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Dienstag, 07.11.2017

Was Dynamo fehlt

Die Dresdner rutschen in den Abstiegskampf, aber: Wie konnte es dazu kommen? Eine Analyse.

Von Sven Geisler

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An seinem Engagement liegt es sicher nicht, doch nun muss Uwe Neuhaus mit den Dynamos Wege aus der Krise finden.
An seinem Engagement liegt es sicher nicht, doch nun muss Uwe Neuhaus mit den Dynamos Wege aus der Krise finden.

© Robert Michael

Der Trend ist ihr Feind. Vor zwei Wochen war die Fußballwelt für die Dresdner Dynamos noch in bester Ordnung: 13 Punkte, Platz neun, gesichertes Mittelfeld nach zehn Spieltagen. Doch nun, drei Partien später, stecken sie im Abstiegskampf der 2. Bundesliga. Nur einen Zähler haben sie seitdem geholt, es ist aber nicht allein diese dürftige Ausbeute, die Sorgen macht. Bedenklicher stimmt die Leistungskurve, die erst stetig und nun beim deftigen 0:3 in Kiel steil nach unten zeigte.

Was ist passiert, dass die Mannschaft, die vorige Saison begeisterte, in sich zusammengefallen ist, wie es Trainer Uwe Neuhaus sagt? Die Gründe für die Krise sind vielschichtig, und manche lassen sich auf die Schnelle nicht beheben. Die SZ analysiert, was Dynamo zurzeit fehlt – es sind sechs Punkte.

Stabilität

Rückschläge gab es auch vor einem Jahr, sogar eine Schwächephase mit den Niederlagen gegen Aue (0:3) sowie in Kaiserslautern (0:4) und Sandhausen (0:2). Danach stabilisierten sich die Schwarz-Gelben jedoch und ließen mit Ausreißern nach oben wie dem 5:0 gegen den VfB Stuttgart aufhorchen. Ein solches Erlebnis fehlt in dieser Spielzeit komplett, die höchsten Siege waren die 2:0-Erfolge in Regensburg und Heidenheim – immerhin: gegen zwei direkte Konkurrenten im unteren Tabellendrittel.

Doch keiner der erst drei Saisonsiege brachte Sicherheit, es war keine positive Entwicklung zu erkennen. Vielmehr traten die grundlegenden Schwächen auch in den vermeintlich guten Spielen der englischen Woche zutage. Kiel hat sie allerdings schonungsloser offengelegt als Nürnberg, Freiburg und Braunschweig. Der eigene Auftritt war für den Trainer „teilweise schon, boah, nicht so einfach zu verarbeiten“. Das Gute an der bisher schlechtesten Leistung: Es wird niemand etwas schönreden.

Torgefahr

Auf den ersten Blick ist es eine ordentliche Ausbeute: 17 Treffer in 13 Spielen. Trotzdem mangelt es an der Durchschlagskraft in der Offensive, den meisten Ertrag brachten bisher Standards: Elfmal traf Dynamo nach einem „ruhenden“ Ball, darunter drei verwandelte Elfmeter. Das Foul davor entsteht natürlich aus dem Spiel heraus. Trotzdem wurde bereits in den vergangenen Wochen kritisiert, dass die Dresdner mit ihrem Passspiel zwar gefällig bis in Strafraumnähe kommen, aber zu selten dorthin, wo es gefährlich wird. In Kiel gab es gerade einmal drei Chancen, ansonsten war es im Vorwärtsgang „irgendwie nur ein Gewürge“, wie Neuhaus treffend feststellte.

Bei Dynamo stellt sich die Stürmerfrage. Peniel Mlapa hat zwar vier Tore erzielt, aber der Neuzugang vom VfL Bochum ist noch nicht wirklich im Spiel. Das lässt sich nach elf Einsätzen kaum noch mit Anpassungsschwierigkeiten erklären, vielmehr scheint der Togoer für das laufaufwendige System der falsche Mann zu sein. Lucas Röser hat seine zwei Tore an den ersten beiden Spieltagen erzielt, und Eero Markkanen scheint für Neuhaus nicht wirklich eine Option zu sein – außer für die Variante Brechstange. Als der Finne in Kiel zur Einwechslung bereitstand, fiel gerade das 0:2.

Alternativen

Neuhaus beklagt sich nicht, und das wäre auch ein schlechtes Alibi. Trotzdem ist die anhaltende Verletzungsmisere ein wichtiger Grund für Dynamos Leistungsabfall. Erstens zwingt sie den Trainer, ständig die Startelf zu verändern. Die Mannschaft ist also nicht eingespielt. Zweitens gehen ihm die Alternativen aus, was er indirekt schon vor der Fahrt nach Kiel bestätigte: „Wenn es zu viele werden, wird es schwierig, das adäquat zu ersetzen.“ Vor allem, wenn das Problem nicht nur akut, sondern permanent auftritt.

Jeder Ausfall für sich mag zu kompensieren sein, aber am Sonntag fehlten fünf potenzielle Stammspieler. Damit kommt das Gefüge durcheinander, erst recht, wenn Führungskräfte länger fehlen. So war der erfahrene Innenverteider Sören Gonther als feste Größe vorgesehen, muss aber nach einem Kreuzbandriss für die komplette Saison ausgeplant werden. Hinzu kommt derzeit die Verletzung von Marco Hartmann, der als Kapitän und Stratege auf dem Platz eigentlich unverzichtbar ist, sowie die Rotsperre für Philip Heise.

