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Freitag, 13.04.2018

Was Eltern über den Kita-Streik sagen

Seit dem Morgen werden in Dresden die kommunalen Kindertagesstätten und Horte bestreikt. Dutzende Kitas konnten nicht öffnen. Was sagen die Eltern?

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Zwei betroffene Eltern mit ihren Sprösslingen: Marni L. und Stefan L.
Zwei betroffene Eltern mit ihren Sprösslingen: Marni L. und Stefan L.

© Christian Juppe

Dresden. Seit dem Morgen werden die kommunalen Kindertagesstätten und Horte bestreikt. Dutzende Kitas konnten am Freitag nicht öffnen, andere Einrichtungen nahmen mangels Personal nur ein paar Kinder auf oder schränkten die Öffnungszeiten ein.

Viele Eltern haben dennoch Verständnis für den Ausstand der Erzieherinnen und Erzieher, andere beklagten die Umstände, die sie nun wegen des Streiks haben. Wir haben drei Eltern befragt:

Marni L.: „Ich habe Verständnis für diesen Streik. Ich bin selbst Erzieherin in einer freien Kita. Es geht nicht nur um das Gehalt. Ich bemerke auch den Erziehermangel. In der Grippezeit, aber auch im Sommer ist nicht immer ausreichend Personal da. Klar, leicht ist es auch für mich nicht. Der Papa ist aus beruflichen Gründen nicht da, die Oma ist auch nicht in der Stadt. Meine Tochter muss betreut werden. Bis zuletzt war nicht klar, ob die Kita überhaupt öffnet. Das habe ich erst heute Morgen über das Internet erfahren. Da nur verkürzt geöffnet ist, muss ich auf Arbeit Minusstunden machen.“

Stefan L.: „Natürlich darf jeder streiken. Als Vater bin ich auch nicht das erste Mal davon betroffen. Allerdings würde ich es für angebracht halten, dass neben dem finanziellen Aspekt auch wegen eines besseren Betreuungsschlüssels auf die Straße gegangen wird. Und für uns ist jeder Streik auch ein großer Aufwand. Normalerweise hätte ich meine Kinder heute später in der Kita abgegeben. Da wahrscheinlich weniger Erzieher da sind und damit weniger Kinder betreut werden können, mussten wir jedoch früh los, um noch einen Platz zu bekommen.“

Luise M.: „Dieser Streik ist nervig. Mein Sohn ist in der Grundschule und besucht nach dem Unterricht eigentlich den Hort. Von dort wird er normalerweise abgeholt und zur Ergotherapie gebracht. Das klappt heute nicht. Jetzt muss ich irgendwie eine Alternative organisieren oder meinen Arbeitstermin absagen. Für uns Eltern ist es schwierig, so spontan zu reagieren. Wir müssen Freunde oder Nachbarn fragen. Noch komplizierter ist es für die Familien, die zusätzlich auf den Frühhort angewiesen sind.“

Die Stadt hatte ab 6 Uhr ein Info-Telefon für Eltern eingerichtet. Gut 110 Familien informierten sich über den Status ihrer Kita oder wo es Ausweichplätze gab. „An der Hotline haben sich keine Dramen abgespielt“, sagte Kita-Eigenbetriebsleiterin Sabine Bibas. Die Eltern hätten sich überwiegend verständnisvoll über die schwierige Situation geäußert. „Mit weiteren Streiks wird das Verständnis abnehmen“, meint sie. Bereits am Montag hatten die Gewerkschaften Verdi sowie Erziehung und Wissenschaft (GEW) angedeutet, für Freitag einen Streik zu planen. Am Mittwoch erhielten Eltern konkretere Informationen. So konnten sie sich vorbereiten, so Bibas.

Am Freitagmittag zogen dann nach Polizeiangaben über 1500 Menschen vom Gewerkschaftshaus am Schützenplatz zum Rathaus. Nicht nur Erzieher waren dabei, sondern auch Mitarbeiter des städtischen Klinikums. Den Beschäftigten im öffentlichen Dienst geht es um höhere Löhne. Die Gewerkschaften fordern sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro zusätzlich im Monat. Derzeit verdienen Berufseinsteiger in städtischen Kitas knapp 2600 Euro brutto.

