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Freitag, 11.08.2017

Waggons aus Sachsen auf Schienen in aller Welt

Seit 100 Jahren werden in Niesky Eisenbahnwagen gebaut. Zum Jubiläum passt der größte Auftrag der Firmenhistorie.

Von Tilo Berger

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Anfang dieses Jahres bestanden die ersten Spezialwaggons für den Eurotunnel ihre Praxis-Tests – 80 Fahrten ohne Pause, jeder Zug nahm 32 Lkws huckepack.
Anfang dieses Jahres bestanden die ersten Spezialwaggons für den Eurotunnel ihre Praxis-Tests – 80 Fahrten ohne Pause, jeder Zug nahm 32 Lkws huckepack.

© WBN

Zu DDR-Zeiten bauten die Nieskyer unter anderem Kühlwagen.
Zu DDR-Zeiten bauten die Nieskyer unter anderem Kühlwagen.

© SZ/Werner Mohn

Thomas Steiner führt seit 2014 die Geschäfte in Niesky.
Thomas Steiner führt seit 2014 die Geschäfte in Niesky.

© wolfgang wittchen

Alles begann 1835 mit einer Kupferschmiede am Rande von Niesky. Die Schmiede vergrößerte sich um eine Schlosserei. Daraus wurde später eine Maschinenfabrik, die immer weiter wuchs und 1917 zum ersten Mal auch Schienenfahrzeuge baute. Seitdem gehören Niesky und Waggonbau zusammen, wird Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann am Freitag sagen, wenn der größte industrielle Arbeitgeber der Stadt dieses Jubiläum feiert.

Anfangs bauten die Nieskyer noch nahezu alles – vom Postwagen bis zur Straßenbahn. Ab 1950 spezialisierte sich das Werk auf Güter- und Kesselwagen. Schon zu DDR-Zeiten baute der Betrieb Waggons für Abnehmer in aller Welt, wie die Staatsbahnen in Ägypten und Syrien. Güterwagen für die Sowjetunion mussten immer besonders stabil gefertigt werden, damit sie auf dem Gleisnetz zwischen Brest und Wladiwostok durchhielten. Gegen Ende der DDR arbeiteten im Nieskyer Waggonbau etwa 2 000 Beschäftigte.

Jetzt sind es noch rund 300 – oder besser gesagt: wieder 300. Denn das Werk erlebte nach 1990 eine Achterbahnfahrt und stand mehrmals kurz vor dem Aus. Dank des guten Rufes der Nieskyer Waggons in aller Welt fand sich mitunter in letzter Sekunde ein Investor, der die Tradition des Schienenfahrzeugbaus in der Kleinstadt fortsetzte und neue Kunden gewann. Das Werk gehört in den letzten 25 Jahren erst zur Deutschen Waggonbau AG, dann zum Bombardier-Konzern, war zwischendurch eigenständig, wurde von der Deutschen Bahn AG übernommen und wieder abgestoßen – ein mehrfaches Auf und Ab.

Seit 2014 gehört die WBN Waggonbau Niesky GmbH zum Imperium der Münchener Beteiligungsgesellschaft Quantum. Mit der Geschäftsführung betrauten die Bayern den Westfalen Thomas Steiner, der schon für fast alle Schienenfahrzeugbauer mit Rang und Namen gearbeitet hat und den Weltmarkt kennt. Steiners Verhandlungsgeschick füllte die Auftragsbücher: 404 Kali-Schüttgutwagen. 250 Doppelstock-Autotransportwagen. 55 Schiebewand-Wagen für die Schweizer Bundespost. 40 Wagenkästen für Straßenbahnen. Der größte Auftrag der Firmengeschichte kam von den Betreibern des Eurotunnels zwischen Frankreich und England: 315 Spezialwaggons, auf denen Lkws den Ärmelkanal unterqueren. Auch Franzosen, Briten, Tschechen, Rumänen und andere wollten diesen Auftrag – Niesky bekam ihn.

Schweißbaugruppen und andere Teile ordern die Oberlausitzer in China. „Dazu haben wir dort drei Werke qualifiziert, in denen zur Qualitätssicherung WBN-Mitarbeiter durchgehend vor Ort sind“, sagt Steiner. „Ohne die chinesischen Partner und deren Zulieferungen könnte der Standort in Niesky nicht weiter ausgebaut werden.“

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) wird zur Feier würdigen, „dass die Auftragsbücher im vergangenen Jahr praller gefüllt waren als je zuvor. Das unterstreicht die gute Arbeit, die die Geschäftsführung und alle Mitarbeiter hier tagtäglich leisten. Sie sind hervorragende Botschafter Sachsens in der Welt.“

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