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Freitag, 29.12.2017

Von Offenburg zurück nach Hartha

Rund 530 Besucher nutzten den ersten Job- und Karrieretag. Der zog nicht nur Pendler an.

Von Maria Fricke

Petra und René Kaiser wollen aus Offenburg zurück nach Hartha. Den Job- und Karrieretag in Freiberg nutzte das Paar auch, um sich nach einer Stelle für Petra Kaiser als Mediengestalterin zu erkundigen.
Petra und René Kaiser wollen aus Offenburg zurück nach Hartha. Den Job- und Karrieretag in Freiberg nutzte das Paar auch, um sich nach einer Stelle für Petra Kaiser als Mediengestalterin zu erkundigen.

© André Braun

Hartha/Döbeln. Zurück in die Heimat hieß es Anfang des Jahres für René Kaiser und seine Frau Petra. Der gebürtige Harthaer lebt seit Februar wieder in der Region, will mit seiner Partnerin ein Haus umbauen und sanieren, in Hartha sesshaft werden. Neun Jahre hat der 39-Jährige mit seiner Frau in deren Heimat Offenburg gelebt. Nun der Wechsel zurück nach Mittelsachsen. „Wir wollten gern ein eigenes Häuschen haben. Aber das ist in Offenburg sehr teuer, der Markt an freien Immobilien ist sehr klein“, schildert Petra Kaiser.

Vor neun Jahren stand das Paar schon einmal vor der Entscheidung: Hartha oder München? „Wir haben uns damals für Offenburg entschieden, weil ich in Hartha keine Arbeit gefunden habe. In München wollten wir nicht leben, weil wir dort niemanden hatten. In Offenburg leben meine Eltern“, erklärt die 38-Jährige. Einen Job in der Region hat die zweifache Mutter bisher noch nicht. Aber: Die Prioritäten gegenüber damals hätten sich geändert. „Wir haben jetzt die Kinder“, sagt das Paar. Während der Familienvater in seinen Lehrbetrieb Rockhausen nach Waldheim zurück ist, sucht seine Frau noch einen Job als Mediengestalterin.

Überrascht von Besucherzahl

Genutzt hat sie dafür am Donnerstag den ersten Job- und Karrieretag Mittelsachsens in Freiberg. An die 40 Unternehmen boten im Tagungszentrum des Deutschen Brennstoffinstitutes ihre freien Stellen an. Mit dabei unter anderem die Firma Partzsch als einzige aus der Region Döbeln. „Die Veranstaltung ist gut angelaufen. Es waren einige Leute da. Das hatten wir so von der Anzahl her nicht erwartet“, sagt Manuela Nebe, Leiterin Personal bei Partzsch. Angesprochen worden seien sie und ihre Kollegin sowohl von Pendlern als auch von Arbeitssuchenden aus Mittelsachsen.

Auch für André Schliebe von der W & S Feinmechanik GmbH aus Geringswalde hat sich am Ende die Anfahrt gelohnt. „Es gab ein paar interessante Gespräche“, so der Geschäftsführer. „Wir werden sehen, ob sich daraus Bewerbungen ergeben.“ Die Idee des Job- und Karrieretages finde er „top“. „Die Frage ist nur, ob er in Freiberg richtig ist oder nicht.“ Schliebe nutze inzwischen zahlreiche Wege, um an Fachkräfte zu gelangen. Zwei bis drei Stellen habe er aktuell zu besetzen. Gesucht würden vor allem Dreher. „Wir nehmen auch Quereinsteiger“, betont Schliebe, der in seinem Unternehmen bereits Tischler und Maler umgeschult hat. Fast 60 Angestellte arbeiten derzeit für die Firma, die Präzisionsdrehteile für verschiedene Industriezweige herstellt. „Früher sind die Leute zu uns gekommen, heute müssen wir auf sie zukommen“, sagt Schliebe. Die Suche nach Fachkräften werde als mittelständisches Unternehmen auch dadurch erschwert, dass die größeren Firmen mehr Werbung betreiben. „Früher haben die nicht so gekämpft“, so Schliebes Eindruck.

Wie schwer es selbst für ein größeres Unternehmen ist, Mitarbeiter zu finden, machen Manuela Thiel und Manja Knüppel von der Richter Fleischwaren GmbH & Co. KG aus Oederan deutlich. „Für viele besteht die Schwierigkeit, die Öffnungszeiten in den Filialen mit dem Familienleben zu vereinbaren. Im Kaufland geht es da schon mal bis 21 oder 22 Uhr“, sagt Manuela Thiel. An über 140 Standorten bietet die Fleischerei ihre Produkte an. Filialen gibt es unter anderem in Döbeln, Waldheim, Leisnig und Hartha. Rund 800 Mitarbeiter sind für das Unternehmen tätig, davon 600 in den Filialen. „Zu 80 Prozent sind das Frauen. Die meisten davon mit Kind“, sagt die Fachberaterin und Ausbilderin. So gut es gehe, versuche die Fleischerei auf deren Bedürfnisse, wie Teilzeit, einzugehen, ergänzt Manja Knüppel, Mitarbeiterin Service und ebenfalls Ausbilderin. Den Job- und Karrieretag begrüßen die beiden Frauen als gute Ergänzung zum bestehenden Angebot, um um Fachkräfte zu werben. „Am Mittwoch waren wir zum Pendler-Aktionstag in Annaberg. Aber in Freiberg ist das natürlich besser, weil uns hier einfach jeder kennt“, sagt Manuela Thiel. „Wir hatten gehofft, dass viele das Angebot nutzen“, ergänzt sie. Viele Besucher hätten angehalten und ihre Fragen gestellt. „Darunter ein junger Mann, dessen Schwester zurzeit noch in Österreich ist, aber zurückkommen will“, sagt Manuela Thiel.

Die ersten Reaktionen der Besucher auf den Aktionstag sind durchweg positiv. Mitarbeiter der Regionalkammer Mittelsachsen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz haben Fragebögen zur Rückmeldung vorbereitet, sind mit den Besuchern ins Gespräch gekommen. „Viele sagen, es ist eine gute Sache hier“, so Jenny Göhler von der Regionalkammer. Auch, wenn nicht für jeden Besucher die geeignete Branche dabei gewesen ist. Isabel Falarczyk ist nicht so richtig fündig geworden. Die 35-Jährige kommt aus der Lebensmittelbranche, war zuletzt im Qualitätsmanagement tätig. Nach ihrem Umzug von Moers am Niederrhein nach Leisnig sucht sie eine neue Stelle. Den Job- und Karrieretag findet sie trotzdem eine gute Idee. Und auch die Anfahrt von Leisnig nach Freiberg habe sie nicht gestört.

Insgesamt haben nach Angaben der IHK rund 530 Besucher den Aktionstag genutzt. Die Veranstalter sind zufrieden. Alexander Eisenblätter von der Saxonia Standortentwicklungs- und –verwaltungsgesellschaft mbH verwies auf die zahlreichen auswärtigen Kennzeichen auf dem Parkplatz, die auf viele potenzielle Heimkehrer schließen lassen. Andrea Tippmer von der IHK in Freiberg ergänzt: „Viele junge Familien wurden durch die (Groß-)Eltern aus Mittelsachsen auf den Job- und Karrieretag aufmerksam gemacht.“ Angesichts der gelungenen Premiere wird nun der zweite Aktionstag zwischen Weihnachten und Neujahr 2018 geplant.

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