„Ich verspreche mir, dass den Arbeitgebern mit den Warnstreiks heute deutlich wird, wie entschlossen die Kollegen sind“, sagte die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe vor der Kundgebung in Dresden. Sollte es bei den Verhandlungen am Sonntag und Montag keine Einigung geben, würden weitere Streiks folgen.

Genau davor warnt Sabine Bibas: „Die Eltern benötigen Sicherheit bei der Betreuung ihrer Kinder. Ich hoffe deshalb sehr, dass sich die Tarifparteien auf eine Lösung verständigen können.“ Zwar werden die kommunalen Kitas bestreikt. Tarifpartei ist aber nicht die Stadt, sondern der Kommunale Arbeitgeberverband. Somit hat Dresden keinen direkten Einfluss auf die Verhandlungen. Zwar erhalten Eltern dieses Jahr erstmals anteilig Geld zurück, wenn gestreikt wird. Doch Bibas macht kein Geheimnis daraus, dass die Elternbeiträge steigen werden, wenn die Gewerkschaften höhere Löhne aushandeln. „Jegliche Tarifsteigerungen wirken sich nahezu direkt auf die Höhe der Elternbeiträge aus“, sagte sie. Im Jahr 2020 werden Eltern das Ergebnis dieses Arbeitskampfes auf der Rechnung haben. (SZ/sr/mja/jr/dpa)

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Insgesamt 15 Kommentare

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  1. Anton

    Seit Tagen angesagt und für manche Leute so ein Problem?Da sieht man wieder mal das es bei einigen solch eingefhrene Gleise gibt das sie nichts ausser der Reihe Problemlos org.können.

  2. Bjoern

    Anton, die genauen Details gab es genau am Mittwoch. Und ja, es gibt tatsaechlich Berufe, wo die Leute feste Arbeitszeiten haben und so spontaner Urlaub etc. nicht so einfach moeglich ist. Ansonsten bin ich aber auch dafuer, die Schuld hier nicht bei den Erzieher(inne)n zu suchen. Denen goenne ich jede Erhoehung und wuerde mir wuenschen, dass es mehr davon werden.

  3. Schneider

    @1: So lange vorher wird das nicht angekündigt. Da hängt Mittwoch beim Abholen ein Zettel und am Donnerstag muss man dann knall auf Fall für Freitag Urlaub einreichen. Ob das passt oder nicht, ob lange geplante Termine kurzfristig einen Tag vorher abgesagt werden müssen, Fristen in Gefahr sind nicht eingehalten zu werden - egal. Schlimmer: Erfahrungsgemäß bleibt es ja nicht bei dem einen Tag. Nicht jeder hat Großeltern in der Nähe oder die sind noch keine Rentner. Wir müssen alles über Urlaub abdecken. Und ich habe anders als Erzieher im öff. Dienst keine 30 Tage sondern 24. Davon müssen alle Schließtage der Kita abgedeckt werden. Seit sich das mit den Streiks vor ein paar Jahren mal über Wochen hinzog traue ich mich vor dem Jahresende nicht mehr, mehr Urlaub als absolut für manche Erledigungen oder Familienfeiern notwendig zu machen. Ich habe regelrecht Angst die streiken und ich habe keinen Urlaub dafür übrig. Und die streiken seit meine Große in die Kita kam JEDES JAHR!!!!

  4. so ä dresdner

    Naja, die Vorwarnzeit welche Einrichtungen wann betroffen sind war bei uns nur von gestern Nachmittag zu heute. Ich hab auch Verständnis dafür, nur ist es bei zwei berufstätigen Eltern (und berufstätigen Großeltern) nicht so easy sprichwörtlich über Nacht mal alles umzuorganisieren. Klappt ja aber dann immer irgendwie. Nur etwas mehr konkrete Ansagen im Vorfeld wären wünschenswert. (Nicht nur dass vorauss. gestreikt wird, sondern auch welche Einrichtung, und von wann bis wann...)

  5. @Anton

    Vor paar Tagen war noch nicht offiziell klar, welche Einrichtungen zu sind. Und wenn man dann hafft, dass man nicht betroffen ist ist man dann kurzfristig gefordert. Zur Aussage von Stefan L.: Für bessere Betreuungsschlüssel auf die Straße zu gehen ist auch Sache der Eltern. Hier handelt es sich um eine politische Forderung - und politische Streiks sind verboten. Nach der Arbeit darf natürlich auch eine Erzieherin politische Forderungen stellen :)

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