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Freitag, 12.01.2018

Versandhäuser in Größenordnungen betrogen

Eine Frau aus Weißwasser bestellte bei Online-Händlern deutschlandweit Waren und bezahlte diese nicht.

Von Jost Schmidtchen

Die Hauptverhandlung fand vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Weißwasser statt.
Die Hauptverhandlung fand vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Weißwasser statt.

© André Schulze

Kornelia F.* (39) aus Weißwasser hat zwischen 2011 und 2014 bei Online-Händlern Waren in einem Gesamtwert von über 10 000 Euro bestellt. Die Versandhäuser vertrauten den angegebenen Adressaten und bekamen nicht mit, dass sich hinter ihnen eine Betrügerin verbarg. Die nutzte für ihre Betrugsgeschäfte falsche Namen, falsche E-Mail-Adressen, missbrauchte den Namen ihrer besten Freundin aus einem Nachbardorf und auch den ihres damaligen Lebensgefährten. Der davon angeblich nichts wusste oder nichts wissen wollte, wie sich in der Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Weißwasser bei der Zeugenbefragung herausstellte.

Insgesamt 59 Betrügereien standen im Raum – jeweils im Wert von 60 bis 500 Euro. Die Staatsanwaltschaft stellte allerdings gegen Zahlung von 2 000 Euro im Vorhinein 20 Betrügereien ein, weil die Geschädigten sich darauf einließen.

Die Hauptverhandlung zeigte, dass Kornelia F. im Tatzeitraum kein besonders glückliches Leben hatte. Schon drei Kinder aus früheren Beziehungen habend, lernte sie Bernd P.* kennen, von dem sie ein viertes Kind bekam. Von der Schwangerschaft sei dieser nicht begeistert gewesen; auch seine Eltern nicht, weil er auch anderweitige Unterhaltsverpflichtungen hatte, wie sich bei der Zeugenbefragung herausstellte. Kornelia F. hatte Hartz-IV-Leistungen bezogen, hätte dieser aber auf Grund der Beziehung zu Bernd P. mit selbstständigem Einkommen nicht haben dürfen. Als wegen eines Streits Bernd P. seine Ex anzeigte, flog nicht nur die ganze Betrugskiste mit den Versandhäusern auf, sondern auch das Hartz-IV-Geschäft. Bernd P. war schlau genug, sich mit Einkommensnachweisen und sonstigen Papieren aus der Verantwortung zu ziehen – hinterließ seiner Verflossenen aber einen Schuldenberg von 16 000 Euro gegenüber dem Jobcenter.

Bis zur Hauptverhandlung in Weißwasser hatte sich die Angeklagte Hilfe bei der Schuldnerberatung gesucht und hatte so einen Großteil der finanziellen Forderungen begleichen können. Kornelia F. hat inzwischen eine Arbeit in Festanstellung gefunden. Die zwei ältesten Kinder sind in einer Ausbildung beziehungsweise Berufstätigkeit. Den zwei Kleinen geht es gut.

Diese Umstände berücksichtigte das Schöffengericht in Weißwasser bei seiner Urteilsfindung. Kornelia F. hatte, weil es funktionierte, allerdings bei ihren Betrügereien eben immer weitergemacht. Sie wollte, so ihre Rechtsanwältin, „die irrationale Leere zwischen dem Hartz-IV-Bezug und den Bedürfnissen ihrer vier Kinder überbrücken“. Ihr Lebensgefährte habe sie dabei im Stich gelassen. Das hat er als Zeuge allerdings nicht zugegeben.

Die nicht vorbestrafte Angeklagte wurde schließlich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Das Gericht setzte die Strafe auf zwei Jahre und sechs Monate zur Bewährung aus. Die verurteilte 39-Jährige erhielt zudem die Auflagen, einen Bewährungshelfer aufzusuchen, des Weiteren die Schuldnerberatung weiter zu kontaktieren sowie innerhalb von zwei Jahren 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu verrichten.

* = Namen von der Redaktion geändert