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Mittwoch, 13.09.2017

Verschollen in Klipphausen

Familie Eichler will nur schnell einen Brief am Gemeindeamt einstecken – erst sieben Stunden später ist sie wieder zu Hause.

Von Udo Lemke

In der Großgemeinde Klipphausen gab es drei Talstraßen. Inzwischen sind zwei umbenannt, um ein Adressenchaos zu vermeiden. Das scheint sich aber nicht bis zum ADAC rumgesprochen zu haben, sodass Familie Eichler Stunden auf den Pannendienst warten musste.
In der Großgemeinde Klipphausen gab es drei Talstraßen. Inzwischen sind zwei umbenannt, um ein Adressenchaos zu vermeiden. Das scheint sich aber nicht bis zum ADAC rumgesprochen zu haben, sodass Familie Eichler Stunden auf den Pannendienst warten musste.

© Claudia Hübschmann

Klipphausen/ Robschütz. Der türkisfarbene Kleinwagen steht vor der Gemeindeverwaltung, als würde der Fahrer den ganzen Platz für sich beanspruchen, oder als wäre es ihm nicht ganz gelungen, das Fahrzeug gerade neben den anderen zu parken. Nichts von beidem ist wahr. Doch in anderer Hinsicht ist die Geschichte um den Pkw der Familie Eichler aus Robschütz wahr. Und die geht so: „Angehalten, nur um einen Brief in den Postkasten unserer Gemeindeverwaltung zu werfen, versagte am 1. September unser bis dahin stets zuverlässiges Familiengefährt beim Start vom Schlosshof.“

Daraufhin bittet Juliane Eichler an diesem Freitag gegen 11.15 Uhr die freundliche Mitarbeiterin im Meldeamt der Gemeindeverwaltung, von dort aus den ADAC-Pannendienst anzurufen. „Bleiben Sie bitte unbedingt am Auto. In cirka 60 Minuten ist unser Pannenhelfer bei Ihnen“, verspricht die Dame am anderen Ende der Strippe. Juliane Eichler, ihr Mann sitzt am Steuer des Autos, wartet vergeblich bis 12.55 Uhr. „Kurz vor Feierabend bat ich eine weitere Mitarbeiterin im Gemeindeamt, nochmals beim ADAC anzurufen. Diesmal erklärte mir eine freundliche Männerstimme vom Pannenmeldedienst, dass 11.53 Uhr ein Helfer vor Ort war, unser defektes Auto aber nicht gefunden hätte. Ich versicherte, dass wir unser Fahrzeug als Schutz vorm Dauerregen nicht verlassen und keinen gelben Engel gesehen hatten.“

Nochmals gab Juliane Eichler den Standort des Autos an – 01665 Klipphausen, Talstraße 3. Damit der nun auf den Weg geschickte ADAC-Helfer die Familie nicht nochmals verfehlte, ging Juliane Eichler ihm bis zur nahen Straßenkreuzung entgegen. So vergingen weitere sechzig Minuten ziemlich schnell, leider aber ohne die erwünschten Helfer.

Eine ältere, sehr hilfsbereite Dame aus der Krauseminzgasse gestattete, mit ihrem Telefon einen dritten Anruf beim ADAC. „Meine Frage, ob sie den Pannenhelfer auch wirklich nach Klipphausen, auf die Talstraße 3 geschickt hätten, beantwortete wieder eine andere Person: „Ja, haben sie bitte noch ein bissel Geduld. Das Fahrzeug ist auf dem Weg und wird in wenigen Minuten da sein.“ Wohin denn nun der gelbe Engel geschwirrt sei, fragte Juliane Eichler nach weiteren 40 Minuten bei ihrem vierten Anruf. „Na nach Taubenheim, war die niederschmetternde Antwort. Nochmals erklärte ich ganz genau, dass wir seit über vier Stunden weder in Miltitz, Taubenheim oder sonst wo, sondern in dem Ort Klipphausen, Talstraße 3 auf den Pannenhelfer warten.“

Die freundliche Dame vom ADAC-Pannenmeldedienst entschuldigte sich, dass da die vorherigen Kollegen wohl nicht genau genug den „Fundort“ notiert hätten. Endlich, 15.22 Uhr, rollte ein gelber Engel an, diagnostizierte und gab Starthilfe. „Nach wenigen Hundert Metern, hoppelte unser Auto wie ein junges Pferd und blieb schließlich wie ein störrischer Esel stehen. Glück, dass der Helfer des ADAC noch ein Stück hinter uns fahrend, nun den Abschleppdienst anrief. Gegen 18 Uhr kamen wir endlich zu Hause am anderen Ende der Großgemeinde an – hungrig, aber mit einer gehörigen Portion Galgenhumor.“

„Hätten Sie ein Smartphone mit der entsprechenden App des ADAC gehabt, wäre ihnen das nicht passiert. Dann hätten wir sie dank dieser Technik schnell geortet“, lautete der gut gemeinte Tipp des Mannes vom Abschleppdienst. „An dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank allen, die uns telefonieren ließen – hatten wir unser Handy ausgerechnet an diesem Tag nicht dabei – und den beiden wirklichen Pannenhelfern vor Ort, die sich sehr um unser Auto und uns bemühten.“ (SZ/ul)

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