• Einstellungen
Donnerstag, 14.09.2017

Von der Lippe ist jetzt Youtuber

Fans von „Was liest du?“ können sich auf eine Fortsetzung freuen. Aber nicht im Fernsehen.

Von Ronja Münch

Ob Entertainer Jürgen von der Lippe im Internet ähnliche Erfolge verzeichnen wird wie im Fernsehen oder live, hier vor ein paar Jahren im ausverkauften Theater Meißen?
Ob Entertainer Jürgen von der Lippe im Internet ähnliche Erfolge verzeichnen wird wie im Fernsehen oder live, hier vor ein paar Jahren im ausverkauften Theater Meißen?

© Andreas Weihs

Eigentlich ist alles wie immer. Da sitzt er in seinem weit geschnittenen Hemd und lacht in sich hinein über die Witze, die er vorträgt. Doch Jürgen von der Lippe ist diesmal nicht in einer Fernsehshow zu sehen und auch nicht auf Tour. Sondern „exklusiv digital“, wie er selbst im August auf Facebook angekündigt hatte. „Lippes Leselust“ gibt es ausschließlich im Internet: auf Youtube. Die erste Folge zusammen mit Jochen Malmsheimer ist am Mittwoch erschienen, einige Tausend Menschen haben sie schon angesehen.

2014 wurde „Was liest du?“ zum letzten Mal vom WDR produziert. „Ich sehe nicht ein, dass es diese Sendung nicht mehr gibt. Das wunderbare Medium Buch muss überall, wo es geht, beworben werden“, sagte von der Lippe der Bild-Zeitung. Deswegen hat er sie selbst neu aufgelegt. Zusammen mit einem Gast liest der 69-Jährige aus Büchern vor und unterhält sich nebenbei. Allerdings mit 25 Minuten nur halb so lang wie früher, passend zur neuen Plattform. Von der Lippe und Malmsheimer lesen in der ersten Folge aus ihren Lieblingsbüchern erwartungsgemäß die schlüpfrigen und leicht sexistischen Passagen mit besonders großer Begeisterung. Drumherum gibt es weniger Gerede als von „Was liest du?“ gewohnt.

Der Comedian ist damit nicht der erste, der nach seiner Fernsehkarriere das Internet für sich entdeckt. Harald Schmidt kommentiert mit Videos bei Spiegel Daily das Weltgeschehen, der ehemalige Hobbythek-Moderator Jean Pütz produziert schrullige Facebook-Filmchen, Mario Barth gibt in Videos seinen Senf dazu.

Was von der Lippe macht, ist trotzdem anders. „Lippes Leselust“ ist professionell produziert, vor Publikum und mit eigenem Vorspann. Der Entertainer finanziert die neue alte Show selbst. Er will ganz bewusst auf Youtube aktiv werden. Keine selbst gedrehten, wackligen Handyvideos. Damit passt er einerseits zu erfolgreichen jungen Youtubern, die mittlerweile meist ebenfalls aufwendig produzieren. Andererseits ist er bis auf das Hemd weit weniger bunt und schrill. Eine Digital-Offensive im Rentenalter, das ist gewagt. Doch um Erfolg geht es nicht. „Die einen kaufen sich einen Oldtimer, ich mache eben so was“, sagte er.

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Ihr Kommentar zum Artikel

    Bitte füllen Sie alle Felder aus.

    Verbleibende Zeichen: 1000
    Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein