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Donnerstag, 04.01.2018

Vonovia errichtet Baukasten-Häuser

Der Großvermieter will in Dresden die Modulbauweise ausprobieren. Die neue Platte soll das aber nicht sein.

Von Annechristin Bonß

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Solche Wohnanlagen wie hier in Bochum will die Vonovia auch in Dresden bauen.
Solche Wohnanlagen wie hier in Bochum will die Vonovia auch in Dresden bauen.

© Simon Bierwald

Entstehen sollen sie an der Reicker Straße. Noch aber liegt das Grundstück brach.
Entstehen sollen sie an der Reicker Straße. Noch aber liegt das Grundstück brach.

© Sven Ellger

Erstmals setzt der Großvermieter diese Bauweise in Dresden ein.
Erstmals setzt der Großvermieter diese Bauweise in Dresden ein.

© Simon Bierwald

Noch liegt das Grundstück an der Reicker Straße brach. Zwischen dem Geschäft für An- und Verkauf und der Messerschleiferei gibt es viel Wiese, Bäume und Hecken. Doch schon in wenigen Monaten könnten hier 83 neue Wohnungen in drei Gebäuden stehen. Der Großvermieter Vonovia plant auf der Fläche direkt an den Straßenbahnschienen seine erste Wohnanlage in Modulbauweise. Was futuristisch klingt, könnte auch als neue Platte daherkommen. Passend zum nahen Prohliser Plattenbaugebiet. Doch mit der Platte aus DDR-Zeiten will Vonovia-Sprecher Max Niklas Gille diese neue Bauweise nicht verglichen wissen. „Hier soll ein moderner, wertiger Neubau entstehen“, sagt er.

Bei der Modulbauweise werden komplette Teile der neuen Häuser vorgefertigt und angeliefert. Eine Fünf-Raum-Wohnung würde beispielsweise aus drei Modulen bestehen. Teils sind darin Leitungen, Steckdosen oder Fliesen vorinstalliert. Auch die Tapete kann in einzelnen Räumen bereits an den Wänden kleben. In Bochum hat die Vonovia bereits eins dieser Häuser gebaut. Ein Video im Internet zeigt, wie schnell dort der Neubau entstand. Dabei werden zunächst die Bodenplatte, Treppenhaus und Aufzüge gebaut. Die Module werden daran angegliedert und miteinander verbunden. Ist der Putz an der Fassade, ist die spezielle Bauweise von außen nicht mehr zu erkennen. Drei Monate lang haben die Bauarbeiten gedauert. Dieser Zeitplan könnte auch in Dresden funktionieren, sagt der Sprecher.

Nach aktuellem Stand will der Großvermieter 15 Millionen Euro investieren. Auch in dieser Summe sieht der Vonovia-Sprecher einen Vorteil. Dank der Module könne preiswerter gebaut und dennoch attraktiver Wohnraum geschaffen werden. Das sollen auch die Mieter spüren. Die sollen für eine Wohnung Mieten im mittleren Preissegment zahlen. Wie viel das ist, will Max Niklas Gille noch nicht sagen. Derzeit kostet der Quadratmeter in Dresden im Schnitt 6,09 Euro Kaltmiete. Für Wohnungen in Neubauten sind durchaus über zehn Euro pro Quadratmeter kalt fällig.

Noch allerdings können die Arbeiter nicht beginnen. Die Stadtverwaltung hat bereits eine Teilbaugenehmigung erteilt. So kann das Grundstück bereits für den Bau vorbereitet werden. Um die komplette Zusage zu bekommen, müssen noch einige Fragen mit der Feuerwehr geklärt werden, teilt Stadtsprecher Karl Schuricht mit. Neben den drei Wohngebäuden sollen auch 27 Stellplätze gebaut werden.

Die Wohnanlage an der Reicker Straße soll nicht die einzige in Modulbauweise der Vonovia bleiben. Weitere Projekte in Dresden sind geplant, sagt Gille. Welche Stadtteile und Grundstücke er meint, lässt er offen. Die Stadt hat bereits einem weiteren Modulbau des Großvermieters im Jägerpark zugestimmt. Zwei anderen Wunsch-Standorten der Vonovia für solche Bauten stehen die Stadtplaner jedoch skeptisch gegenüber, sagt Karl Schuricht.

Mit ihrem Vorstoß zeigt der Bochumer Immobilienvermieter allerdings eine Möglichkeit, wie sehr schnell günstiger Wohnraum entstehen könnte. Ein Problem, mit dem Dresden in den kommenden Jahren zurechtkommen muss. Einer aktuellen Studie des Immobilienunternehmens Aengevelt zufolge müssten bis 2030 mehr als 52 000 zusätzliche Wohnungen gebaut werden, um den aufkommenden Bedarf zu decken. Dieser Berechnung liegt die Bevölkerungsprognose zugrunde. Demnach könnten bis 2025 bis zu 600 000 Menschen in der Stadt leben. 4 000 Wohnungen pro Jahr müssten also entstehen. Ein Ziel, dass die Stadt bisher nicht erreichen konnte. So wurden 2016 und 2017 jeweils nur 2 600 neue Wohnungen in Dresden gebaut, sagt Dresdens Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne).

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 23 Kommentare

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  1. Quatratisch, praktisch, schlecht

    Reick und Jägerpark sind die richtigen Standorte. Dort passen die Klötze hin. MEIN GOTT SIND DIE HÄSSLICH. Vielleicht sollte ausreichend Platz um diese "Häuser" gelassen werden, dann könnten sie, mit Zäunen und Mauern umgeben, als Vollzugsanstalten nachgenutzt werden.

  2. Tolkewitz

    Ist auf jeden Fall ein erster Gehversuch. Es sieht nicht besser, aber auch nicht schlechter aus, als anderswo. Schaue sich einer die Striesener Gärten an. Gebt den Häuseen etwas Farbe und unterschiedliche Gebäudegrundrisse. Dann kann es sich abheben. Interessant wird der Preis sein. Schade, dass man nicht konkreter wird. Bin gespannt ob Vonovia diese auch in Seidnitz/Tolkewitz auf dem Abrissgebiet baut. www.dresden-tolkewitz.de

  3. Weitsichtiger

    Sieht aus als bräuchten wir ganz schnell und billig 5 Millionen Wohnungen. Warum wohl ?

  4. franz

    In Mainz wurden ähnliche Objekte schon in den 80 iger Jahren gebaut. Also nichts neues. Ansicht und Zweck werden sicher in diesem Umfeld gut passen.

  5. AK

    83 Wohnungen und nur 27 Stellplätze ??? Wird Dresden denn nie schlau und merkt, dass Bewohner heute auch einen Platz für ihr Fahrzeug brauchen?

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