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Dienstag, 21.03.2017

Verunsicherung nach Ende der Stallpflicht

Das Geflügel darf wieder ins Freie – aber nicht überall. Für den Gänse-Nachwuchs könnte es ohnehin zu spät sein.

Von Stephan Klingbeil und Christian Eissner

Matthias Friebel züchtet im Rabenauer Ortsteil Lübau Seidenhühner. Seit vorigem November waren sie wegen der Stallpflicht eingesperrt. Jetzt dürfen die Tiere wieder ins Freie.
Matthias Friebel züchtet im Rabenauer Ortsteil Lübau Seidenhühner. Seit vorigem November waren sie wegen der Stallpflicht eingesperrt. Jetzt dürfen die Tiere wieder ins Freie.

© Andreas Weihs

Freital. Das Federvieh kann raus: Die seit vorigem November geltende allgemeine Stallpflicht in Sachsen ist aufgehoben. In Abstimmung mit dem Sozialministerium hat die zuständige Landesdirektion Sachsen das am Montag per Allgemeinverfügung festgelegt. Nach Veröffentlichung auf der Internetseite der Landesdirektion am Montagnachmittag gilt die Stallpflicht nicht mehr.

Doch Geflügelzüchter müssen trotzdem genau aufpassen, denn nicht überall ist die Stallpflicht aufgehoben. „In noch bestehenden Sperrbezirken und Beobachtungszonen gilt sie weiterhin“, betont Ministeriumssprecherin Annett Hofmann. Das bestätigt Benita Plischke, Amtstierärztin für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgbirge.

Nach Vogelgrippe-Fällen in Dresden sind Orte nahe der Landeshauptstadt im Landkreis nach wie vor Beobachtungsgebiet. Betroffen sind unter anderem Teile der Gemeinden Wilsdruff, Tharandt, Freital, Rabenau, Kreischa, Müglitztal, Dohna, Heidenau, Pirna, Lohmen und Dürrröhrsdorf-Dittersbach. Hier darf das Geflügel noch nicht aus den Ställen. Wann der Beobachtungsstatus aufgehoben wird, hänge von der Stadt Dresden ab, sagt die Amtstierärztin. Ein genauer Zeitpunkt war am Montag noch nicht abzusehen.

50 Ordnungsverfahren eingeleitet

Die Entscheidung zum Ende der allgemeinen Stallpflicht hängt mit dem aktuellen Rückgang der Vogelgrippe-Fälle zusammen. Im Freistaat gab es bisher 108 Geflügelpest-Fälle, im hiesigen Landkreis wurden acht amtliche Ausbrüche festgestellt.

Zuletzt waren immer mehr kritische Stimmen bezüglich der Stallpflicht laut geworden, vor allem von Geflügelzüchtern. Doch das Amt blieb hart. Wer sich nicht an die Stallpflicht hielt, musste mit Restriktionen rechnen. Laut Landratsamt sind bisher rund 50 Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Halter eingeleitet worden, und es wurden 25 Bußgeldbescheide ausgestellt.

Grund für den Protest der Geflügelhalter war nicht nur die Enge in den Ställen, die den normalerweise frei laufenden Hühnern, Enten und Gänsen zu schaffen machte und viele Züchter dazu zwang, ihre Bestände teils drastisch zu reduzieren. Ein Ende der Stallpflicht hatten die Züchter zuletzt auch vehement gefordert, weil bei Enten und Gänsen dieses Jahr Nachwuchsmangel droht. Die Tiere brauchen eine Wasserfläche, damit es mit der Befruchtung klappt. Und die Zeit dafür ist eigentlich schon vorbei. „Wir befürchten, dass in vielen Gelegen unbefruchtete Eier liegen“, sagt Andre Behrendt, Vorsitzender des Kreisverbands Pirna der Rassegeflügelzüchter. Weihnachtsgänse aus regionaler Zucht könnten dieses Jahr rar werden.

Generell ist Behrend froh, dass die Zeit der allgemeinen Stallpflicht vorüber ist, ebenso wie Matthias Friebel, der Vorsitzende des Rassegeflügelzüchter-Kreisverbands im früheren Weißeritzkreis. Auch er hatte die Stallpflicht heftig kritisiert.

Friebel züchtet Seidenhühner, etwa 30 Tiere sind derzeit in einer Voliere untergebracht. Ihm ist wie anderen Züchtern der Erhalt von alten Rassen wichtig. Sie sind Kulturgut, sagt Friebel. „Ohne Bewegung im Freien geht es den Tieren schlecht.“ Auch Hühnerzüchter zögerten bisher mit der Zuchtplanung fürs laufende Jahr. „Die Jungtiere brauchen nach dem Schlüpfen Platz“, erklärt Matthias Friebel. Solange die Stallpflicht bestand, fehlten Perspektiven. „Da schafft sich keiner neue Hühner an“, sagt der Rentner.

Schon wieder Verdachtsfall

Unterdessen hat Amtstierärztin Benita Plischke eine weitere schlechte Nachricht. Ein bei Bad Schandau gefundener toter Wildvogel wird derzeit wegen des Verdachts auf Geflügelpest untersucht. Sollte sich die Infektion bestätigen, muss ein neues Sperr- und Beobachtungsgebiet rund um Bad Schandau eingerichtet werden.

„Solange das Virus in der Region ist, sind diese strengen Maßnahmen auch angebracht“, sagt die Amtstierärztin. Ein Übergriff auf Nutzgeflügel müsse verhindert werden. „Wir möchten es nicht soweit kommen lassen, dass am Ende noch Bestände getötet werden müssen.“ Das Untersuchungsergebnis erwartet das Veterinäramt im Laufe der Woche.

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