Schnelligkeit

Dynamos größte Stärke beim Aufstieg und im ersten Zweitligajahr war die Fähigkeit, aus dem Ballbesitzspiel heraus nahezu überfallartig anzugreifen. Das kommt jetzt weitaus seltener vor, auch wenn Haris Duljevic auf links und Niklas Kreuzer auf rechts durchaus schnell sind. Aber das Spieltempo ist insgesamt zu langsam, Dynamo kann die Gegner zu selten überraschen. Das ist keine Frage des Systems, sondern der Umsetzung, denn zwei Jahre hat es funktioniert. Es liegt also an der Klasse der Einzelspieler – und der fehlenden Automatismen. Siehe: Alternativen.

Selbstvertrauen

Mit den ersten Fehlern sei das angeknackste Selbstbewusstsein verloren gegangen, hat Neuhaus den Untergang an der Ostsee erklärt. „Kiel hat einen Lauf, wir einen Negativlauf – das ist der Unterschied.“ Durch die individuellen Fehler, die in den vergangenen Wochen Punkte kosteten, stieg die Verunsicherung sowohl beim Einzelnen als auch im Team. Deshalb fordert Marvin Schwäbe, der die Kritik an seiner Spielweise gut weggesteckt und klasse gehalten hat, den Kopf hochzunehmen. „Wir müssen weiter hart arbeiten und schauen, dass wir unser Selbstbewusstsein stärken“, meint der Torwart. Das Testspiel am Freitag beim ebenfalls kriselnden Drittligisten Rot-Weiß Erfurt ist eine gute Gelegenheit.

Qualität

Dynamo hat binnen zwei Jahren sechs Leistungsträger verloren: Michael Hefele, Justin Eilers, Quirin Moll, Marvin Stefaniak, Akaki Gogia und Stefan Kutschke. Diese Qualität zu ersetzen – noch dazu mit knappem Budget –, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Stand jetzt ist das mit den Neuzugängen dieser Saison nicht ausreichend gelungen. Mit Ausnahme von Duljevic und – mit Abstrichen – Paul Seguin konnte noch keiner nachhaltig überzeugen. Vor allem die Stürmer sind bisher kein Ersatz – weder für Kutschke noch für den verletzten Pascal Testroet. Mit dessen Kreuzbandriss am ersten Spieltag hat Dynamos Pechsträhne begonnen.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 8 Kommentare

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  1. Thomas

    Wo ist eigentlich der Artikel über den Trainer von unseren Volleyballerinnen hin

  2. Stubsi

    Ich würde das hier in einigen Punkten ähnlich sehen. Allerdings erschließt sich mir nicht, was in Paul Seguin gesehen wird. Ich habe noch kein einziges Spiel von ihm gesehen, in dem er überzeugt hat. Seine eigentliche Position können wir mit Spielern aus unseren Reihen viel stärker besetzen. Ich bin der Meinung wir brauchen einen Leihspieler nicht aufbauen(der uns jetzt eher in der mannschaftlichen Entwicklung hinderlich ist)- der ist im Sommer eh weg(entweder weil er sich-Stand jetzt- nicht entwickelt oder er aber wieder in seinen Verein geht. Wir haben richtig gute Spieler mit Vertrag- die sollten spielen. Paul Seguin hilft uns mit seiner derzeitigen Form nicht weiter. Eher schafft es Unruhe und Unzufriedenheit. Ich hoffe nicht, dass er einen Vertrag mit Einsatzgarantie hat.

  3. Mal ne Anmerkung

    @1 Thomas -Was haben wir da verpasst?Kommt er ins Trainerteam der SGD? Richtig ist die Einschätzung zum "Stürmer" Herrn Mlapa,er ist zu langsam ,fällt bei fast allen Körperkontankten durch den Gegner einfach um und hat technische Schwächen in der Ballannahme und Ballbehauptung. Richt ein Herr Schwäbe hat uns vor einer Blamage in Kiel gerettet aber wie oft waren seine riskanten "Abschläge " der Ausgangspunkt für Gegentore. Ein Herr Ballas ,der in der letzten Saison zu den Stützen des Teams zählte "glänzt" durch Unsicherheiten in der "gefährlichen Zone"! Fazit ,in Kiel verlieren noch ganz andere "Truppen" ,jedoch auf das wie kommt es an. Und solange die "Truppe" nicht nur auf "Ballbesitz" (auch mit 90% Ballbesitz und 30 Punkten am Ende der Saison ,steigt man trotzdem ab) sondern auch mal einen schnellen Angriffsfußball spielt um Tore zu erzielen,wird das schon werden. Vertrauen wir der sportlichen Leitung!

  4. Dresdener

    Liebe K-Block-Freunde, schon mal üben: "Nie mehr zweite Liga, nie mehr, nie mehr..." usw.

  5. manders

    frage an herrn Sven Geisler. da ihre Diagnose zwei tage nach der Offenbarung unserer Mannschaft in kiel so detailliert ausfällt!, frage ich mich, wenn sie alle die symtome erkannt haben ,warum das nicht in einer der vielen Pressekonferenzen vor dem oder nach dem spiel in kritischen fragen an den Trainer gemündet hat !!! warum ist wiegers degradiert worden? warum darf aosman unser Trikot in den dreck schmeißen ohne folgen (letztes jahr Gegner anspucken langt ja nicht) warum darf makranen nur 10min ran wenn überhaupt? warum fressen wir 13 kisten nach der 75.min?in dieser Saison? warum hört man nichts vom mannschaftsrat zur Situation? warum schützt Neuhaus seine spieler? wer ist die hierachie der Mannschaft,warum wird aus 20 m nicht mal geschossen.warum hat mlapa 3 jahre unterschrieben? und ans Management herr Born wie lange sind wir an diese scheiss!! stadionvertäge gebunden ,wo nur der Betreiber davon profitiert!!!! Klartext auf allen ebenen ist das ziel!!

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