• Einstellungen
Samstag, 02.09.2017

Virtuelle Assistenten

Künstliche Intelligenz soll sich Wissen selbst beibringen – und gefährdet viele Routinejobs.

Von Tobias Hanraths

Alexa in Amazons Echo löst bereits kleine Alltagsaufgaben. Doch die Entwicklung geht weiter.Foto: dpa/Franziska Gabbert
Alexa in Amazons Echo löst bereits kleine Alltagsaufgaben. Doch die Entwicklung geht weiter. Foto: dpa/Franziska Gabbert

© dpa-tmn

Ein schmuckloses Gerät, eine schnelle Frage und eine mehr oder weniger hilfreiche Antwort: Was virtuelle Assistenten wie Siri, Alexa, Bixby und Cortana tun, wirkt auf den ersten Blick zwar nicht sehr spektakulär. Doch damit das so klappt, war jede Menge Arbeit nötig. Und die Entwicklung geht weiter. Für manche Berufe könnte sich durch die Assistenten einiges ändern.

„Wir haben die Systeme mit Hunderten von Stunden von Sprachdaten trainiert, in verschiedenen Dialekten, von über tausend Sprechern aus ganz Deutschland“, sagt Professor Wolfgang Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). „Rund 80 000 Dialogbeiträge haben Wissenschaftler massenhaft per Hand transkribiert, Millionen hat das gekostet.“ Spracherkennung war nicht das Einzige, was Menschen der
künstlichen Intelligenz erst mühsam beibringen mussten. Noch unterhalten sich Nutzer nicht mit Siri oder Cortana. Stattdessen sind Fragen und Kommandos von Menschenhand mit Funktionen verknüpft. Doch in Zukunft könnten sie sich neues Wissen selbst beibringen. Experten sprechen von maschinellem Lernen. Grundlage dafür sind riesige Datenmassen, die eine künstliche Intelligenz selbstständig aufbereitet und analysiert. Die daraus abgeleiteten Funktionen könnten mittel- bis langfristig viel komplexer sein als heute. Statt „Wie wird das Wetter?“ könnte die Frage also „Welche Versicherung lohnt sich für mich?“ lauten. So würden nicht nur die Trainer von Siri, Cortana und Co. überflüssig. Langfristig könnten die Assistenten auch andere Arbeitsmärkte aufmischen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass es solche Assistenten in Zukunft auch bei Bürotätigkeiten gibt, die Routine-Mails sortieren und sogar beantworten“, sagt Lucia Falkenberg, Personalexpertin beim Verband der Internetwirtschaft eco. Wären Alexa und Co. damit im Büro das, was der Roboter in der Fabrik ist: das Schreckgespenst, das dem Menschen erst die Arbeit und schließlich den ganzen Arbeitsplatz wegnimmt? Die Antwort darauf lautet: ja und nein. „Reine Routinejobs sind durch den Siegeszug der künstlichen Intelligenz tatsächlich gefährdet“, sagt Wahlster. Von solchen Umwälzungen könnten große Krankenversicherungen oder Banken betroffen sein, aber auch kleinere Arbeitgeber wie Anwalts- oder Steuerberaterbüros. Im Idealfall könnte Arbeiten sogar angenehmer werden, weil mehr Zeit für Kreatives bleibt. So könnte es auch im Journalismus laufen. Erste Versuche für das voll automatisierte Produzieren und Verteilen von Nachrichten mithilfe künstlicher Intelligenz gibt es bereits. Nur Robo-Redakteure kann sich Wahlster aber nicht vorstellen. Die würden keinen Qualitätsjournalismus ausmachen. Vielleicht schafft künstliche Intelligenz auch neue Jobs, zum Beispiel in der Position des Assistenten-Dolmetschers beim Steuerberater. Denn um die neuen Technologien nutzen zu können, muss man sie verstehen. MINT-Fachkräfte können so also auch in Kanzleien, Redaktionen oder bei Versicherungen anheuern. (dpa)

Desktopversion des Artikels