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Donnerstag, 15.02.2018

Was ist dran an den Nünchritzer Wolfssichtungen?

Ein Anwohner glaubt, das Tier auf seinem Wäscheplatz gesehen zu haben, andere beim Rohrwerk. Doch es gibt auch Skepsis.

Von Christoph Scharf

Das ist der Echte: Im Oktober 2017 ist dieser Wolf in der Gohrischheide in eine Fotofalle getappt. Von dort bis nach Nünchritz wären es zu Fuß etwa 13Kilometer – eine überschaubare Entfernung für das Tier.
Das ist der Echte: Im Oktober 2017 ist dieser Wolf in der Gohrischheide in eine Fotofalle getappt. Von dort bis nach Nünchritz wären es zu Fuß etwa 13 Kilometer – eine überschaubare Entfernung für das Tier.

© Sachsenforst

Nünchritz/Glaubitz/ Zeithain. Völlig unbeeindruckt soll er über den Wäscheplatz gelaufen sein – der Wolf, den ein 67-Jähriger jüngst an der Karl-Marx-Straße in Nünchritz gesehen haben will. Auch eine 82-Jährige gibt an, womöglich einen Wolf gesehen zu haben – an der Bahnlinie. Eine andere SZ-Leserin hält die Sichtungen dagegen für zusammengesponnen.

Was ist nun dran an diesen Beobachtungen? Die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt erhält ebenfalls Hinweise über Wolfssichtungen im Raum Nünchritz. „Verwertbare Spuren, auch Fotos, gibt es allerdings derzeit nicht“, sagt Sprecherin Kerstin Thöns. Beim Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ kennt man aktuell aus dem Gebiet nördlich von Glaubitz ein Video, bei dem ein Wolf eindeutig als solcher identifiziert werden konnte (SZ berichtete). Bei einem zweiten Video sei ein Wolf nicht mit 100-prozentiger Sicherheit zu identifizieren. „Zudem gibt es aus dem Gebiet Nünchritz/Glaubitz/Zeithain unbestätigte Hinweise“, teilt das Büro mit. So sei etwa eine Sichtung am 3. Januar bei Zeithain gemeldet worden sowie eine weitere am 9. Februar bei Glaubitz. In der Datenbank des Sächsischen Wildmonitoring, in die Jäger Informationen einspeisen, lägen allerdings keine Wolfsnachweise aus der Region vor.

Allerdings ist es aus Sicht des Kontaktbüros realistisch, dass im Raum Nünchritz, Glaubitz oder Zeithain immer wieder auch Wölfe auftauchen könnten: Die Region liegt zwischen den zwei bekannten Rudelterritorien der Gohrischheide und Raschützer Heide. Nutztierrisse aus den drei Orten seien aber nicht gemeldet worden. Die nächstgelegenen gemeldeten Übergriffe beträfen das Damwildgehege in Großdobritz (am 29. Januar) sowie zwei Schafsrisse: am 28. November 2017 in Ebersbach und am 19. Juli 2016 in Gröditz. In diesen Fällen sei der Wolf als Verursacher nicht auszuschließen gewesen.

Vorausgesetzt, es handelt sich bei den in Nünchritz beobachteten Tieren tatsächlich um Wölfe: Was machen die da? Laut Kontaktbüro wandern junge Wölfe im Alter von zehn bis 24 Monaten aus ihrem Elternterritorium ab, um einen geeigneten Lebensraum zu finden – und einen möglichst nicht verwandten Paarungspartner. Deshalb komme es ab und an vor, dass auch außerhalb des etablierten Wolfsgebiets Wölfe gesehen werden. „Dies kann, muss aber nicht unbedingt bedeuten, dass sich die einzeln gesichteten Wölfe im Raum Nünchritz/Glaubitz/Zeithain niederlassen“, so das Kontaktbüro. Die Wölfe könnten genauso gut Durchzügler sein. Ebenso sei es aufgrund der Nähe zu den Rudelterritorien Gohrisch- und Raschützer Heide möglich, dass junge Wölfe sporadisch Exkursionen in das Gebiet außerhalb des Elternterritoriums unternehmen.

Wer Wölfe oder ihre Spuren sieht, sollte das grundsätzlich auch melden – solche Informationen seien für das Wolfsmonitoring wichtig. Jäger werden zudem dazu aufgerufen, sich am Monitoring zu beteiligen und Hin- oder Nachweise zu melden oder in die Datenbank des Sächsischen Wildmonitorings einzuspeisen. Bei einer Sichtung sollten Bürger auf die Fellfärbung, die Schwanzhaltung und das Verhalten des Tieres achten – sowie Sichtungsort und -zeitpunkt notieren. Dabei sei es hilfreich, dass sich die Bürger markante Landschaftselemente einprägen, in deren Nähe sie das Tier gesehen haben. „Optimal wäre es, wenn dabei auch eine Foto- oder Videoaufnahme gelänge“, so das Kontaktbüro.

Meldungen an das Landratsamt, Tel.  03522 3032345; Tel.  0173 3204838; umweltamt@kreis-meissen.de,

Torsten.Peters@kreis-meissen.de oder per Formular unter www.sz-link.de/wolfssichtung

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