der Sachsen sei ein Fest, mit dem Menschen auf die jeweilige Ausrichterstadt neugierig gemacht werden sollen. Wichtig sei, ein tolles Team zusammenzustellen. Ein kompaktes Festgelände und eine positive Grundstimmung in Verwaltung, Stadtrat und in der Bevölkerung vereinfachen die Planung.

Freiberg: Höhepunkt der 850-Jahr-Feier
Wie viele Besucher kamen 2012? 470000

Was hat das Fest gekostet? 1,4 Millionen Euro, 858000 Euro wurden eingenommen, darunter 100000 Euro Zuschuss vom Landratsamt und 250000 Euro vom Freistaat. Darüber hinaus erhielt Freiberg 450000 Euro vom Freistaat für Investitionen.

Was waren die Höhepunkte des Festes? Der Festumzug, der größte in der Freiberger Geschichte. Insgesamt gab es 17 Bühnen und zwölf sogenannte Erlebniszentren sowie 20 Festmeilen. Der Tag der Sachsen war Teil der 850-Jahr-Feier Freibergs.

Wo wurde vor dem Fest investiert? Die Zuschüsse des Freistaats wurden für die Sanierung von drei Straßen genutzt.

Wie lautet das Fazit? „Sachsen war bei uns zu Gast und freute sich an dem Fest“, sagen die Freiberger. Vereine konnten sich zeigen, es brachte viel Medienpräsenz, gute Werbung, Investitionen, aber war für die Stadt auch ein großes Zusatzprojekt, das zusätzliches Personal brauchte.

Der Tipp für Gastgeber? Ein Thema finden, was zu Freital passt, sich nicht zu viel vom Freistaat reinreden lassen und die Bürger einbeziehen.

Schwarzenberg: Spürbarer Imagegewinn
Wie viele Besucher kamen 2013? 245000

Was hat das Fest gekostet? 1,6 Millionen Euro, die Einnahmen lagen bei 1,3 Millionen Euro. 700000 Euro davon kamen als Zuschuss vom Freistaat.

Was waren die Höhepunkte des Festes? Der Festumzug. 461 Vereine besuchten Schwarzenberg an diesem Wochenende, davon nahmen 168 am Festumzug teil. Fast 4000 Teilnehmer, 222 Fahrzeuge, 100 Tiere und ein Drache gingen auf die 3,4 Kilometer lange Tour durch das Festgebiet.

Wo wurde vor dem Fest investiert? Der Zuschuss des Freistaats wurde für den Bau einer Brücke mit Ausbau und Neugestaltung einer Kreuzung sowie für den Bau einer Fußgängerbrücke eingesetzt.

Wie lautet das Fazit? „Die Imageerhöhung war und ist spürbar“, teilen die Schwarzenberger mit. „Noch heute werben wir mit dem Slogan „Schwarzenberg – einfach sagenhaft“, der im Zuge des „Tages der Sachsen“ entwickelt wurde.

Der Tipp für Gastgeber? Partner, Unterstützer, Helfer und Bürger früh einbeziehen.

Löbau: Vielfalt als Höhepunkt
Wie viele Besucher kamen 2017? 250000

Was hat das Fest gekostet? 1,78 Millionen Euro. Rund 640000 Euro musste die Stadt selbst aufbringen.

Was waren die Höhepunkte des Festes? „Die Vielfältigkeit war der Höhepunkt“, sagen die Löbauer. „Und natürlich der Umzug mit 3000 Mitwirkenden.“

Wo wurde vor dem Fest investiert? Sanierung eines Platzes mit Brunnen und einer Stützmauer, neue Straßenbeleuchtung, Bau von Kreisverkehren.

Wie lautet das Fazit? Viel positive Resonanz und Zustimmung, aber der Nahverkehr stieß an Grenzen.

Der Tipp für Gastgeber? Auf Vielfalt beim Programm achten, gutes Verkehrs- und Sicherheitskonzept.

Limbach-Oberfrohna: Größeres Zusammengehörigkeitsgefühl
Wie viele Besucher kamen 2016? 300000

Was hat das Fest gekostet? Es standen Ausgaben von 2,1 Millionen Euro zu Buche, finanziert aus dem eigenen Haushalt. 900000 Euro wurden eingenommen – inklusive Fördermittel, Sponsoring, Spenden und Standgebühren.

Was waren die Höhepunkte des Festes? Der Festumzug am Sonntag und die Jubiläumsmeile mit den Ausrichtern des Tages der Sachsen der vergangenen 25 Jahre sowie ein Weltrekordversuch im Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen.

Wo wurde vor dem Fest investiert? Es wurden unter anderem zentrale Plätze saniert, Straßen hergerichtet und neue Fahrgastunterstände aufgestellt.

Wie lautet das Fazit? „Die Teilnahme war ein Riesen-Kraftakt für die Verwaltung, aber das Fest hat das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Stadt enorm gesteigert“, sagen die Limbach-Oberfrohnaer.

Der Tipp für Gastgeber? Rechtzeitig mit den Planungen beginnen, ein professionelles Sicherheitskonzept und eine gute Verkehrsplanung.

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