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Samstag, 30.12.2017 Glossiert

Vom Blitz getroffen

SZ-Redakteur Jürgen Müller über einen ganz bösen Raser.

SZ-Redakteur Jürgen Müller
SZ-Redakteur Jürgen Müller

© Claudia Hübschmann

Ich bin ein böser, gewissenloser Raser. Das habe ich jetzt Schwarz auf Weiß. Pünktlich einen Tag vor Weihnachten lag das Schreiben des Landratsamtes Meißen im Briefkasten. Drin die Quittung für einen „Eilzuschlag“ auf dem Weg zur Arbeit. Denn ich wurde vom Blitz getroffen.

Mit sagenhaften 59 Kilometern pro Stunde bin ich gerast, wo doch dort nur 50 erlaubt sind. Dort, an dieser abschüssigen Stelle der B6 in Zehren, wo man auch ohne Gas zu geben automatisch ein bisschen schneller wird, als Kraftfahrer ohnehin glaubt, außerhalb der Ortschaft zu sein. Dort, wo nie ein Unfallschwerpunkt war. Dort, wo es keine Schule, keinen Kindergarten, kein Krankenhaus, kein Altenheim, nicht mal ein Haus gibt. Dort, wo weder Fußgänger noch Radfahrer entlang kommen können, weil es für sie einen separaten Weg gibt, weit weg von der Straße.

Genau dort hatten die gestrengen Hüter des Gesetzes auf einer Leitplanke ihr unbestechliches Messgerät mit dem blöden roten Blitz platziert, das dazugehörige Fahrzeug geschickt getarnt. Übrigens: Gut 100 Meter von der Stelle entfernt, an der mich der Blitz aus heiterem Himmel traf, wird per Schild die Geschwindigkeit auf 50 reduziert. Darf man bis dahin also schneller fahren? Nee.

Doch warum steht dann dieses Schild? Nutzen die knallharten Kontrolleure etwa diese unklare Situation schamlos aus? Nein, das kann nicht sein, das wäre ja Wegelagerei. Und so habe ich die 15 Euro artig bezahlt. Schließlich weiß ich ja, dass Geschwindigkeitskontrollen laut Ordnungswidrigkeitengesetz ausschließlich der Verkehrssicherheit und nicht fiskalischen Interessen dienen dürfen. Eine Bitte habe ich aber doch noch zum Jahresende.

Bitte, bitte, liebe Landratsämtler, schreibt mich mit auf eure Sponsorenliste für euer neues, teures, bomforzionöses Landratsamtsgebäude!

E-Mail an Jürgen Müller