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Mittwoch, 16.05.2018

Von Begehrten und Enttäuschten

Sechs Spieler hat Dynamo schon verabschiedet. Doch wie viele werden noch folgen? Und bleiben die Leistungsträger?

Von Tino Meyer

Die Fans freuen sich – Aias Aosman (in der Mitte mit Kappe) nicht. Dass der Mittelfeldspieler zuletzt in Aue im Fanblock statt auf dem Spielfeld stehen musste, hat ihm ganz sicher nicht gefallen. Dass er Dynamo verlassen will, hat er schon signalisiert.
Die Fans freuen sich – Aias Aosman (in der Mitte mit Kappe) nicht. Dass der Mittelfeldspieler zuletzt in Aue im Fanblock statt auf dem Spielfeld stehen musste, hat ihm ganz sicher nicht gefallen. Dass er Dynamo verlassen will, hat er schon signalisiert.

© Robert Michael

Die Aussage ist deftig. Aber als Kapitän, erst recht nach dieser Saison, darf sich Marco Hartmann so einen Satz vermutlich straffrei erlauben. „Ohne den Jungs zu nahe zu treten“, meint er auf die Frage zu den sechs Spielern, die an diesem Donnerstag ihren letzten Arbeitstag für Dynamo Dresden bestreiten, „der Qualitätsverlust vergangene Saison war größer.“ Rumms, das hat gesessen – stimmt aber.

Die Abgänge von Stefan Kutschke, Marvin Stefaniak und Akaki Gogia vor ziemlich genau einem Jahr hat Dynamo nicht wirklich kompensieren können. Die Frage muss deshalb in diesen Tagen vielmehr lauten: Droht den Dresdnern erneut der Verlust von Leistungsträgern – und damit der nächste ungewollte Umbruch? Die Sächsische Zeitung macht den Kadercheck.

Die Verabschiedeten

Das Prozedere war kurz und knapp. Direkt im Anschluss an die deprimierende Niederlage gegen Union Berlin hat der Verein mit Blumen, einer Fotocollage und warmen Worten den Abgang von sechs Spielern bekanntgegeben. Einzig Mittelfeldakteur Manuel Konrad, der eine Vertragsverlängerung um drei Jahre ablehnte, sowie Innenverteidiger Marcel Franke hätte Interimsgeschäftsführer Kristian Walter gern gehalten. Bei Franke lief aber die auf ein halbes Jahr begrenzte Ausleihe vom englischen Zweitligisten Norwich aus – und eine Verpflichtung des gebürtigen Dresdners kann sich der Verein schlicht nicht leisten.

Eine Weiterbeschäftigung der ebenfalls ausgeliehenen Marvin Schwäbe (Hoffenheim) und Paul Seguin (Wolfsburg) lehnte wiederum Dynamo ab. Auch die auslaufenden Verträge der in der Rückrunde kaum noch berücksichtigten Andreas Lambertz sowie Fabian Müller sollten nicht verlängert werden.

Die Begehrten

Bei sechs Abgängen wird es allerdings nicht bleiben. Denn trotz des sportlich enttäuschenden Saisonverlaufs haben sich mindestens vier Spieler längst in den Fokus anderer Vereine gespielt, allen voran Niklas Hauptmann. Der Vertrag des 21-jährigen Toptalents gilt zwar bis 2020, doch die Bundesligisten Hoffenheim und Freiburg haben großes Interesse signalisiert. Tendenz: Hauptmann bleibt ein weiteres Jahr.

Gleiches meint Geschäftsführer Walter auch zu Haris Duljevic und Moussa Koné, die mit ihren Fähigkeiten immer wieder herausragten. Beide haben langfristige Verträge in Dresden unterschrieben, könnten also nur gegen eine Millionen-Ablöse den Verein wechseln. Ein solches konkretes Angebot hat es für Philip Heise bereits vor einem Jahr vom englischen Zweitligisten Wolverhampton gegeben. Nur verweigerte Dynamo dem Linksverteidiger mit Vertrag bis 2019 bislang die Freigabe. Das dürfte in dieser Sommerpause anders sein.

Die Enttäuschten

Darüber hinaus gibt es in einer wenig begeisternden Saison besonders unzufriedene Spieler. Dazu zählt allen voran Aias Aosman. Der Spielmacher hat mehrfach signalisiert, dass er sich mit einem Platz außerhalb der Stammelf kaum anfreunden will und offenbar auch kann. Am liebsten hätte er Dynamo schon im Herbst verlassen, sein Wechsel in den Nahen Osten scheiterte jedoch an Formalitäten. Eine vorzeitige Auflösung seines bis 2019 datierten Vertrages dürfte inzwischen auch in Dynamos Interesse liegen. Aosmans sportliche Entwicklung stagnierte, zudem fiel er schon häufiger mit disziplinarischen Fehltritten auf. Etwas anders verhält es sich bei Peniel Mlapa und Patrick Möschl.

Auch sie gehören zu den Enttäuschten, konnten sich bislang nicht durchsetzen. Speziell Möschl (Vertrag bis 2019) kam auf lediglich elf Spiele und in der Rückrunde gar nicht zum Einsatz. Dagegen hatte Mlapa, dessen Vertrag bis 2020 läuft, zunächst nicht wirklich in das laufintensive Spielsystem mit einem Stürmer gepasst. Er scheint mit dem rechten Mittelfeld aber nun eine weitere Position gefunden zu haben.

Und alle anderen

Nicht, dass zum Beispiel Pascal Testroet mit seiner Reservistenrolle im letzten Saisonspiel nicht auch unzufrieden gewesen wäre. Außerdem soll Jannik Müller auf dem Wunschzettel bei Erstliga-Absteiger Köln stehen. Diese beiden und weitere elf Spieler sollen und werden – Stand jetzt – bei Dynamo bleiben. Darunter befinden sich mit Hartmann, Sören Gonther und Florian Ballas drei erfahrene Zweitliga-Profis.

Zudem gibt es mit Sascha Horvath und Lucas Röser zwei junge Spieler mit weiterem Entwicklungspotenzial – was noch viel mehr für das große Nachwuchstalent Vasil Kusej gilt. Offen ist indes, inwieweit sich Spieler wie Niklas Kreuzer, Erich Berko und Rico Benatelli steigern können.

So oder so, es besteht Handlungsbedarf, zumal auch Trainer Uwe Neuhaus Verstärkungen gefordert hat. Dynamo braucht definitiv einen neuen Torwart, ob als Nummer eins vor oder Nummer zwei hinter Markus Schubert ist dabei das entscheidende Kriterium. Außerdem fehlt es sowohl an mindestens einem Innen- und Außenverteidiger sowie einer Alternative für Hartmann im defensiven Mittelfeld. Auch in der Zentrale werden dringend Verstärkungen benötigt, idealerweise Spieler mit Tempo und Torgefährlichkeit. Nur sucht die eben nicht nur Dynamo.

Ein Neuzugang steht nach SZ-Informationen jedoch schon fest und könnte in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden.

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