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Dienstag, 21.03.2017

Von der Bühne zum Film

Hans-Peter Struppe vom Görlitzer Theater spielt im „Zauberlehrling“ den Bäcker. Für den Sänger ist es nicht der erste Ausflug vor die Kamera.

Von Daniela Pfeiffer

Görliwood spielt zurzeit auch im Görlitzer Theater eine wichtige Rolle: Im Stück „Der Notenflüsterer“ geht es um die Noten von Filmmelodien, die der Grund sein sollen, warum Hollywood in Görlitz so oft dreht. Hans-Peter Struppe spielt hier den Görlitzer Ratsarchivar.
Görliwood spielt zurzeit auch im Görlitzer Theater eine wichtige Rolle: Im Stück „Der Notenflüsterer“ geht es um die Noten von Filmmelodien, die der Grund sein sollen, warum Hollywood in Görlitz so oft dreht. Hans-Peter Struppe spielt hier den Görlitzer Ratsarchivar.

© Beata Spychalska

Görlitz. Tapfer gefroren, fast den ganzen Tag. Aber so ist das beim Film. Warten, ist da oft das Motto. Trotzdem spielt Hans-Peter Struppe gern den Bäcker im Märchen „Der Zauberlehrling“, das gerade in Görlitz gedreht wird. Weil es ein Ausflug in andere berufliche Gefilde ist, ein Wechsel der Perspektiven, erzählt der Sänger, der seit fast 25 Jahren am Görlitzer Theater arbeitet.

Wäre er nicht gerade im Skiurlaub gewesen, hätte es vielleicht schon mit einer kleinen Nebenrolle bei „Der Hauptmann“ geklappt. An seinem ersten Arbeitstag nach dem Urlaub las er den Aushang im Theater: Casting für „Der Zauberlehrling“. „Eigentlich habe ich es zu spät gelesen“, erzählt der 51-Jährige. Dann aber rief Theaterkollege Michael Berner, der ebenfalls in dem Film mitspielt, ihn an, es würden noch Kleindarsteller gesucht. „Also bin ich am nächsten Tag hin, habe die Szene vorgespielt und wurde gleich in Kostüm und Maske geschickt“, so Struppe. Seinen ersten Einsatz als Bäcker hatte er nun auf dem Untermarkt – eben bei frostigen Temperaturen. In Strumpfhosen und Sandalen sei das nicht wirklich ein Vergnügen gewesen. Dafür war es eine warme Szene – die letzte des Films nämlich. Und wie es bei Märchen eben ist: es ist ein Happy End. „Mehr darf ich aber nicht verraten.“

Seinen zweiten Einsatz hat der Sänger bald in Bad Muskau, wo noch einige Szenen für den Film gedreht werden, den die Erfurter Kinderfilm GmbH für ZDF und MDR dreht. Dann geht es für Struppe in der Handlung wieder ein Stück zurück. „Einer der wesentlichen Unterschiede von Film und Theater: Beim Film müssen sich die Schauspieler emotional immer exakt an die Stelle denken, die gerade gedreht wird“, sagt er. „Auf der Bühne kann man den emotionalen Bogen, die Reise, die die Figur im Stück nimmt, ganz anders aufbauen.“ Andererseits gebe es in der Theatervorstellung auch nur den einen Versuch, Fehler seien nicht zu korrigieren. „Und wir haben natürlich das Live-Publikum, dessen Reaktion für unser Spiel entscheidend ist.“ Das möchte er auch nicht missen, deshalb sind und bleiben Ausflüge zum Film eben nur Ausflüge. „Außerdem bin ich Sänger, als Schauspieler würde ich mich nie bezeichnen.“

Lustigerweise führen die Ausflüge zum Film Hans-Peter Struppe oder Struppi, wie ihn seine Fans nennen, oft in Uniform-Rollen. Das war schon bei seiner ersten Besetzung als Kleindarsteller so. Anfang der 1990 er Jahre wandte sich der britische Fernsehsender BBC ans Theater, man suchte für die Jugendserie „Orange Hill“ einen Grenzbeamten, der in seinem Englisch einen klaren deutschen Akzent hatte. „Da ich gar kein Englisch konnte, war das mit dem Akzent kein Problem“, sagt Struppe amüsiert. Beim Dreh wurde jeweils eine Spur der damals noch geschlossenen Grenze zu Polen geöffnet. „Meine Uniform durfte man nur direkt zum Drehen sehen, dazwischen hatte ich etwas drüber. Trotzdem fanden mich die Leute so echt, dass mir ständig einer den Ausweis zeigte.“ Gesehen hat Struppe die Serie nie.

„Goethe“ dagegen schon. Für den 2009 in Görlitz gedrehten Film gab er Hauptdarstellerin Miriam Stein Gesangsunterricht. Struppe, selbst Bariton, unterrichtete unter anderem an der Hochschule für Kirchenmusik wie auch an der Musikschule in Görlitz. „Sie musste im Film in einem Chor die Bach-Kantate singen und ihre Stimme sollte herausstechen“, erinnert er sich. Sie hat es gut hinbekommen, so sein Fazit.

Der nächste Ausflug zum Film dann wieder uniformiert: Für die ZDF-Doku „Nacht über Deutschland“ und deren Fortsetzung stand er 2013 und 2014 – mit Theaterkollegen Stefan Bley – vor der Kamera. „Ich war Oberst der Luftwaffe und habe den Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Mit dem Satz: Wir greifen an, es ist so weit.“

Eine uniformierte Rolle wird es auch im Theater nun wieder: Im Stück „The Producers“, das am 20. Mai Premiere hat, spielt Hans-Peter Struppe einen Nazi. „Dafür muss ich noch den bayrischen Dialekt üben, mal sehen, ob ich hier in Görlitz jemanden finde, der da helfen kann.“ Zurzeit läuft außerdem ein Stück, mit dem der Sänger die Brücke zwischen Theater und Film schlagen kann: „Der Notenflüsterer“, bei dem ein Geheimnis gelüftet werden soll: „Mit vielen bekannten Melodien erzählt ’Der Notenflüsterer‘ von sensationellen Geheimdokumenten, einem findigen Stadtarchivar und der wahren Geschichte hinter Görliwood“, schreibt das Theater. Diesen Stadtarchivar gibt Struppe. Frieren muss er da nicht. Warten auch nicht.

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