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Freitag, 13.10.2017

Warum ist Butter so teuer?

Die SZ erklärt die drei Gründe, warum die Preise auch im Landkreis in die Höhe geschnellt sind. Das hat auch etwas Gutes.

Von Gunnar Klehm

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Am Melkkarussell in Reinhardtsdorf geht es rund, Milch ist wieder was wert. Daran haben auch Millionenhilfen der Politik ihren Anteil.
Am Melkkarussell in Reinhardtsdorf geht es rund, Milch ist wieder was wert. Daran haben auch Millionenhilfen der Politik ihren Anteil.

© Steffen Unger

Preisgünstige Butter ist vergriffen. Die Regale – wie hier in einem Discounter in der Region an einem Montagvormittag – sind entsprechend schnell leer.
Preisgünstige Butter ist vergriffen. Die Regale – wie hier in einem Discounter in der Region an einem Montagvormittag – sind entsprechend schnell leer.

© Foto: SZ

Sächsische Schweiz. Lange nichts mehr von protestierenden Milchbauern gehört. Das könnte an den höheren Preisen liegen, die die Landwirte für Milch gegenwärtig erzielen. „Die sind endlich wieder gestiegen“, sagt Henryk Schultz, der Vorsitzende des Regionalbauernverbands Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. In den Jahren 2015 und 2016 waren die Milchpreise über einen langen Zeitraum so niedrig, dass sie die Kosten nicht decken konnten, die den Erzeugern entstehen. Tiefster Preis in Sachsen waren 22,6 Cent pro Kilogramm im Mai 2016. Die Branche geht aber von 35 Cent aus, die Erzeuger erhalten müssen, damit es auskömmlich ist. Das ist nun knapp erreicht.

Für den Endverbraucher macht sich das jedoch in den Preisen für Butter und fetthaltige Milchprodukte bemerkbar. Die Preise für Butter sind so hoch wie nie. Das ist für manchen Käufer schmerzhaft. Schultz versichert jedoch, dass die Preiserhöhung diesmal auch beim Bauern ankommt. „Und ich denke schon, dass es gerechtfertigt ist, für ein gutes Stück Butter zwei Euro zu zahlen“, sagt er.

Wenn man denn für zwei Euro überhaupt noch ein Stück Butter bekommt. Das sind inzwischen Schnäppchen, die schnell vergriffen sind. Ein leeres Regal in einem Discounter und ein Hinweis, dass nur eine bestimmte Anzahl gekauft werden kann, ist keine Seltenheit mehr. Die drei Gründe, warum die Butter so teuer ist:

1. Es wird weniger Milch produziert

Tausende, vor allem kleinere Betriebe mussten während der Milchpreis-Flaute 2015/16 aufgeben, als der Liter Milch in den Läden für 50 Cent und weniger verschleudert wurde. Seitdem wird weniger Milch produziert, aus der Butter hergestellt werden kann. Mit höheren Preisen erkaufen sich die Molkereien Planungssicherheit. Zudem haben auch Politiker die Weichen dahin gestellt. Mehr als 600 Millionen Euro sind in der Vergangenheit an die Milcherzeuger in Deutschland als Hilfen geflossen. Ein Teil des Geldes wurde aber mit der Auflage verbunden, die Produktion zu senken. Die Agrargenossenschaft in Reinhardtsdorf hat den Verlust wegen der niedrigen Milchpreise dadurch abfangen können, dass sie zusätzlich mit Pflanzen- und Energieproduktion aus Biogas breiter aufgestellt ist.

Aber immer noch ist die Milchproduktion mit 60 Prozent des Umsatzes dort das wichtigste Produkt. Viele Betriebe haben auch Milchtankstellen eingerichtet, wo jeder direkt ab Hof Milch holen kann. Auch das trug etwas dazu bei, die Milchpreiskrise zu überstehen.

2. Guter Absatz fetthaltiger Produkte

Die Nachfrage nach fetthaltigeren Produkten steigt bei Verbrauchern. „Der Magerwahn, als nur noch Light- oder fettarmer Käse gekauft wurde, hat offenbar ein Ende“, sagt Schultz. Das gelte auch für Sahne. Und das, obwohl Ernährungsexperten tierische Fette weiter kritisch sehen. Hinzukommt, dass diese Nachfrage nicht nur in Deutschland steigt, sondern auch in China, das zum größten Butterimporteur der Welt aufgestiegen ist, wie Milchindustrieverbandssprecher Björn Börgermann erklärt.

3. Weniger Kraft im Futter

Viele Milcherzeuger haben auf die veränderte Marktsituation reagiert und die Futterzusammensetzung verändert. „Über höhere Rohfaseranteile wie Heu oder Grassilage und geringere Kraftfuttergaben lässt sich der Fettgehalt der Milch erhöhen“, sagt Reiko Wöllert, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland und selber Milchbauer. Das senke zwar die Milchmenge insgesamt, aber bei einer höheren Fettvergütung würde sich das für die Milchbauern rechnen. Angesichts der in Lagern befindlichen Berge an Milchpulver und wieder steigender Milchmengen in Norddeutschland „wäre das auch für den Gesamtmarkt ein gutes Signal“, erklärt Wöllert. Damit dürfte sich in nächster Zeit an den hohen Butterpreisen aber nichts ändern.

„Zu dem Thema herrscht derzeit echt Verunsicherung“, erklärt Henryk Schultz. Butter sei aufgrund der immensen Produktionsmenge heute kein Luxus mehr, wie beispielsweise noch in den 1960er-Jahren. Dass solche Vergleiche hinken, sei ihm bewusst. „Das Geld wird heute genauso schnell alle. Aber im Unterschied zu früher eben für Miete, Auto, Urlaub etc.“, sagt Schultz und will die Endverbraucher um Verständnis bitten, „wenn zwei Euro oder besser 2,50 Euro für ein gutes Stück Butter wieder Normalität werden“. Immerhin brauche man fünf Liter Milch, um es herzustellen. Und wenn die gestiegenen Preise wie jetzt 1:1 bei den Milchbauern ankommen, helfe das auch der regionalen Wirtschaft. „Die Arbeit in der Landwirtschaft ist nur attraktiv, wenn wir entsprechende Löhne zahlen können“, erklärt Schultz. Im Ringen um die besten Maschinenschlosser stehe man beispielsweise in direkter Konkurrenz mit Industriebetrieben, die Tarife zahlen, die in der Landwirtschaft schlecht zu erwirtschaften seien.