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Dienstag, 21.03.2017

Verhandlungen über Gut Göhlis laufen

Eigentlich wollte die Stadt das Objekt an einen Investor verkaufen. Jetzt ist man an einer anderen Lösung dran.

Von Britta Veltzke

Sprungbrett musste als Pächter des ehemaligen Volksgutes Göhlis bereits Teile des Areals absperren. Es könnten Ziegel und Steine herabfallen.
Sprungbrett musste als Pächter des ehemaligen Volksgutes Göhlis bereits Teile des Areals absperren. Es könnten Ziegel und Steine herabfallen.

© Sebastian Schultz

Riesa. Die Stadt hat die diplomatischen Beziehungen zum Gut Göhlis wieder aufgenommen. Die hatten etwas gelitten, nachdem sich der Investor verabschiedet hatte, der vor zwei Jahren aus dem ehemaligen Volksgut einen Reiterhof machen wollte. Zur Erinnerung: Dem Unternehmer hätte die Stadt die marode Immobilie gern verkauft – zum einen wegen des Geldes für die Stadtkasse, zum anderen, um das Sorgenkind loswerden. Doch der Unternehmer fühlte sich am Ende von den auf dem Gut ansässigen Vereinen vergrault.

Nun kommt wieder Bewegung in die Frage, wie es mit dem Gut weitergeht: Laut Stadtsprecher Uwe Päsler gab es sowohl mit dem Sprungbrett e.V. als auch mit dem Tierschutzverein, der vor Ort das Tierheim betreibt, erste Gespräche. „Dabei geht es um die Idee, das derzeit der Stadt gehörende Areal zu teilen und die Flächen an die beiden Vereine zu übertragen“, erklärt Päsler. Ob der Eigentümerwechsel durch Verkauf, Erbbaupacht oder andere Varianten passieren werde, sei dabei aber noch nicht raus.

Gleichzeitig habe die Stadt Sprungbrett Unterstützung bei der Suche nach Fördermitteln zugesagt. „Das Eigentum wäre Voraussetzung dafür, dass der Verein auch Fördermittel beantragen kann. Alles befindet sich aber noch in einer Phase, in der nichts beschlussreif ist“, teilt der Stadtsprecher auf SZ-Anfrage mit.

Die Vereine saßen am vergangenen Freitag noch mal für eine Besprechung zusammen. Über konkrete Ergebnisse wollte sich Tierheimchef Uwe Brestel jedoch noch nicht öffentlich äußern. Nur so viel: „Jeder Verein möchte doch Planungssicherheit haben.“ Daher wäre der Tierschutzverein auch nicht abgeneigt, die Tierheimgebäude übertragen zu bekommen. „Wir haben hier ja auch schon viel investiert, in die Heizung, Fassaden, Büros“, so Brestel.

Wenn der Verein einmal aus den Gebäuden raus müsste, wäre das ein herber Rückschlag. Wie schnell das gehen kann, zeigte sich 2015, als der Investor das Gut kaufen wollte. Zwar wäre der Tierschutzverein, mitsamt dem Tierheim, von den Reiterhofplänen nicht betroffen gewesen, aber: „Man hatte schon Bedenken, wie es dann mit uns weiter geht“, sagt Brestel. Der Tierschutzverein muss der Stadt keine Pacht für die Gebäude zahlen, die er nutzt. Dafür übernimmt er mit der Versorgung von Fund- oder Abgabetieren eine wichtige Aufgabe.

Ein Großteil des 1858 erbauten Volksgutes wird aktuell vom sozialen Trägerverein Sprungbrett gepachtet. Dort befinden sich unter anderem ein Büro und der Saal im Erdgeschoss, der an Regentagen als Ausweichquartier für Kinder- und Familienfreizeiten dient. Momentan sind die Zugänge aber aus Sicherheitsgründen gesperrt und die Nutzung nicht möglich.

Die Feriencamps organisiert der Verein vor allem für die Riesaer, die sich keinen anderen Urlaub leisten können, aber der Platz und die Sprungbrett-Angebote werden auch von den Schulen genutzt. Außerdem beherbergt das Gut die Schäferei, die ebenfalls zum Verein Sprungbrett gehört.

Schon als der Unternehmer das Ensemble kaufen wollte, hatten Sprungbrett und seine Kooperationspartner die Idee, selbst ein Angebot vorzulegen, um nicht wegziehen zu müssen. Das Angebot wurde vom Stadtrat damals mehrheitlich abgelehnt. Der Verein steht aber nach wie vor dazu. „Natürlich wollen wir, dass es im Gut nun endlich vorangeht. Dazu brauchen auch wir Planungssicherheit, wenn wir Gelder und Engagement investieren“, sagt der Vorsitzende von Sprungbrett, Andreas Näther. Der Gesprächsfaden mit der Stadt sei nun wieder aufgenommen worden, um Lösungsideen und Nutzungskonzepte zu prüfen. Diese Gespräche seien von „einem beiderseitigen Willen für eine zeitnahe Lösung geprägt“. Er hofft, dass die Einzelheiten bis Frühsommer spruchreif werden.

Der Sanierungsbedarf ist allerdings enorm. In einem Gutachten über jenes Gebäude, in dem auch das Büro des Vereins untergebracht ist, heißt es: „Die Giebeldreiecke über den Gauben haben sich komplett vom Dach und dem darunter befindlichen Mauerwerk gelöst und haben keinen Verbund mit dem Dach mehr.“ Auch den Schornstein daneben sieht der Gutachter als Gefahrenquelle. Sprungbrett hat als Pächter bereits die Auflage erfüllen müssen, Teile des Areals abzusperren. Die Stadt rechnet mit Sanierungskosten von 350 000 Euro, und zwar nur für das Dach.

Finanzieren würde der Verein die Sanierung über mehrere Jahre mit Fördermitteln, Eigenmitteln, privaten Spenden und viel Eigeninitiative. „Wie es schon damals im Angebot formuliert war“, so Sprungbrett-Chef Näther.

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