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Mittwoch, 03.01.2018

Von Benno zu Barlach

Dank eines Heiligen war 2017 für die Albrechtsburg ein erfolgreiches Jahr – auch 2018 verspricht Spannendes.

Von Udo Lemke

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Ernst Barlachs 1928 geschaffene Plastik „Der singende Mann“ und Stadtansichten des Hamburger Malers Alexander Dettmar werden von April bis Juni in der Sonderausstellung „Zwiesprache“ auf der Albrechtsburg zu sehen sein.
Ernst Barlachs 1928 geschaffene Plastik „Der singende Mann“ und Stadtansichten des Hamburger Malers Alexander Dettmar werden von April bis Juni in der Sonderausstellung „Zwiesprache“ auf der Albrechtsburg zu sehen sein.

© Montage: SBG

Uwe Michel leitet die Albrechtsburg. Unter seiner Führung liefen Gebäudesanierung und Aufbau der Dauerausstellung.
Uwe Michel leitet die Albrechtsburg. Unter seiner Führung liefen Gebäudesanierung und Aufbau der Dauerausstellung.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Die Albrechtsburg gehört zwar dem Freistaat Sachsen, trotzdem ist sie das Wahrzeichen Meißens und eng mit der Stadt verbunden. Burgchef Uwe Michel wünscht sich, dass die Beziehung noch enger wird, lässt das Jahr Revue passieren und blickt voraus.

Herr Michel, wie sehen Sie das Jahr 2017 für die Albrechtsburg?

Nimmt man allein die Besucherzahlen, dann war es ein erfolgreiches Jahr für uns. Wir haben 125 000 Gäste auf der Burg gezählt, das ist ein Plus von neun Prozent im Vergleich zu 2016. Zu verdanken ist das natürlich der Sonderausstellung „Ein Schatz nicht von Gold. Benno von Meißen – Sachsens erster Heiliger“, die allein 60 000 Besucher angezogen hat. Im Rahmen der Lutherfeierlichkeiten ist das ein gutes Ergebnis. Viele Institutionen hatten sich für ihre Ausstellungen mehr Publikum gewünscht. Wir sind mit unseren Erwartungen konservativ herangegangen und so positiv überrascht worden.

Die Benno-Schau war für 2017 die zentrale Ausstellung der sächsischen Schlösserverwaltung, zu der die Albrechtsburg gehört. Was kommt nun 2018?

Eine solch große Schau, wie die zum Heiligen Benno kann ein Schloss nicht allein ausrichten. Dazu werden Museologen aus anderen Einrichtungen zusammen gezogen und außerdem noch externe Fachleute engagiert. Die beiden Sonderausstellungen im kommenden Jahr werden wir mit unserem eigenen Personal bestreiten. Den Auftakt macht von April bis Juni „Zwiesprache“. Sie zeigt Meißner Stadtansichten des Hamburger Künstlers Alexander Dettmar und Plastiken von Ernst Barlach (1870 – 1938). Es werden 25 Plastiken von Barlach zu sehen sein, der ja in den 1920er Jahren auch für die Porzellan-Manufaktur Meissen unter ihrem Direktor Max Adolf Pfeiffer tätig war. Wir hoffen, in Zusammenarbeit mit der Manufaktur, Barlachs Arbeiten aus Böttgersteinzeug zeigen zu können. Was Alexander Dettmar betrifft, so malt er extra für die Ausstellung Meißner Stadtansichten, daneben sind etwa 60 Architekturensembles anderer deutscher Städte von ihm zu sehen, die mit Barlachs Figuren korrespondieren.

Was wird die zweite Sonderausstellung in Ihrem Hause zeigen?

Zeitgenössisches Porzellan. Vom 12. August bis zum 4. November findet auf der Burg die 2. Internationale Porzellanbiennale in Kooperation mit dem Verein zur Förderung zeitgenössischer Porzellankunst. Meißen statt. Die erste Biennale 2016 ist auf großes Interesse gestoßen, und wir hoffen, dass das auch im kommenden Jahr so sein wird. Die Albrechtsburg fühlt sich traditionell dem zeitgenössischen Kunstschaffen verbunden, was wir mit zahlreichen Ausstellungen in der Vergangenheit gezeigt haben. Die Porzellanbiennale ist eine wunderbare Möglichkeit zu zeigen, dass sich Porzellan nicht nur für Tisch und Tafel eignet, sondern auch ein Werkstoff ist, mit dem man experimentieren kann, der sich als Material der Kunst eignet. Namhafte nationale und internationale Künstler werden ihre Schöpfungen präsentieren. Damit knüpft die Albrechtsburg ja auch an ihre eigene Geschichte als erste Porzellanmanufaktur Europas an.

Mit einem Kabinett zu den Gewölben der Albrechtsburg ist 2016 die Dauerausstellung abgerundet worden. Gibt es trotzdem Neues zu berichten?

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Ja, nach acht Jahren wollen wir unsere Multimedia-Stationen überarbeiten. Wir haben zum Beispiel mit die ersten Touchscreenes im Museum eingesetzt und inzwischen ist die Technik weiter vorangeschritten. Die 1875 von Paul Kießling im Böttgerzimmer geschaffenen Wandmalereien – sie zeigen etwa, wie Böttger dem Kurfürsten erklärt, dass er angeblich Gold machen kann – sind fertig konserviert worden und werden nach der Winterpause wieder zu sehen sein. Sie sind besonders bei unseren asiatischen Gästen beliebt.

Was wäre zu den Veranstaltungen auf der Albrechtsburg zu sagen?

Höhepunkt sind die Burgfestspiele vom 16. bis 30. Juni. Die Landesbühnen werden „Das Geheimnis der Hebamme“ nach dem Bestseller von Sabine Ebert am authentischen Ort aufführen, der Kreuzchor wird im Burghof singen und zum Abschluss gibt es traditionell zwei Aufführungen des „Jedermann“. Im Januar geht der Kartenvorverkauf an den bekannten Stellen los.

Für die jungen Besucher des Schlosses haben Sie noch eine Ankündigung.

Wir werden die Eintrittspreise senken. Mussten Kinder zwischen sechs und 16 Jahren bislang 3,50 Euro zahlen, so wird es künftig nur noch ein Euro sein. Wir wollen damit vor allem Schulklassen entgegenkommen, die ja nicht nur den Eintritt, sondern oft auch noch die Anreise zu bezahlen haben.

Interview: Udo Lemke

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