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Freitag, 13.10.2017

Warum Franzi die Beatles tanzt

Acht deutsche, französische und britische Künstler proben gerade in Kirschau ein Musical, das auch in Görlitz gezeigt wird.

Von Silvia Stengel

Gut gelaunt trotz Kälte: Franzi bei der Probe in Kirschau, vorn im Bild, hinten die anderen Tänzer Stefan Magner (l.), Konstantin Krisch und Alina Meinold.
Gut gelaunt trotz Kälte: Franzi bei der Probe in Kirschau, vorn im Bild, hinten die anderen Tänzer Stefan Magner (l.), Konstantin Krisch und Alina Meinold.

© Wolfgang Wittchen

Kirschau. Okay, wir gehen zurück mit links und ihr nach vorne mit rechts. Drehen ... Und Franzi dreht sich mit drei anderen Tänzern in der Körsehalle in Kirschau. Seit um neun geht das hier schon. Zusammen mit vier Musikern proben sie für ein Beatles-Musical, das am Sonnabend in Kirschau Premiere hat. Franzi, wie hier alle sagen, ist dafür aus Osnabrück gekommen. Richtig heißt sie Franziska Schulze, ist 28 Jahre und ausgebildete Musicaldarstellerin.

Ob sie mit den Beatles überhaupt etwas anfangen kann? Klar, sagt sie. Sie kommt ursprünglich aus Ost-Berlin und kennt die Band, weil ihre Eltern Fans waren. Ihr Lieblingssong ist „Yesterday“. Die Tänzerin findet es bewundernswert, wie sich die Musik bis heute weiterträgt, Hallen füllt und Generationen verbindet. In Kirschau ist mehr als die Hälfte von 600 Karten verkauft, im Theater in Görlitz, wo das Musical am 29. Oktober gezeigt wird, der größte Teil. Produziert wird es von der Görlitzer Concert- & Eventagentur Platner, von dort ist Heiner Platner nach Kirschau gekommen. Er gibt allen freundlich die Hand, dann aber meckert er ordentlich. Der Saal ist zu kalt, die Künstler könnten sich erkälten. Hier wird zwar geheizt, doch die große Halle mit der hohen holzverkleideten Bogendecke stand lange leer und braucht nun länger, bis 22 oder wenigstens 20 Grad erreicht sind.

Begeistert von Bautzen

Bei den Musikern immerhin krächzt noch keiner. „Eins, zwei“, tönt es von der Bühne, alles auf Englisch. Die Techniker stellen die Instrumente und Mikrofone ein. Drei Musiker kommen aus Frankreich, einer aus London. Die anderen drei Tänzer auch aus Osnabrück, Bielefeld und Berlin. Der künstlerische Leiter Uwe Müller hat sie zusammengeholt. Alle übernachten im Hotel Best Western in Bautzen. Franzi war begeistert, als sie im Auto in Bautzen einfuhr: die vielen Kirchen und historischen Gebäude, mit Stuck verziert. Am Abend waren sie am Markt essen, am Morgen ging es nach Kirschau. Gerade hat Franzi noch einen dicken Schal um den Hals gewickelt. Erst später proben sie in Kostümen. Dann bekommt sie ein „keckes Hütchen“, sagt sie, einer der Tänzer eine Polizistenmütze. Auch die Musiker haben sich die Kostüme selbst besorgt, die sie wie John Lennon, Paul McCartney, Ringo Starr oder George Harrison aussehen lassen. Sie treten auch international mit Beatles-Songs auf. „Please, Mr. Postman“, heißt das Musical in Kirschau, in dem es vor allem um die Musik gehen soll. Berühmte Songs wie „Penny Lane“, „Hey Jude“, „Yellow Submarine“, „All you need ist love“ und „She loves you“ werden gespielt, alles live, betont Platner. Dazu gibt es Tanz- und Schauspielszenen zur Entwicklungsgeschichte der Beatles. Die Görlitzer Agentur bringt jedes Jahr vier eigene Produktionen auf die Bühne. Dazu gehört eine Gala-Nacht der Operette, die am 22. Oktober im Zittauer Theater gezeigt wird. Zuvor gab es schon andere Produktionen mit Beatles-Songs, wie „Yesterday“.

Franzi ist das erste Mal dabei. Die Probenzeit ist sehr kurz, sagt sie. Bei einem Musical sind es sonst vier bis sechs Wochen. Aber nach den ersten Proben am Dienstag war die Tänzerin optimistisch; „Wir sind schon sehr gut vorangekommen“, sagt sie. „Also klar, wir schaffen das!“

Vorstellungen in der Oberlausitz am 14. Oktober Körsehalle Kirschau und am 29. Oktober Theater Görlitz, 2018 auf Tournee, dann auch 24.2. Lausitzhalle Hoyerswerda.