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Dienstag, 13.02.2018

Viertelfinal-Aus für Anna Seidel

Die 500 Meter sind ihr einfach zu kurz. Nach einem schlechten Start scheidet die Dresdner Shorttrackerin im Viertelfinale aus. In einem turbulenten Finale gewinnt die Italienerin Fontana.

Von Michaela Widder

Anna Seidel nach dem Lauf.
Anna Seidel nach dem Lauf.

© Peter Kneffel/dpa

Pyeongchang. Den einzigen Ort mit echter Begeisterung für Olympia wollte Anna Seidel eigentlich nicht gleich nach dem ersten Rennen am Dienstag verlassen. Nur knapp 44 Sekunden dauerte der Auftritt im bebenden Oval der Eisarena Gangneung, und die Dresdnerin schied über 500 Meter im Viertelfinale aus. „Es war leider so schnell vorbei. Irgendwie war der Wurm drin“, sagte sie und suchte nach einer Erklärung: „Keine Ahnung, ob ich nicht hundert Prozent da war oder doch zu aufgeregt.“

Ihr Rennen war schon gelaufen, als es losging. Seidel verpatzte den Start. Doch darauf kommt es bei der kürzesten Distanz im Shorttrack besonders an. „Ich hatte das Gefühl, ein Problem mit meiner Schiene zu haben, was mich im Kopf blockiert hat“, erklärt sie. Jeder Gedanke daran in so einem Moment ist fatal, das weiß sie, und trotzdem kann sie ihn nicht verdrängen. „Wenn man anfängt, an so was zu denken, ist es schon vorbei – erst recht bei dem Tempo.“

Der Bonus des Kükens ist weg

Die beiden Führenden stürzten – aber zu spät. Sie rutschten über die Ziellinie, bevor Seidel ihnen noch gefährlich werden konnte. Auch wenn die 500 Meter nicht ihre Lieblingsstrecke sind, unzufrieden war die 22-Jährige danach dennoch.

Den Bonus des Kükens, als sie 2014 in Sotschi unbeschwert startete, hat sie bei ihren zweiten Spielen nun nicht mehr. „Vielleicht hat die kleine Zerrung doch im Kopf eine Rolle gespielt“, meinte der Dresdner Stützpunkttrainer Daniel Zetsche. Für Seidel selbst war sie erst kein Thema. „Ich weiß gar nicht, ob ich das sagen darf“, überlegt sie kurz und erzählt dann von der Adduktoren-Zerrung, die sie sich durch die vielen Starts wahrscheinlich zuletzt im Training zugezogen habe. Für die beiden ausstehenden Rennen über 1 000 und 1 500 Meter sieht sie keine Gefahr. „Ich werde gut betreut, wird alles.“

Auch mit dem Druck, hofft Seidel, kann sie bei ihrem nächsten olympischen Auftritt am Freitag besser umgehen. Die Aufregung war diesmal nämlich nicht weniger als bei der Premiere, und sie vermutet, dass es ihr in vier Jahren „noch schlimmer“ ergehen könnte, „weil ich dann hoffentlich mehr Chancen nach vorne habe“.

Anders als zu Hause, wo Seidel oft sieben Stunden trainiert, stehen in Gangneung nur kurze Einheiten auf dem Programm. „Da haben wir schon viel Freizeit und können über alles mehr nachdenken.“ Die Krux daran: Seidel ist nicht der Typ, sich den ganzen Tag nur mit ihrem Sport auseinanderzusetzen. Und gerade Olympia bietet die Möglichkeit, über den eigenen sportlichen Tellerrand hinauszublicken. „Wir wollten gerne andere Sportarten anschauen, aber der Verband erlaubt uns das nicht, bis wir fertig mit unseren Wettkämpfen sind“, sagt Seidel. Sie spricht von „Differenzen“, aber man müsse die Entscheidung „respektieren, akzeptieren oder so“. Trainer Zetsche erklärte die Entscheidung: „Wir sind der Meinung, dass man sich auf die eigenen Wettkämpfe fokussieren soll. Wir sind hier, um Top-Leistung abzurufen“, meinte er – und „da ist es ja nicht förderlich, bei minus 15 Grad draußen an der Skipiste zu stehen.“

Dabei ging es Seidel vermutlich gar nicht darum, abends eine Stunde in die Berge zu fahren und sich das Skispringen bei klirrender Kälte anzuschauen. Doch die große Halle, in der die Eisschnelllauf-Wettbewerbe stattfinden, ist nur zehn Minuten zu Fuß entfernt. „Es gibt noch zwei, drei Tage nach den Events. Da werden die Athleten die Zeit bekommen“, erklärt Zetsche.

Um die bislang beste Stimmung bei diesen Winterspielen zu erleben, brauchen die Shorttracker ihre Halle ohnehin nicht zu verlassen. Als im Finale die Südkoreanerin Choi Minjeong im Fotofinish um eine Viertelkufenlänge von der Italienerin Arianna Fontana besiegt wurde, war es in der mit 12 000 Zuschauern ausverkauften Arena so laut wie in Dresden beim Stadionkonzert von Helene Fischer. Die anschließende Disqualifikation von Choi ging im Jubel fast unter. „Was cool ist in Korea: Sie feuern alle an – auch bei anderen Läufen“, sagt Seidel, und sie will dem Publikum auf den zwei ausstehenden Strecken noch Grund zum Jubeln geben. Zumindest drei persönliche Unterstützer sind dann gewiss. Ihre Eltern und ihr Bruder landen am Donnerstag in Seoul und sind am Freitag live dabei. Seidel hofft dann auf einen besseren Start.

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