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Donnerstag, 04.01.2018

Vandalismus – und kein Ende?

Am Museum, in Hauseingängen, im Park – Beschädigungen gibt es in Strehla offenbar ständig. Doch ein Gegenrezept fehlt.

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Kein Verbrechen, aber extrem ärgerlich: Hässliche Graffiti-Krakeleien tauchen in Strehla regelmäßig auf – mal an der Museums-Fassade ...
Kein Verbrechen, aber extrem ärgerlich: Hässliche Graffiti-Krakeleien tauchen in Strehla regelmäßig auf – mal an der Museums-Fassade ...

© Eric Weser

... mal  an Verkehrsschildern wie 2015.
... mal an Verkehrsschildern wie 2015.

© Sebastian Schultz

Aber es gibt auch handfeste Zerstörungen wie die Hinweistafel am Stadtpark im Frühjahr 2017.
Aber es gibt auch handfeste Zerstörungen wie die Hinweistafel am Stadtpark im Frühjahr 2017.

© Screenshot: SZ/Quelle: Strehla TV

Strehla. Sie sind Nadelstiche in Strehlas Image als beschauliche Wohnstadt: beschmierte Hauswände, zerstörte Sitzbänke, angekokelte Hinweistafeln. Regelmäßig gibt es Klagen über den Vandalismus in der Stadt. „Schon fast legendär“ nannte ihn Stadträtin Marianne Pfeil (FWG) im Dezember in einem Anflug von Sarkasmus.

Tatsächlich reißen die als unschön empfundenen Umtriebe nicht ab. Eins der sichtbarsten Beispiele aus der jüngsten Zeit: ein schwarzes Krakel-Graffiti an der Giebelseite des erst 2016 frisch außen renovierten Museumsgebäudes am Schlossplatz. Stadt-Mitarbeiter hätten bereits erfolglos versucht, den Schriftzug zu entfernen, so Bürgermeister Jörg Jeromin (FWG).

Zerstörungen gab es unlängst auch wieder im Stadtpark, berichtet die Stadt in ihrem aktuellen Strehlaer Tageblatt. Von einer Holz-Sitzbank unterhalb des Schlosses sind nur noch lose Bretter übrig.

Kleine und große Schäden

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Juli 2015: An der Torgauer Straße werden eine Mauer, eine Infotafel des Fremdenverkehrsvereins und weitere Gegenstände mit Graffiti besprüht.

Anfang 2016: Unbekannte schmieren mit Stiften verbotene NS-Symbole in einen Hauseingang am Markt.

Juli 2016: Die Fassade der Strehlaer Oberschule wird mit dem Spruch „Scheiß Schule“ beschmiert. Die Stadtpark-Mauer wird mit einem Anti-Merkel-Spruch besprüht.

November 2016: Im Stadtpark werden am „Weg der Lieder“ mehrere Schilder beschädigt und Halterungen umgerissen.

Frühjahr 2017: An den Elbwiesen werden die Scheiben von Baumaschinen eingeworfen.

Ende 2017: Ein großer Graffiti-Tag taucht an der Museums-Fassade auf, der gleiche Schriftzug findet sich an der Friedhofs-Außenmauer. .

Quelle: Polizei, eigene Recherchen

Der abschüssig hinter Schloss und Mauer gelegene Stadtpark ist eh schon länger ein Magnet für Zerstörungswütige. Angefangen bei zerstörten Pfosten und Schildern am Weg der Lieder. Gefolgt von eingeschlagenen Fensterscheiben an Baumaschinen während der Sanierung des Schlossteichs voriges Jahr. Bis hin zu Beschädigungen am hydraulischen Widder. Auch am Jugend- und Freizeitzentrum an der Leckwitzer Straße hat es schon zerdepperte Laternen und Graffiti-Schmierereien gegeben.

Die Stadtverwaltung kennt das Vandalismus-Problem – wirkt aber machtlos. Man sei bestrebt, das Vandalismus-Problem einzudämmen, so Stadtchef Jörg Jeromin (FWG) in einem Interview mit Strehla TV im letzten Frühling. Im Amtsblatt weist die Stadtverwaltung regelmäßig auf neue Vandalismus-Vorfälle hin. Startet Zeugenaufrufe, mahnt die Bürger zu Verantwortung und ruft zur Ordnung auf.

Appelle sind einigen Stadträten jedoch zu wenig. Ihr Ruf nach Videokamera-Überwachung ging aber ins Leere. Auch von einer ins Gespräch gebrachten Belohnung für Hinweise auf Täter ist aktuell keine Rede. Eine städtische Arbeitsgruppe, die bei anderen Brennpunkt-Themen wie zu Freibad, Asyl oder der B-182-Umgehung eingerichtet wurde, gibt es zum Thema Vandalismus bisher nicht. Kommt das Thema in der Stadtpolitik zur Sprache, rät Bürgermeister Jörg Jeromin (FWG), Beschädigungen konsequent bei der Polizei anzuzeigen. Die Stadt selbst tue das auch.

Das registriert man auch bei der Riesaer Polizei. Ein auffällig kriminelles Pflaster ist Strehla nach deren Kenntnis nicht – im Gegenteil. Die jüngste verfügbare Kriminalstatistik weist für 2016 insgesamt gerade einmal 96 Straftaten für das Städtchen aus. 2013 waren es noch mehr als doppelt so viele gewesen. Riesas Polizei-Revierchef Hermann Braunger zufolge hat die Polizei voriges Jahr auch eine Strehlaer Vandalismus-Serie aufgeklärt. Wie die Strafjustiz mit dem Ermittlungserfolg umgegangen ist, wisse er aber nicht, so Braunger.

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