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Samstag, 30.12.2017

Was ist da los in Plötzensee?

Erst türmen vier Insassen filmreif aus dem altersschwachen Knast, nun fehlt ein weiterer Gefangener. Die Gewerkschaft Strafvollzug beklagt Sicherheitslücken überall.

Von Stefan Kruse, Berlin

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Man hätte sie bei der Flucht sehen können – doch leider war kein Beamter da.
Man hätte sie bei der Flucht sehen können – doch leider war kein Beamter da.

© dpa

Nach der spektakulären Flucht von vier Insassen fehlt ein weiterer Gefangener in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Berlin-Plötzensee. Ein 30-Jähriger aus dem offenen Vollzug meldete sich am Donnerstagabend nicht zurück, wie ein Sprecher der Berliner Justizverwaltung am Freitag mitteilte. Der Mann verbüßte eine sogenannte Ersatzfreiheitsstrafe wegen des Erschleichens von Leistungen und Ordnungswidrigkeiten. Nach bisherigen Erkenntnissen habe der Fall aber nichts mit dem Gefängnisausbruch am Donnerstag zu tun.

Dabei hatten sich vier Häftlinge im Alter zwischen 27 und 38 Jahren mittels Trennschleifer und einem schweren Hammer den Weg in die Freiheit gebahnt. Sie arbeiteten in einer Autowerkstatt auf dem JVA-Gelände, gelangten von dort in einen Heizungsraum und schließlich durch eine mit den Werkzeugen bearbeitete Lüftungsöffnung ins Freie. Dann krochen sie unter dem Außenzaun der JVA hindurch und verschwanden. Gefilmt wurde der Coup von einer Überwachungskamera, dennoch wurde der Alarm erst rund 40 Minuten später ausgelöst.

Trotz einer Großfahndung der Polizei in Berlin und im benachbarten Brandenburg waren die Männer am Freitag weiter auf der Flucht. Eine öffentliche Suche mit Bildern sei bislang nicht geplant, erläuterte ein Polizeisprecher. „Wir wissen ja, um wen es sich handelt.“ Die Männer saßen wegen Straftaten wie Diebstahl, räuberischer Erpressung oder schwerer Körperverletzung ein, drei der vier wären allerdings im kommenden Jahr nach Verbüßung ihrer Strafen freigekommen.

Als Konsequenz aus dem Ausbruch hatte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) eine umfassende Überprüfung aller Sicherheitsmaßnahmen in der Vollzugsanstalt angeordnet. Eine „Schwachstellenanalyse“ habe bereits begonnen, sagte sein Sprecher am Freitag. Geplant sei, dabei auch externen Sachverstand hinzuzuziehen. Details stünden noch nicht fest.

Die Gewerkschaft Strafvollzug forderte Behrendt auf, mehr für die Sicherheit der Berliner Gefängnisse zu tun. „Ich wünsche mir, dass der Senat beim Thema Sicherheit im Justizvollzug genauer hinschaut“, sagte der Landesvorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten, Thomas Goiny. Sicherheitslücken gebe es „überall“. Diese müssten systematisch abgestellt werden. So seien „Überwürfe“ von Drogen in die Anstalt oder das Hineinschmuggeln von Handys an der Tagesordnung. Sicherheitsanlagen seien nicht immer auf dem neuesten Stand. Problematisch sei die schlechte Baustruktur der alten Gefängnisse. In den vergangenen zehn Jahren sei hier erheblich gespart worden. Den Finanzbedarf für Umbau, bessere Sicherheitsausstattung und Sanierung bezifferte Goiny auf 400 bis 500 Millionen Euro.

Auch beim Personal sieht der Gewerkschafter Handlungsbedarf. „Allein im allgemeinen Vollzugsdienst fehlen 200 bis 250 Beschäftigte.“ Bei insgesamt 2 860 Bediensteten im Justizvollzug, darunter etwa 1 900 im unmittelbaren Strafvollzug, gebe es „keinen Puffer“. 37 angekündigte neue Stellen reichten nicht aus. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Reinhard John

    Kein Wunder was da passiert ist. Alle Politiker sprechen von Integration von Flüchtlingen. Nicht wenige von denen sitzen nun auch in deutschen Haftanstalten. Das Personal dort, ist aber kaum oder gar nicht auf andere Ethnien eingestellt, geschweige aufgestockt worden. Dort braut sich allmählich der nächste grosse Skandal der aktuellen Flüchtlingspolitik zusammen. Politiker können zu gut verdrängen, Verschweigen und sich lieber mit lohnenden Lobbyisten abgeben.

  2. Th. Schmidt

    Die Frage sollte anders gestellt sein. Was ist da los bei der Polizei in Berlin? Die Ernte der Rot Grünen Regierung der letzten 15 Jahre wird jetzt eingefahren. Kaputt gespart bei öffentlichen Gebäuden, Unfassbarer Abbau von Personla bei Polizei, Justiz und Verwaltung. Ja was ist los in Berlin. In den letzten 6 Monaten wurde 6 PKW vom Gelände der Polizei geklaut. PKW die zum Teil erst einen Tag vorher von der Polizei beschlagnahmt wurden weil sie geklaut waren. Der letzte Fall an Heiligabend. Der absolute Brüller: Am 5. Juli waren Unbekannte auf das Sicherstellungsgelände der Polizei an der Belziger Straße (Schöneberg) eingebrochen. Sie fanden einen Audi A6, der beim spektakulären Einbruch in das Bode-Museum am 27. März benutzt wurde. Damals war die 100-Kilo-Gold-Münze „Big Maple Leaf“ (Wert: 3,75 Millionen Euro) geklaut worden.

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